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[U] Triebwerksprobleme: EuroAtlantic 767 setzte Atlantikflug dennoch fort

Am 20. November 2013 traten beim Start einer Boeing 767-300ER der portugiesischen Charterfluggesellschaft EuroAtlantic - sie führt derzeit unter anderem auch für die deutsche Charterfluggesellschaft Condor Langstreckenflüge ab Wien durch - Triebwerksprobleme auf. Dennoch setzte die Maschine ihren Flug über den Atlantik bis nach Paramaribo in Surinam fort. Erst der Rückflug wurde gestrichen, weil die Behörden den Flieger wegen Sicherheitsbedenken gegroundet hätten, wie der Branchendienst "Aviation Herald" meldet.

Dem Bericht zufolge führte die Maschine mit der Registrierung CS-TFT Flug PY 993 von Amsterdam nach Paramaribo im Auftrag von Surinam Airways durch. Unmittelbar nach dem Start von Piste 24 habe es am rechten Triebwerk einen lauten Knall gegeben, der am Boden und in der Kabine von Passagieren und Besatzung deutlich wahrgenommen worden sei. Unmittelbar darauf schlugen auch Flammen aus der Turbine, wie dem "Aviation Herald" vorliegende Fotos zeigen.

Laut Funkaufzeichnungen habe die Besatzung den Vorfall gegenüber der Flugverkehrskontrolle mit keinem Wort erwähnt und ihren Transatlantikflug trotz der Triebwerksprobleme bis nach Surinam fortgesetzt, obwohl eine an Bord befindliche Deadhead-Crew von Surinam Airways die Piloten im Cockpit auf das Problem aufmerksam gemacht habe. Diese hätten jedoch nur gemeint, die Parameter des Triebwerks seien im normalen Bereich.

In Paramaribo angekommen, sei die Maschine dann von Behördenseite wegen Sicherheitsbedenken gegroundet worden.

Seitens Surinam Airways, in deren Auftrag die Maschine unterwegs war, hieß es, dass EuroAtlantic sich nun einige Fragen bezüglich der Qualitätssicherung gefallen lassen und einen ausführlichen Bericht zu dem Vorfall vorlegen müsse.

Auch ein von Austrian Wings konsultierter Pilot bestätigte, dass es seiner Meinung nach "unverantworlich" sei, nach so einem Vorfall den Transatlantikflug "einfach so" fortzusetzen, "als ob nichts gewesen wäre".

"Es hätte nach meiner Einschätzung jedenfalls eine Rücklandung in Amsterdam erfolgen sollen, um das Triebwerk überprüfen zu lassen", so der Kapitän gegenüber unserer Redaktion.

Vorfall wird unter Piloten kontrovers diskutiert

Dass sich selbst Piloten bei der Beurteilung des aktuellen Falls nicht immer einig sind, zeigt die E-Mail eines anderen Flugkapitäns, die unsere Redaktion Freitagnachmittag erreichte.

Darin heißt es, dass die Checklisten in einem solchen Fall der Crew "den Weiterbetrieb freistellen" und zwar dann, wenn es "genug Indikatoren dafür gibt, dass sich das Triebwerk eben nur "verschluckt" (Engine Stall/Surge) hat", unabhängig von der Flugphase. Bei Turbulenzen etwa könne so etwas beispielsweise schon einmal vorkommen.

Deshalb könne man sowohl eine Entscheidung zur Umkehr als auch jene, den Flug fortzusetzen grundsätzlich rechtfertigen.

Angeblich sei der Flieger im konkreten Fall durch die Wirbelschleppen einer vorher gestarteten 777 geflogen.

"Wie ich entschieden hätte, weiß ich nicht. Eine sofortige Umkehr steht jedenfalls nicht in der ABNORMAL Checkliste. Ich kann mir vorstellen, dass die Crew beobachtet hat, sich gedacht hat, dass es im Moment gut aussieht und man ja noch gut zwei Stunden zumindest quasi über Land wäre und sich so lange von der Zuverlässigkeit überzeugen könnte."

(red / Titelbild: Die Boeing 767 von EuroAtlantic, Symbolbild - Foto: Thomas Ranner)