Österreich

Brisanter Verdacht: Unterdrückte Behörde Bericht zu Flugpolizei-Absturz?

EC-135 der Flugpolizei, Symbolbild - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Vor fünf Jahren starben alle vier Insassen, als ein EC-135 der Flugpolizei in den Achensee stürzte. Ein schriftlicher Abschlussbericht dazu wurde nie veröffentlicht. Nun legt ein Bericht der Tageszeitung "Kurier" nahe, dass seitens der Behörde Fakten gezielt "vertuscht" worden sein könnten.

Nach umfangreichen Untersuchungen verkündete der Leiter der Flugpolizei mündlich gegenüber Medien, dass keine technischen Gebrechen als Absturzursache festgestellt werden konnten. Es blieben daher nur zwei Möglichkeit: Vogelschlag oder eine Blendung des Piloten durch die auf die Rotorblätter auftreffenden Sonnenstrahlen. Dieser habe dadurch möglicherweise einen epileptischen Anfall erlitten und die Kontrolle über das Fluggerät verloren.

Doch in einem "geheimen Dokument, das dem Kurier vorliegt", liest sich das anders, wie der "Kurier" schreibt:

"Um 7.15 Uhr hebt der Pilot des Eurocopters mit drei Passagieren in Innsbruck ab – zwei Polizeikollegen und ein Schweizer Grenzschützer. Zunächst wird ein Polizist, der auf einer privaten Skitour war, von der Franz-Senn-Hütte zu seinem Wohnhaus nach Kufstein geflogen. Von dort geht es Richtung Achensee, wo die Flugroute mehr nach Sightseeing-Tour ausschaut. Nach einem nicht zweckmäßigen Rundflug über das Skigebiet, lässt der Pilot das Fluggerät nach links kippen und geht in einer Art Sturzflug – 20 Meter pro Sekunde rast der Helikopter in die Tiefe. Der Hubschrauber nimmt dadurch rasant Geschwindigkeit auf und erreicht die Höchstgeschwindigkeit. Nach einer leichten Rechtskurve rast das Fluggerät zehn Sekunden schnurgerade – bis es in kontrollierter Fluglage (so der Bericht) auf dem Achensee zerschellt."

Weiters heißt es in dem Geheimpapier: "Der Pilot hat bis zuletzt aktiv den Hubschrauber gesteuert und auch laufend korrigierend eingegriffen. Die hohe Sinkgeschwindigkeit war gesteuert und die Höhe über Grund (Wasser) wurde nicht richtig erkannt. Eine Korrektur blieb daher aus."

Einen Vogelschlag als Ursache schlossen die Ermittler dezidiert aus: "Suche nach Kadavern von Vögel (sic) entlang des Flugweges, ausgeschlossen werden. Es gab auch keine Zeugenaussagen, die eine Kollision mit Vögeln wahrnahmen. Es lagen keine Hinweise vor, die einen Vogelschlag erklären."

Blendung ausgeschlossen
Auch die von Flugpolizei-Seite kolportierte Version einer Blendung des Piloten, ein so genanntes "Flickr Vertigo", schlossen die Ermittler aus. Gegen ein solchen Orientierungsverlust samt epipleptischem Anfall spreche auch, dass der Luftfahrzeugführer bis zuletzt "aktiv gesteuert" habe. Seltsam mute außerdem der Umstand an, dass die Behörde auf die Durchführung eines toxikologischen Gutachtens beim Piloten verzichtet habe, obwohl ein solches kein Problem gewesen wäre, wie der Wiener Gerichtsmediziner Christian Reiter gegenüber dem "Kurier" sagte: "Ein Alkotest ist bei einer Wasserleiche leicht zu machen."

Kritik an Polizei-Flügen
Im Rahmen der Unfalluntersuchung wurden 80 vorangegangene Flüge untersucht und dabei - so eine damals involvierte Person - sei der Eindruck enstanden, "dass das ein fliegendes Hütten-Taxi ist und kein Polizei-Hubschrauber ist". Auch am Unglückstag war ein Polizist zunächst von einer Ski-Hütte abgeholt und dann zu seinem Privathaus geflogen worden, ehe der Helikopter mit den verbliebenen vier Menschen an Bord wieder abhob.

Die Untersucher hätten auch die offizielle Begründung für den Unglücksflug kritisiert. Dieser sei als "Einsatzflug" zur Überwachung der Schengen-Grenze deklariert gewesen. Doch dafür hätte es eine Bewilligung der zuständigen Bezirkshauptmannschaft benötigt - eine solche lag laut "Kurier" aber nicht vor.

Entgegen internationalen Gepflogenheiten
Obwohl seitens der Flugpolizei die "Fertigstellung" des Unfallberichtes bestätigt worden sei, wurde er niemals veröffentlicht - das widerspricht sämtlichen internationalen Gepflogenheiten bei Flugunfalluntersuchungen.

Seltsame Vorgänge im Verkehrsministerium
Laut "Kurier" hätten innerhalb eines Jahres nach der mündlichen Bekanntgabe der möglichen Unfallursachen drei der beteiligten Unfallermittler ihren Dienst beim Verkehrsministerium quittiert, ein vierter sei befördert worden.

Der Bericht, der keiner sein soll
Auf "Kurier"-Anfrage bestritt man im Verkehrsministerium, dass der Bericht - er trägt laut Angaben der Tageszeitung Bundesadler und Aktenzeichen - überhaupt einer sei.

Aufklärung gefordert
NEOS-Mandatar Rainer Hable spricht angesichts dieser Umstände von "einer merkwürdigen Ansammlung an Ungereimtheiten" und fordert "eine vollständige Untersuchung"

Nach 11 Jahren noch immer kein Bericht
Doch der fehlende Bericht zu dem Absturz eines Polizeihubschraubers in den Achensee scheint kein Einzelfall zu sein. Denn auch zu jenem Vorfall, als ein Helikopter von Knaus im Jahr 2005 einen 750 Kilogramm schweren Betonkübel verlor, der eine Seilbahn traf und neun Menschen mit in den Tod riss, gibt es noch immer keinen Bericht - obwohl der damalige Verkehrsminister Hubert Gorbach "volle Aufklärung" versprochen hatte.

(red)