Österreich

aktualisiert

Gutachter-Streit um Flugpolizei-Absturz 2011

Pilot der Flugpolizei im Cockpit eines EC 135, Symbolbild - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Im Frühjahr 2011 stürzte ein EC 135 der Flugpolizei in den Achensee. Neben dem Luftfahrzeugführer, Markus Pumpernick, starben alle drei weiteren Insassen des Helikopters. Noch sechs Jahre später streiten das Verkehrs- und das Innenministerium über die Absturzursache. Zudem widerspricht ein interner Bericht des Innenministeriums dem offiziellen Abschlussbericht.

Der 30. März 2011 war ein schwarer Tag für die heimische Flugpolizei - an diesem Tag stürzte der EC 135, OE-BXF, während eines Routinefluges in den Achensee. Alle vier Insassen kamen dabei ums Leben.

Bereits zwei Jahre später schloss Innenministeriums-Sprecher Karl Heinz Grundböck einen "technischen Defekt" aus und erklärte, dass etwa ein Vogelschlag das Unglück ausgelöst haben könnte. Zudem sei es möglich, dass der Pilot an diesem sonnigen Tag aufgrund einer optischen Täuschung die Flughöhe über dem Wasser falsch eingeschätzt habe. Auch von "Flicker-Vertigo" war die Rede. 

Diesen Standpunkt vertritt das Inneministerium, dem die Flugpolizei organisatorisch unterstellt ist, auch heute noch. Denn der Helikopter sei mit 4.000 Fuß Sinkrate auf dem Wasser aufgeschlagen. Das sei eine zehnmal so hohe Sinkrate wie im normalen Flugbetrieb. Dass der Luftfahrzeugführer einen derartigen Flugzustand wissentlich in vollem Bewusstsein herbeigeführt habe, schließt die Behörde aus. Dies passe nicht zum Wesen, zur Stellung oder zur Ausbildung des Piloten, der zugleich auch Stützpunktleiter der FEST-Innsbruck war, heißt es vom BMI.

Gutachter kritisiert Version des BMI
Ein externer Gutachter und das Verkehrsministerium sehen dagegen einen Pilotenfehler als Unglücksursache. Es seien keinerlei Indizien für Vogelschlag am Wrack gefunden worden. Zudem sei der Helikopter bis zum Aufschlag "kontrolliert gesteuert" worden, heißt es. Weiters konstatierte der Gutachter "schwere flugbetriebliche Mängel" bei der Flugpolizei. Das Innenministerium wies dies umgehend zurück.

Die Tageszeitung "Kurier" weist in einem aktuellen Bericht ebenfalls auf einige Ungereimtheiten hin. Unter Berufung auf ein ihr vorliegendes internes Protokoll heißt es in dem "Kurier"-Artikel, dass die Leiche des Piloten noch angeschnallt in seinem Sitz geborgen worden sei. Der rechte Daumen und ein Bein hätten Verletzungen aufgewiesen, wie sie bei Abstürzen typisch sind, sofern der Pilot Händde und Füße noch an bzw. auf den Steuereinrichtungen hat. Das stütze die These, dass Markus Pumpernick den Hubschrauber bis zuletzt aktiv gesteuert hat, was einen Vogelschlag wiederum ausschließen würde.

Und selbst in einem internen Bericht des Innenministerums heißt es zum Piloten: "Eine relevante Bewusstseinsbeeinträchtigung in der Phase vor dem Aufschlag kann praktisch ausgeschlossen werden." Damit wären sowohl der Vogelschlag als auch der epileptische Anfall durch Sonnenblendung de facto ausgeschlossen.

Zudem will ein Zeuge einige Tage zuvor "Sturzflüge" eines Polizeihubschraubers über dem Achensee beobachtet haben. Am Freitag teilte ein anonymer Anrufer derartige Beobachtungen telefonisch auch der Austrian Wings Redaktion mit. "Ich habe dies auch an Herrn Senn, den Leiter der Flugpolizei, seinerzeit anonym gemeldet", so der Anrufer. Doch wie er anschließend "auf Umwegen erfahren" haben will, sei seiner Eingabe "nicht weiter nachgegangen" worden.

Unklar ist, ob es sich bei dem Kurier- und dem Austrian Wings-Informanten um die gleiche Personen handelt.

(red CP, CvD)