Österreich

Neos-Abgeordneter Hable: Heimische Flugpolizei mit hoher Absturzrate

Cobra-Beamte seilen sich aus einem Helikopter der Flugpolizei ab, Symbolbild - Foto: Robert Erenstein

Neos-Abgeordneter Rainer Hable übt im Gespräch mit der Tageszeitung "Kurier" scharfe Kritik an den Zustanden bei der heimischen Flugpolizei sowie der Untersuchung der zahlreichen Abstürze.

So ereigneten sich in Österreich seit dem Jahr 1986 acht schwere Unfälle mit Polizeihubschraubern, bei denen 14 Menschen ihr Leben verloren. Insgesamt habe die Flugpolizei 17 Helikopter, die verunfallten Helikopter mussten ersetzt werden, was den Steuerzahler mehr als 47 Millionen Euro gekostet habe, wie aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage hervorgehe.

In Deutschland habe es im gleichen Zeitraum lediglich fünf Unfälle mit 13 Toten gegeben - und das obwohl dort 87 Helikopter, als mehr als fünf Mal so viele wie in Österreich, bei der Exekutive im Einsatz stehen.

"Brisant" sei laut dem Politiker auch, dass die Unfälle der Flugpolizei in Österreich seit einigen Jahren nicht mehr von unabhängiger Stelle untersucht werden: "Seit der Novellierung 2012 passieren die Unfälle im rechtsfreien Raum. Man fragt sich, ob hier bewusst die wahren Gründe vertuscht werden sollten."

Vor der Novelle habe es Kritik von Fachleuten und Verbänden, darunter auch die Austrian Cockpit Association gegeben, die gewarnt hätten, dass sich Österreich mit einem derartigen Schritt von einer "modernen Sicherheitskultur" verabschiede.

Auch im Fall des Absturzes eines EC135 der Flugpolizei in den Achensee im Jahr 2011 streiten die Gutachter bis heute über die Absturzursache, da es keinen offiziellen unabhängigen Abschlussbericht gibt.

Seitens des Innenministeriums wird ein Pilotenfehler ausgeschlossen, obwohl ein ziviler Gutachter zu der Überzeugung gelangt ist, dass der Pilot den Hubschrauber bis zum Aufprall kontrolliert gesteuert haben muss.

Beim "Kurier" hat sich nach Angaben der Tageszeitung zu diesem Unfall nun ein neuer Zeuge gemeldet, der den Helikopter wenige Minuten vor dem Absturz beobachtet haben will, als er auf einem Bauernhof arbeitete: "Der Hof steht auf einem Bergrücken auf 1034 Meter. Südlich vom Hof fallen unsere Wiesen in ein Tal ab. Die Talsohle hat etwa 1000 Meter Seehöhe. Plötzlich kam der Hubschrauber aus Thiersee kommend ein paar Meter über den Baumwipfeln zu unserer Wiese, wo er den Geländestrukturen folgend – wie im Kampfeinsatz – wenige Meter über Grund weiterflog. Der Hubschrauber flog tiefer als mein Standpunkt war, da ich die Rotorblätter von oben sehen konnte. Am Ende der Wiese zog der Pilot den Hubschrauber nach oben, um knapp über den Bäumen weiterzufliegen."

Minuten später stürzte der EC135 in den Achensee, alle vier Insassen kamen ums Leben.

Der dem "Kurier" namentlich bekannte Zeuge sei nach eigenen Angaben bis heute nicht einvernommen worden.

(red)