Punktlandung

"Brandgefährlich?" - Die Farce ganz ohne versteckte Kamera

Für Kuriositäten sorgt normalerweise das Format der "versteckten Kamera" im TV. In Wien-Schwechat wurde es ausgerechnet um gar nicht versteckte Kameras ziemlich grotesk... - Foto: Austrian Wings Media Crew

Vielleicht sind Sie schon einmal über die Austrian Wings Mediathek gestolpert. Jenen Bereich, wo wir Ihnen in Bewegtbildern Interessantes aus der Welt der Luftfahrt vorstellen. Das übernehmen zumeist die Kolleginnen und Kollegen von V-I-P.tv. Dazu, und auch für zahlreiche andere Auftraggeber, reisen ihre Filmteams regelmäßig rund um die Welt – natürlich per Flugzeug. Die wirklichen Kuriositäten spielen sich dabei jedoch offensichtlich ausgerechnet in Wien-Schwechat ab, wie ein V-I-P.tv Team aktuell zu berichten weiß...

Seit 2010 sind wir mit unserem Produktions-Equipment regelmäßig auf Achse, dutzende Male pro Jahr per Flugzeug. Dazu haben wir die Ausrüstung auch entsprechend "reisetauglich" gestaltet. Alle sensiblen Gerätschaften sind in nahezu unverwüstlichen Spezialkoffern untergebracht, weil uns klar ist, dass Gepäck auf Flugreisen nicht immer mit Samthandschuhen angefasst wird. Innerhalb der Koffer ist jedes einzelne verpackte Utensil rundherum schaumstoffgepolstert. Und natürlich achten wir auch auf das Gewicht der einzelnen Gepäckstücke, schließlich müssen es ja nicht nur am Flughafen die Lader, sondern rundherum auch wir selbst tragen, heben und bewegen.

Unser hochsensibles Equipment ist in derartigen Spezialkoffern untergebracht: wasser- und luftdicht, rundherum gepolstert und besonders widerstandsfähig. - Foto: Portabrace

Seit 2010 also haben wir wohl überdurchschnittlich viel Know-How erworben, was das Reisen mit Filmproduktionsausstattung anbelangt. Und gerade das Thema "Akkus" hat in jüngerer Vergangenheit immer wieder viel Diskussionsstaub aufgewirbelt. Grund genug für uns, hier besondere Sorgfalt walten zu lassen. Doch das reicht offensichtlich auch nicht immer aus.

So fanden wir uns kürzlich beim Check-In für eine Reise nach Lissabon ein, wo wir eine Produktion im Auftrag eines britischen Kunden realisieren sollten. Wie üblich hatten wir bereits vorab eingecheckt, alles Sondergepäck korrekt angemeldet und vorab bezahlt. Den Trolley mit drei Kamerastativen nahm, ebenfalls bereits gewohnheitsmäßig, die äußerst freundliche Dame am AUA Baggage Drop-Off entgegen; mit den speziellen Kamera- und Zubehörkoffern wurden wir zum "Bulky Luggage Counter", also dem Schalter für Sondermaß-Gepäck, geschickt.

Der von der AUA betreute Sondergepäck-Schalter am Flughafen Wien-Schwechat - Foto: N. Grund / IGET

Nicht etwa, weil diese Koffer außergewöhnliche Abmessungen hatten, sondern weil derartiges Spezialgepäck zunächst per Röntgen-Scan geprüft und anschließend über schonendere Wege verladen wird. Das handhaben fast alle Airlines beziehungsweise ihre Ground Handling Partner weltweit so.

Am Übergepäckschalter angekommen, hieß es zunächst einmal warten. Genauer gesagt, mehr als eine halbe Stunde, denn die dort befindliche Mitarbeiterin schien mit den beiden Check-In anderer Reisender etwas überfordert. Vor uns aufgegebene Sportgeräte in typischen Zarges-Alukisten oder zwei entzückende Hunde im IATA-konformen Kennel mochten der Dame wohl all ihr Können abverlangt haben, doch schließlich dürften doch alle Passagiere samt ihren Habseligkeiten oder Vierbeinern korrekt abgefertigt worden sein. So stand fortan unser Film-Equipment im Fokus.

Filmproduktionen - nicht nur wie hier, luftfahrtspezifisch zusammen mit Austrian Wings - erfordern oftmals den Transport von entsprechendem Equipment rund um die Welt. Probleme wie zuletzt in Wien-Schwechat gab es für uns dabei noch nie... - Symbolfoto: T. Rosenberger / Korn-PR

Ebenfalls gewohnheitsmäßig wurden die Kofferinhalte nun per Röntgenapparat überprüft. Unterstützung erfuhr die AUA-Mitarbeiterin hierbei von zwei Flughafenangestellten, die parallel auch für Gepäckaufbewahrung und -folierung zuständig schienen. Kaum strahlendurchleuchtet, forderte ein Airportmitarbeiter: "Die Koffer bitte öffnen!" – Was wir selbstverständlich auch prompt taten.

Die Akkus müssten überprüft werden, so die an uns übermittelte Information. Vor allem hinsichtlich ihrer Leistungsstärke. Wie hoch diese sein dürfe, wusste aber ausgerechnet die für die Abfertigung zuständige AUA-Mitarbeiterin nicht. Wir hingegen schon, und demzufolge brachte es sogar der stärkste verstaute Stromspeicher auf weniger als die Hälfte der Obergrenze. Auch die (kurzschluss-)sichere Verwahrung der Batterien wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen; die Herrschaften zeigten sich zufrieden, holten jedoch noch eine handgeschriebene Liste hervor: "Wir müssen die Anzahl der mitgeführten Akkus notieren. Das ist bei uns Vorschrift", erklärte man uns unaufgefordert, fast schon entschuldigend. Danach wurde unser Gepäck verschlossen, weitertransportiert und auch wir begaben uns in Richtung Gate.

Sicherheitskontrolle, Fußmarsch zum Flugsteig, und dann plötzlich eine Premiere: Kaum am Gate und nur kurz vor Beginn des Boardings angekommen, ertönte eine Lautsprecherdurchsage mit unseren Namen, die uns zur "umgehenden" Rückkehr zum Übergepäckschalter rief. Wer das Terminal 3 in Schwechat kennt, weiß, dass der etwas verwinkelte Weg hinunter zur Gepäckausgabe, durch den Zoll, über die Ankunftshalle hinauf zur Check-In-Ebene selbst im Laufschritt einige Zeit in Anspruch nimmt. In dieser Zeit geht sich also, wie wir vernehmen durften, locker ein zweiter Ruf nach uns aus.

Zurück am Schalter erwartete uns nun, neben den beiden Flughafen-Bediensteten und der bereits bekannten AUA-Mitarbeiterin, eine weitere in rot gekleidete Dame. Diese erklärte uns, dass der Transport unserer Kamera-Akkus im Gepäck nicht möglich sei. "Das wäre nun der erste so gelagerte Fall in all den Jahren", entgegneten wir verwundert, und erkundigten uns nach dem Grund. "Na, wissen Sie nicht, wie oft solche Batterien an Bord Feuer fangen und es dann zu schlimmen Problemen kommt?", belehrte uns die offensichtliche AUA-Supervisorin als Gegenfrage. "Nein", resignierten wir, "das wissen wir tatsächlich nicht genau. Wie oft denn?"

Nun blickten wir in ein ratlos wirkendes Gesicht der Mitarbeiterin. "Äääh... Naja... Also... Sehr oft, jedenfalls!" ließ sie uns wissen.

Akku-Abenteuer bei TAP. Laut AUA-Mitarbeiterin im Frachtraum erlaubt, wenn im Gerät eingesetzt, alternativ auch lose im Handgepäck. Zu derartigen Regelungen wussten allerdings weder die Check-In-Kollegen Bescheid, noch ist eine solche Information auf der TAP-Seite aufgeführt.

Auch ein kurzer Anruf im AUA-Headquarter unsererseits vermochte das vermeintliche Problem, welches man einer Vorschrift der Fluggesellschaft TAP anlastete, nicht zu lösen – und unser Boarding stand kurz bevor. Doch die "Lösung", dass in jedes Gerät – also Kameras, Licht, Ladekonsolen und dergleichen – die Akkus eingesetzt werden sollten, anstatt sie unkonnektiert (wenngleich auch gesichert) zu transportieren, konnte uns die resolute Dame schlussendlich offerieren. Um jedoch sofort hinzuzufügen: "Aber es muss sichergestellt sein, dass sich keines der Geräte im Flug selbsttätig einschalten kann!"

Ein Umstand, der ausgerechnet ohne eingelegte Batterien zu einhundert Prozent sichergestellt wäre, doch scheinbar nimmt das Risiko der angeblich "sehr oft" auftretenden Spontanentzündungen signifikant ab, wenn die Stromspender unmittelbar mit den Geräten verbunden sind. Lose Akkus dürften, so wurden wir darüber hinaus in Kenntnis gesetzt, nur im Handgepäck mit einer Höchstgrenze von drei Stück pro Person transportiert werden. Vielleicht, weil in der Kabine nötigenfalls schneller ein Feuerlöscher zur Hand wäre als im Frachtraum? Wir hinterfragten den Umstand nicht weiter, zumal unser Abflug ja bereits kurz bevorstand.

Zügigen Schrittes ging es also ein weiteres Mal durch die Sicherheitskontrolle und zum Gate, und schließlich konnten wir in Lissabon auch unser Equipment wieder wohlbehalten, vollzählig und unverbrannt entgegennehmen. Den Dreharbeiten stand glücklicherweise nichts mehr im Wege.

Kamera-Equipment kann offensichtlich auf so mancher Flugreise zu wunderlichen Check-In-Abenteuern verhelfen... - Symbolfoto: N. Türkoglu / V-I-P.tv

Bei der Rückreise zeigten wir uns sicherheitshalber schon entsprechend sensibilisiert. Neben unserem ohnehin immer großzügigen Zeitpuffer fanden wir uns diesmal ungewöhnlich lange vor dem Abflug am portugiesischen Hauptstadt-Airport ein. Alles nahm seinen gewohnten Weg: Per Self-Check-In druckten wir die Bordkarten und Gepäckanhänger aus, begaben uns anschließend zum "Baggage Drop Off"-Counter, wo alles gewogen wurde. Wie üblich pilgerten wir mit dem "wertvollen" Equipment schließlich zum "Bulky Luggage"-Counter und packten die Koffer auf das Röntgenförderband. Die beiden Mitarbeiterinnen nahmen die Fracht prompt in Augenschein und wünschten lächelnd eine gute Reise. "Brauchen Sie sonst noch etwas von uns?", erkundigten wir uns sicherheitshalber auf Englisch. "Nein, alles in bester Ordnung!" entgegneten die Damen, welche die Uniform der für die Sicherheitsagenden zuständigen Gesellschaft trugen. Und obwohl wir es nach unzähligen Reisen auch nicht anders gewohnt waren, überraschte uns dieser Umstand gewissermaßen, hatte man uns doch ausgerechnet in Österreich darüber aufgeklärt, dass die spezielle "Akku-Problematik" angeblich den portugiesischen Vorschriften geschuldet wäre.

Um ein Haar wäre die Produktion in Portugal, für welche sogar Mitwirkende aus den USA angereist waren, durch die Berufung auf angebliche "Airline-Vorgaben" auf der Kippe gestanden. Und das, obwohl eine solche "Akku-Regelung" nirgendwo schriftlich festgehalten ist... - Symbolfoto: R. Courtier / www.courtier.at

Zwischenfälle mit Batterien können tatsächlich fatal enden, das sollte niemand wegdiskutieren. Auf der anderen Seite ist es kaum denkbar, nun keinerlei Stromspeicher mehr an Bord von Verkehrsmaschinen zu befördern. Laptops, Tablets, Rasierapparate, selbst Kinderspielzeug – jedes nur erdenkliche Gerät ist heutzutage mit Akkus betrieben. Wichtig ist es, die dafür sicherheitsrelevanten Vorgaben einzuhalten: Natürlich muss die Batterie aus qualitativ hochwertiger Produktion stammen, darf keinen hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt werden und ihr Ladezustand ist gegebenenfalls, wie eine erst kürzlich veröffentlichte Direktive vorgibt, auf 30 Prozent zu begrenzen – dies bezieht sich jedoch auf den Bereich Handelswarentransport (Cargo).

Dass Sicherheit in der Luftfahrt eine große Rolle spielt, steht außer Frage. Dazu kann es immer wieder regional abweichende Vorschriften geben. Diese zu kennen, ist Aufgabe des Abfertigungspersonals. Wenn drei Personen das Gepäck von Passagieren per Röntgen und persönlicher Inspektion in Augenschein nehmen, für in Ordnung befinden und die Fluggäste zum Gate entsenden, darf man es zu Recht als Farce empfinden, kurz vor Abflug nochmals zurück zum Counter gerufen zu werden, weil eine vierte Person plötzlich ein Veto einlegt. Und es ausgerechnet für jene Airline, im Auftrag derer die Vorschrift "exekutiert" wurde, offensichtlich überhaupt kein Problem darstellt, handelsübliche Stromspeicher in sicher verpackter Form zu befördern.

Trotz des von Austrian Airlines oft zitierten "Smile" könnte so manchen Passagieren angesichts solcher Erfahrungen das Lachen bereits vor dem Einsteigen vergehen.

(AG)

Hinweis: „Punktlandungen” sind Kommentare einzelner Autoren, die nicht zwingend die Meinung der Austrian Wings-Redaktion wiedergeben.