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DLR - Weltweiter Luftverkehrsrückgang scheint vorerst gestoppt

Der starke Einbruch des weltweiten Luftverkehrs scheint vorerst gebremst. Die negativen Wachstumsraten näherten sich in den letzten Monaten immer mehr dem Nullpunkt. Gegen Ende 2009 ist sogar wieder ein positives Wachstum denkbar. Dies ist eine der Kernaussagen der neuen Luftverkehrsstudie Global Aviation Monitor (GAM), die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erstellt wurde.

Die deutlichen Veränderungen sind besonders auf das Wachstum in Asien und dem Mittleren Osten zurückzuführen, aber auch in Nordamerika, dem größten Luftverkehrsmarkt, ist das negative Wachstum zum Stillstand gekommen. Demgegenüber wird der Luftverkehr in Europa und auch in Deutschland in den kommenden drei Monaten wahrscheinlich noch weiter rückläufig sein. Der quartalsmäßig erscheinende Bericht der DLR-Einrichtung Flughafenwesen und Luftverkehr beschreibt zeitnah die aktuelle Verkehrssituation in den einzelnen Weltregionen und gibt einen Ausblick über die künftige Entwicklung in den nächsten drei Monaten. Dabei werden sowohl Aussagen zum globalen Flugangebot als auch zum europäischen und deutschen Markt sowie einzelnen Flughäfen und Fluggesellschaften gemacht.

DLR-Studie GAM beleuchtet mehr als 3500 Flughäfen und 850 Fluggesellschaften

Die Wissenschaftler betrachteten weltweit mehr als 3500 Flughäfen und rund 850 Fluggesellschaften. Seit den 50er Jahren ist ein stetiges Wachstum im Luftverkehr zu verzeichnen, das lediglich von einigen kurzfristigen Einbrüchen unterbrochen war. So verursachten beispielsweise die Ölkrise oder die Terrorangriffe vom 11. September 2001 solche Einbrüche. Besonders in den letzten Jahren ist es zu einem starken Aufschwung im Luftverkehr gekommen. Nachdem im Jahr 2008 weltweit etwa 30 Millionen Flüge im planmäßigen Linien- und Charterluftverkehr angeboten wurden, gibt es seit mehr als einem Jahr deutlich rückläufige Tendenzen. Nun liegen erstmalig Anzeichen vor, dass dieser Negativtrend gestoppt sein könnte. Allerdings gibt es auch gegenteilige Meinungen, die davon ausgehen, dass die Folgen der Weltwirtschaftskrise im Luftverkehr erst noch bevorstehen, da beispielsweise viele Urlaubsreisen zu Zeiten gebucht wurden, als es den Menschen finanziell noch gut ging.

Luftverkehr in Europa: Fünf Prozent unter dem Vorjahr

Im Berichtsmonat September 2009 wurden rund 2,5 Millionen Flüge angeboten, was einem Nullwachstum gegenüber einem noch fünfprozentigen Rückgang im Frühjahr dieses Jahres entspricht. Während der Verkehr insgesamt wieder das Vorjahresniveau erreicht, gibt es jedoch auch Unterschiede in den einzelnen Regionen. Stark betroffen von der Krise ist weiterhin besonders Europa, dessen Verkehr zurzeit immer noch rund fünf Prozent unter dem des letzten Jahres liegt. Doch auch hier sind positive Anzeichen erkennbar. In geringerem Maße sind die positiven Entwicklungen auch in Deutschland spürbar. Hier wird der Negativtrend mit rund minus sieben Prozent wahrscheinlich noch bis Ende 2009 anhalten.

In anderen Regionen, wie beispielsweise dem Nahen Osten, wird sich der positive Wachstumstrend mit über zehnprozentigem Wachstum dagegen weiterhin fortsetzen, wenn auch in etwas geringeren Maßen als noch im Sommer dieses Jahres. Auch der Wachstumsmarkt Asien, der Anfang 2009 zwischenzeitlich ebenfalls in die Verlustzone gerutscht ist, konnte sich seit dem Sommer wieder stabilisieren und weist seitdem ein überproportionales Wachstum auf.

DLR-Wissenschaftler erwarten positives Wachstum an deutschen Flughäfen

Positive Entwicklungen spiegeln sich auch auf einigen großen Flughäfen wider. So haben Flughäfen, wie zum Beispiel Los Angeles in Nordamerika, die im Frühjahr noch durch hohe, teilweise zweistellige negative Entwicklungen gekennzeichnet waren, heute nur noch einen Rückgang von weniger als vier Prozent. Andere Flughäfen wie Atlanta oder San Francisco liegen sogar wieder im positiven Trend. In Europa dagegen zeigen Flughäfen wie Frankfurt, London, Paris oder Amsterdam immer noch Rückgänge von mehr als fünf Prozent auf. Positives Wachstum gibt es dagegen auf Flughäfen in Asien, so in Peking und vereinzelt in Europa, wie beispielsweise in Istanbul. In Deutschland lässt sich unter anderem auf Flughäfen mit Low Cost Carrier (LCC)-Angeboten positives Wachstum erkennen.

Parallel hierzu verläuft auch die Entwicklung bei den Fluggesellschaften. So weisen besonders Fluggesellschaften, die in Nordamerika tätig sind, wie beispielsweise Delta Air Lines, und die im Frühjahr Rückgänge von über zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr aufwiesen, derzeit nur noch einen Rückgang von weniger als vier Prozent auf, während United Airlines sogar fast wieder den Vorjahreswert erreicht. Air China, ein anderes Beispiel einer weltweit großen Airline, konnte das Angebot dagegen auch weiterhin um rund 13 Prozent steigern. In Europa ist besonders British Airways noch von der Krise betroffen, im Gegensatz dazu haben unter anderem Turkish Airlines und einige Low Cost Carrier ihr Angebot erhöhen können. Dies machte sich auch in Deutschland bemerkbar. Hier konnte beispielsweise Ryanair das Angebot im September 2009 um fast 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausbauen. Auch wenn es sich bei dem analysierten Flugangebot nur um Plandaten handelte, so besteht doch eine enge Korrelation mit dem tatsächlichen Verkehr.
Für das nächste Vierteljahr ist somit, global gesehen, mit einem ähnlichen Flugangebot wie im letzten Jahr zu rechnen. Dabei gibt es Unterschiede in den einzelnen Verkehrsmärkten. Während der USA-Markt wieder wächst, werden die Rückgänge in Europa noch einige Zeit anhalten. Es gibt jedoch auch hier vereinzelt erste Anzeichen für eine mögliche Erholung. Das weltweite Flugangebot wird insgesamt unter 2,5 Millionen Flügen pro Monat liegen, was teilweise aber saisonbedingt und auf die bevorstehende Wintersaison zurückzuführen ist. Auch in Deutschland hält die rückläufige Tendenz noch an, dabei wird auch für die nächste Zeit mit einem Rückgang von bis zu sieben Prozent gerechnet.

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red AW / DLR