Österreich

Air France, Wien - Toulouse: "Mutige Expansion" mit Low-Cost-Carrier Modell

Air France A320 - Foto: Air France

Per 1. 4. 2012 wird Air France die Verbindung von Wien in die Flugzeug-Montagemetropole Toulouse eröffnen. Obwohl sich das Unternehmen des schwierigen wirtschaftlichen Jahres 2012 für die Airlinebranche bewusst ist, zeigt man sich optimistisch, dass diese künftig vier Mal wöchentlich betriebene Direktverbindung zur Erfolgsstrecke wird.

Air France hat eine lange Geschichte in Österreich, die erste Flugverbindung zwischen Paris und Wien fand bereits anno 1933 statt. 1956 wurde eine tägliche Verbindung aufgenommen, vorerst mit einer Vickers Viscount, später mit einer Constellation bzw. Caravelle. Seit 1966 wird die Strecke als Direktflug bedient.

1998 ging Air France schließlich eine Kooperationsvereinbarung mit Austrian Airlines ein, welche nach wie vor aufrecht ist. "Leider haben wir die Verbindungen in die österreichischen Bundesländer verloren", so Guido Hackl, Österreich-Chef von Air France/KLM. "Wir haben versucht, diese mit anderen Carrieren aufrecht zu erhalten, etwa durch Styrian Spirit, was aber durch deren Konkurs ebenfalls nicht funktioniert hat."

Nun verbindet die Airline ab April 2012 Frankreichs viertgrößte Stadt per Direktflug in zwei Stunden mit der österreichischen Bundeshauptstadt. Flughafen-Vorstand Julian Jäger: "Wir freuen uns sehr über diese neue Verbindung, unsere 164. Destination im Sommerflugplan!" Toulouse ist vor allem für Luftfahrt-Enthusiasten auf Grund des dort angesiedelten Airbus-Werks spannend. Zum Einsatz auf der neuen Verbindung werden Fluggeräte vom Typ Airbus A319 und A320 kommen.

Julian Jäger (Flughafen Wien) und Guido Hackl (Air France) - Foto: M. Klein / Austrian Wings

Julian Jäger (Flughafen Wien) und Guido Hackl (Air France) - Foto: M. Klein / Austrian Wings

Die Flugzeiten im Detail

Dienstag

  • Wien - Toulouse (AF4373): 13:20-15:25 Uhr
  • Toulouse - Wien (AF4372): 10:15-12:30 Uhr

Freitag

  • Wien - Toulouse (AF4373): 19:50-21:55 Uhr
  • Toulouse - Wien (AF4372): 16:15-18:30 Uhr

Samstag

  • Wien - Toulouse (AF4373): 19:15-21:55 Uhr
  • Toulouse - Wien (AF4372): 16:55-19:10 Uhr

Sonntag

  • Wien - Toulouse (AF4373): 13:20-15:25 Uhr
  • Toulouse - Wien (AF4372): 10:25-12:40 Uhr

Low-Cost-Carrier als Vorbild beim Tarifmodell

Guido Hackl weiß um den derzeit schwierigen Airline-Wirtschaftsmarkt Bescheid und räumt ein: "Die Industrie befindet sich im Umbruch, 2012 wird ein schwieriges Jahr." Nicht zuletzt deshalb verfolgt Air France auf der Toulouse-Verbindung eine Strategie, welche man von Low-Cost-Carriern kennt: den Einfachflug wird es inklusive Taxen bereits ab 49,00 Euro geben. "Damit hoffen wir, entsprechende Nachfrage zu generieren", gibt Hackl sich optimistisch. Und schon nach zwei Jahren soll "zumindest der Break-Even" erreicht sein.

Regionale Hubs sollen forciert werden

Auch der Ausbau regionaler Hubs zählt zum neuen Konzept der Airline. "Wir verfolgen eine Expansionsstrategie in Frankreichs Schlüsselregionen - via Kurz- und Mittelstrecke sollen Marktanteile regionaler Hubs zurückgewonnen werden", so Hackl. Marseille machte dabei bereits im Oktober 2011 den Anfang, per März kommen nun Toulouse und Nizza mit etwa 1.000 wöchentlichen Flügen hinzu.

Eine wichtige Formel zur Kostenreduktion bei Air France lautet "homogene Flotte + optimierter Flugzeugeinsatz + Crew-Stationierung vor Ort". Kurze Turnaround-Zeiten und die - wie man betont, auf freiwilliger Basis basierende - Unterbringung des Personals vor Ort soll eine Kosteneinsparung im Rahmen von 15 bis 20 Prozent erreicht werden. "Die Arbeitszeit pro Tag für die Crew wird damit zwar länger, in Summe ergeben sich jedoch mehr freie Tage", rechnet Hackl vor. Für das Kabinenpersonal sollen durchschnittlich 650 Arbeitsstunden, aufgeteilt auf weniger als 120 Tagen, anfallen; die Piloten werden unter 715 Stunden innerhalb von 130 Tagen im Einsatz sein.

Alles in allem ist man sich bei Air France bewusst, dass es sich bei der Expansion um ehrgeizige Pläne handelt: "Ja, das ist mutig", räumt Guido Hackl ein. "Schließlich müssen die Plätze erst einmal gefüllt werden." Dazu setzt man auf enge Kooperationen mit Touristikvertretern und der französischen Botschaft in Wien. In den ersten Monaten der neuen Verbindung erwartet die Fluggesellschaft eine 60prozentige Auslastung. Der "österreichische Beitrag" hierzu soll etwa ein Drittel ausmachen. "Wir sind auf einem guten Weg", freut sich der Air France/KLM-Österreich-Direktor - etwa 32 Prozent der vorausgebuchten Passagiere haben ihre Tickets in Österreich erworben.

Folgende Artikel könnten Sie auch interessieren:

Streiks bei Air France – zahlreiche Flüge ausgefallen

Air France/KLM meldet Passagierplus

(red Aig / MK)