Punktlandung

Sky Flight Academy: Die wahre Bruchlandung heißt Kommunikation!

Ein Kleinflugzeug legt ohne Fahrwerk eine Bruchlandung in Linz-Hörsching hin. Piloten bringt man für solche Notfallsituationen bei, bloß nicht hysterisch zu werden. Vielleicht benötigten aber gerade die Vertreter mancher Flugunternehmen ebensolche psychologische Schulungen, wie genau dieser aktuelle Fall nahelegt.

Im Grunde war es ein Zwischenfall, der - mit sehr viel Glück im Unglück - einen glimpflichen Ausgang gefunden hat. Im Zuge eines von Krems gestarteten Ausbildungsfluges ging es für die zwei Insassen der DA42 Twin Star, einen Flugschüler (49) sowie seinen Lehrer, in Richtung Oberösterreich. Dort wurden zunächst einige Flugmanöver routinemäßig trainiert, ehe man zur Landung in Hörsching ansetzte.

Weshalb der Touchdown ohne Fahrwerk erfolgte, ist aktuell Gegenstand von Ermittlungen. Klar ist: Die Maschine schlitterte auf dem Bauch über die Piste, ehe sie zum Stehen kam. Dabei wurde sie erheblich beschädigt, die Insassen erlitten jedoch keine Verletzungen.

Statt Krisen-PR in die PR-Krise

Der Unfall wurde in die Berichterstattung zahlreicher Medien, natürlich auch auf Austrian Wings, aufgenommen. Und es sollte sich zeigen: Den wirklichen Schaden dürfte sich das Unternehmen nicht durch den Landeunfall, sondern seine Form der Öffentlichkeitsarbeit selbst zufügen. Denn im Zuge unser Recherchen ersuchten wir zu Beginn beim Betreiber des Flugzeuges, der zur "Firma Sky Flight Academy" gehörigen "Sky Flight Charter" aus Krems, um Stellungnahme. Die erhielten wir prompt von Alfred Oberhofer, dem "Accountable Manager" betreffender Gesellschaft. Darin lässt er durchblicken, dass er am liebsten selbst, als Unternehmensvertreter, darüber entscheiden wolle, wie viel öffentliche Beachtung diesem Zwischenfall geschenkt werden soll. Seiner angeblichen Erfahrung nach hätten Versicherungen sich auf Grund von Medienberichten nach Unfällen um Zahlungen zu drücken versucht. Dass dies im Zeitalter von behördlicher Unfallermittlung und damit einhergehender Schadensklärung tatsächlich gang und gäbe sein sollte, ist uns neu und wurde durch Herrn Oberhofer auch nicht weiter belegt.

Auch darüber, dass etwa der ORF Fotos von der verunfallten Maschine veröffentlicht hat, lässt der Sky Flight Charter Verteter sich gegenüber unserer Redaktion als etwas verwunderliche Beantwortung unserer Medienanfrage aus. Die ORF-Bildpublikation sei immerhin "ohne seine Zustimmung" geschehen. Dass eine solche jedoch überhaupt nicht nötig ist, scheint er entweder nicht zu wissen, oder einfach geflissentlich zu ignorieren. Aber er habe ohnehin bereits "hitzige Debatten" mit dem Österreichischen Rundfunk in dieser Causa ausgefochten, wie Oberhofer betont. Und schließlich würde, seiner Auffassung nach, auch über den Polizeibericht, auf den sämtliche Medien sich berufen, "noch zu reden sein".

Keine Fachberichte durch Fachmagazine?

Als Luftfahrt-Fachmagazin, will Oberhofer belehren, solle man am besten gänzlich auf die Berichterstattung nach Unfällen verzichten. Wie wir schon vor längerer Zeit in anderem Zusammenhang erwähnt haben: Es wäre uns auch lieber, gäbe es täglich nur Jubelmeldungen über die Branche. Doch die Zwischenfälle zu ignorieren, käme einer Missachtung des journalistischen Auftrags gleich. Glücklicherweise bleibt die Verhältnismäßigkeit durchwegs zu Gunsten der Branche gewahrt: Bei aktuell weit über 23.300 Meldungen auf unserem Portal stehen nur etwa 4 Prozent im Zusammenhang mit Unfällen.

Wer sich mit der Schaltung von Werbeanzeigen geschönte Berichterstattung kaufen möchte, ist bei Austrian Wings definitiv an der falschen Adresse. - Sujetfoto: Wikimedia Commons
Wer sich mit der Schaltung von Werbeanzeigen geschönte Berichterstattung kaufen möchte, ist bei Austrian Wings definitiv an der falschen Adresse. - Sujetfoto: Wikimedia Commons

Wer den Schaden hat, braucht für seinen Trotz nicht zu sorgen.

Ganz getreu der Linie, lieber selbst Fragen zu konstruieren anstatt Antworten zu geben, versucht der Sky Flight Academy Unternehmensvertreter jedenfalls trotzig zu drohen: "Glauben Sie, dass wir noch jemals ein bezahltes Inserat im Austrian Wings schalten werden?" - Wir wissen ja nicht, wie andere Medienredaktionen dies handhaben, aber sich geschönte Berichterstattung in Form von Anzeigen zu erkaufen, das hat es bei Austrian Wings noch niemals gegeben, und so wird das auch in Zukunft bleiben. Wer also eine solche Erwartungshaltung hegt, ist bei unserer unabhängigen Redaktion an der falschen Adresse. Oder anders gesagt: Welche medialen Auswüchse ergäben sich aus solchen Tendenzen? Zeitungen etwa, die über keine Verkehrsunfälle mehr berichten dürften, nachdem Fahrschulen oder Autohändler ein Inserat in ihrem Blatt geschaltet hatten? TV-Sender, die nach einer Werbeeinschaltung von Wintersportregionen keine Lawinenunglücks-Berichte mehr in ihre Nachrichtenblöcke aufnehmen dürften? ... Die Liste würde endlos, und schließlich der Medienzensur beziehungsweise -manipulation Tür und Tor geöffnet. Das allerdings kennt man hierzulande eher aus einer düsteren Zeit des zurückliegenden Jahrhunderts, deren Wiederholung sich kein zivilisiert denkender Mensch wünschen dürfte.

Panik-Vokabular unterster Schublade

Einen letzten O-Ton liefert Oberhofer schließlich dennoch; wenig überraschend jedoch wieder kaum zur Anfrage konkret, sondern eher bezeichnend für eine irritierende Haltung: Austrian Wings sei kein Luftfahrtmagazin, sondern "Nestbeschmutzer der Branche". Ausgerechnet wieder ein vielsagender Begriff, der sich vor allem gehäuft in deutschen Bundestagsdebatten aus der Nachkriegszeit findet - zum Rundumschlag gegen Kritik an der nationalsozialistischen Vergangenheit diverser Polit-Repräsentanten.

Ob derartige Angriffe auf Medien und Versuche zur Einschüchterung von unabhängigen Journalisten aus schierer persönlicher Überforderung oder bloßer Unwissenheit herrühren, ist fraglich. Fakt aber bleibt: Die Qualität einer Unternehmenskommunikation zeichnet sich nicht ausschließlich dadurch aus, wie laut sie Jubelmeldungen in die Welt posaunen kann, sondern vor allem auch, wie transparent und professionell sie nach Zwischenfällen agiert. Vielleicht hatte man im unternehmerischen Cockpit der Sky Flight Academy angesichts des jüngsten Landeunfalls für solche medialen Aufgaben einfach nicht die notwendigen Checklisten parat. - Schade. Denn das ist dann wohl die zweite Bruchlandung innerhalb kürzester Zeit.

(TUG / Titelbild, Symbolfoto: Manch einer hält es lieber mit Schimpftiraden anstatt kompetenter Anfragebeantwortung - Foto: FreeDigitalPhotos)

Hinweis: „Punktlandungen” sind Kommentare einzelner Autoren, die nicht zwingend die Meinung der Austrian Wings-Redaktion wiedergeben.