International

Berliner Flughafenregion attraktiv für Wohnen und Gewerbe

Symbolbild Flugverkehr - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Dialogforum stellt Studie zum Flughafenumfeld vor

Die Flughafenregion Berlin-Brandenburg wird als Wohn- und Arbeitsstandort immer attraktiver, durch die BER-Eröffnung ist ein Schub für die Region zu erwarten, Handlungsbedarf besteht vor allem bei der Ertüchtigung der Verkehrsinfrastruktur: Das sind die wesentlichen Ergebnisse der Evaluierung des Gemeinsamen Strukturkonzepts „Flughafenumfeld BER“ (GSK). Vertreter des Dialogforums Airport Berlin Brandenburg stellten die vom Planungsbüro Jahn, Mack & Partner erstellte Studie am Mittwoch der Öffentlichkeit vor. Es knüpft an das erste Gemeinsame Strukturkonzept aus dem Jahr 2006 an. Insgesamt gibt die Studie 18 konkrete Handlungsempfehlungen ab. Vier davon sind als Sofortmaßnahmen mit besonderer Dringlichkeit gekennzeichnet.  

Carl Ahlgrimm, stellvertretender Vorsitzender des Dialogforums Airport Berlin Brandenburg stellte fest: „Es war nach zehn Jahren Zeit, die Planungen zu aktualisieren. Die Ergebnisse sind für uns sehr aufschlussreich: Sie zeigen, dass wir schon viel geschafft haben. Die Studie zeigt aber auch, dass wir noch eine Menge Arbeit vor uns haben. Vor allem die Verkehrsinfrastruktur müssen wir uns angesichts der so stark steigenden Fluggastzahlen noch einmal neu anschauen und verbessern. Und das müssen wir heute beginnen, damit wir nach der Flughafeneröffnung nicht im Dauerstau stehen.“ 

Detlef Gärtner, Leiter der Arbeitsgruppe 3 „Kommunale Entwicklung“ im Dialogforum, die die Erstellung der Studie begleitete, sagte: „Die Studie hilft uns bei der Einordnung, wo wir mit der Flughafenregion stehen: Wir müssen bereits heute die dringenden Verkehrsthemen anpacken. Darüber hinaus müssen wir dafür sorgen, dass wir mit einem integrierten Verkehrs- und Mobilitätskonzept für die gesamte Flughafenregion eine verlässliche Datenbasis zu den Verkehrsströmen und Anforderungen nach der Flughafeneröffnung schaffen.“ 

Lutz Franzke, Leiter der Arbeitsgruppe 1 „Interessensausgleich“ im Dialogforum, die die Erarbeitung der Studie ebenfalls intensiv begleitete, sagt zu der vorliegenden Studie: „Wir sind uns im Dialogforum einig, dass wir das gesamte GSK fortschreiben müssen. Die Evaluierung des GSK von 2006 zeigt den Handlungsbedarf deutlich. Wir müssen die Themen Gewerbe- und Wohnflächenentwicklung, soziale Infrastruktur, Verkehrsanbindung und Freiraumentwicklung ganzheitlich voranbringen. Dazu bedarf es künftig eines stärkeren Schulterschlusses der gesamten Flughafenregion.“ 

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:  

Chancen und Herausforderungen durch BER-Eröffnung

Die Studie sieht den BER „als Chance für eine regionale Stärkung“. Schon  heute sei eine erhöhte Nachfrage nach Wohnraum zu verzeichnen, während die Nachfrage nach Gewerbeflächen aufgrund der verspäteten Flughafeneröffnung hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleibe. Die Planer kommen zu dem Schluss: „Durch die Eröffnung des BER ist mit einem Entwicklungsschub und zunehmenden Verkehren durch Passagiere und Arbeitskräfte zu rechnen.“  

Größter Handlungsbedarf: Verkehrsinfrastruktur muss besser werden
Die Planer kommen zu dem Schluss, die 2006 geplanten Verkehrsmaßnahmen seien „im engeren Flughafenumfeld größtenteils umgesetzt worden. Die Erreichbarkeit des Flughafens mit dem Pkw, Bahn und Bus ist grundsätzlich gegeben.“ Jedoch seien die Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur durch die gestiegenen Passagierzahlen sowie die längere Offenhaltung des alten Schönefelder Flughafenterminals gestiegen. Insbesondere die Stadtautobahn ins Berliner Zentrum und der alte Schönefelder Bahnhof seien Engpässe. Die Planer erwarten zudem „unvermeidbare Verkehrsbehinderungen durch den geplanten Regierungsflughafen“. Und weiter: „Deutlich wurde, dass es im engeren Flughafenumfeld an einer aktuellen Verkehrsprognose fehlt und die Auswirkungen schwer abschätzbar sind. Dies betrifft nicht nur das Netz der großen Zubringertrassen, sondern teilweise auch Ausweichverkehre über kommunale/gemeindeübergreifende Straßen.“ 

Aufgrund besonderer Dringlichkeit empfiehlt die Studie vier Sofortmaßnahmen, die zügig umgesetzt werden sollen:  Ertüchtigung Bahnhof Schönefeld wegen Weiterbetrieb SXF; Elektronisches verkehrsträgerübergreifendes Verkehrsleitsystem airvis für die Fluggäste; Ausbau der Radschnellverbindung BER – Königs Wusterhausen; Ausbau der Osdorfer Straße  

„Verkehrsthemen sind ein Dauerbrenner im Dialogforum“, sagte Carl Ahlgrimm. Ich bin mir sicher, dass wir künftig im Dialogforum über weitere Sofortmaßnahmen sprechen werden. Mit der jetzt vorliegenden Studie, den Sofortmaßnahmen und der Verabredung, dass wir ein integriertes Verkehrskonzept für die gesamte Flughafenregion angehen, haben wir eine klare Marschroute für die nächsten Jahre.“  
Siedlungsflächen: Positive Entwicklung und Kritik an Fachbehörden „Insgesamt zeigt die positive Entwicklung der Einwohnerzahlen und Arbeitsplätze an, dass die Flughafenregion als Lebens- und Arbeitsort attraktiv ist“, heißt es in der Studie. Quantitativ seien in der Flughafenregion ausreichend Gewerbe- und Wohnungsbauflächen verfügbar, wenngleich es in einzelnen Gemeinden bereits zu Engpässen komme. Dass die Projektentwicklung in der Region zu zögerlich vorankomme, begründen die Planer u.a. mit unflexiblen Bebauungsplänen, teils fehlender Investitionsbereitschaft sowie Unklarheiten zur Finanzierung von Erschließung und sozialer Infrastruktur. Harsche Kritik üben die Planer, wenn es bei der Entwicklung der Flughafenregion zu Konflikten mit Naturschutz und Landwirtschaft kommt: „Hier scheint den Fachplanungsbehörden das erforderliche Verständnis dafür zu fehlen, welcher Stellenwert dem GSK auch im Hinblick auf die Untermauerung des öffentlichen Interesses an der Entwicklung der Flughafenregion zukommt.“ 

Soziale Infrastruktur: Mehr Wohnungen, Kitas und Schulen
Aufgrund des Bevölkerungszuwachses in der Flughafenregion rechnen die  Planer mit einem erhöhten Bedarf bei Wohnungen, Kitas, Schulen, aber auch bei Sport-, Kultur- und Freizeitangeboten. Die Planer gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 aufgrund des Flughafens die Zahl der Einwohner in der Flughafenregion um ca. 12.500 Personen steigt. Problematisch sei derzeit die Abschätzung des genauen Bedarfs, da es in der Flughafenregion „keine einheitlichen Kriterien zur Erfassung relevanter Einrichtungen oder Daten“ gebe. Die Planer empfehlen, für die Flughafenregion einheitliche Kategorien zu definieren, um den tatsächlichen Bedarf genauer ermitteln zu können. 

Freiraumentwicklung  Die Planer gehen bei der Freiraumentwicklung davon aus, dass durch die Vielzahl an Baumaßnahmen in der Flughafenregion viele Ausgleichsmaßnahmen realisiert werden. Der Aufbau eines interkommunalen Flächenpools für Ausgleichsmaßnahmen bei der kommunalen Berlin Brandenburg Area Development Company GmbH (BADC) sei geglückt. Weiter kommen die Planer zu dem Schluss: „Zu empfehlen sind die prioritäre Aufwertung siedlungsnaher Erholungsräume und die Stärkung überörtlicher Grünverbindungen.“ Auch der weitere Ausbau des Radwegenetzes für Arbeitswege und Erholung sei von großer Bedeutung.

(red / Berliner Flughäfen)