Österreich

Flughafen Wien Vorstand Julian Jäger im Austrian Wings Interview

Julian Jäger leitet gemeinsam mit Günther Ofner seit 15 Jahren die Geschicke des Flughafens Wien - Foto: Johannes Bauer

Im Rahmen des Aviation Event in Frankfurt trafen Christoph Madsen und Johannes Bauer den VIE-Vorstand Julian Jäger zum Interview für Austrian Wings.

Wenn wir auf die europäische Luftfahrt als gesamtes schauen sehen wir erst einmal viel Integration, aber wenn wir in den Bereich der Flugabgaben und Steuern gehen wird das ganz schnell ein Fleckenteppich. Fühlen Sie sich da als CEO des Flughafen Wiens manchmal etwas im Stich gelassen?

Ich würde das jetzt nicht als im Stich gelassen formulieren, aber man muss ganz nüchtern sehen, dass Steuern, die über das europäische Maß hinausgehen im europäischen und auch außereuropäischen Wettbewerb natürlich nicht hilfreich sind. Die europäische Luftfahrt ist über das SAF-Mandat und Emissiontrading ohnehin belastet. Wir in Österreich haben eine 12€ Steuer auf jedes Flugticket. Dies ist auf der Kurzstrecke die dritthöchste Steuer in Europa. Wenn man dann wie wir sehr nah an Ländern ist wie der Slowakei, Tschechien und Ungarn, die keine solche Steuern haben, dann ist das einfach ein Nachteil im Wettbewerb. Da erhoffen wir uns für die Zukunft ein bisschen mehr Unterstützung von der Politik.

Wie wichtig ist dafür eine Veranstaltung wie das Aviation Event Germany 2026? Es gibt einiger solcher Events, aber es ist ja oft die Luftfahrt, die versucht politische Akteure miteinzubeziehen. In diesem Fall kam die Initiative aus der Politik. Wie ist Ihre Sicht dazu?

Ich finde das super. Denn es ist eine Mischung aus politischen Verantwortlichen, dessen Botschaften sehr klar waren, wie von Minister Penz, dem Staatssekretär und der Vizebürgermeisterin von Frankfurt, dass man die positiven Seiten der Luftfahrt, gerade am Standort Frankfurt sieht und diese Änderungen unterstützt. Zum Beispiel die Senkung der Luftverkehrsteuer in Deutschland. Auf der anderen Seite sieht man Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa, ob von den Flughäfen oder Airlines, oder aus der Industrie wie Gebr. Heinemann. Insofern ist es ein sehr interessanter Austausch über die unterschiedlichen Aviation Bereiche.

Dass es in manchen zentraleuropäischen Ländern jetzt ein Umdenken gibt, liegt das auch daran, dass man an gewissen wirtschaftlichen Kernzahlen sieht, dass es ein bisschen kränkelt und man nicht vielleicht ganz ohne Luftfahrt kann?

Das ist möglicherweise auch ein Treiber. Letztendlich ist der Grund egal. Ich bin froh, wenn man ein bisschen umdenkt. Wir hatten jetzt einige schwierige Jahre mit sehr wenig oder gar keinem Wirtschaftswachstum. Gerade in Österreich hatten wir mit sehr hoher Inflation zu kämpfen. Das war wahrscheinlich für uns in den letzten Jahren das größte Problem, da wir dadurch Wettbewerbsfähigkeit gegenüber unseren europäischen Nachbarländern verloren haben. Insofern ist es absolut notwendig die Wirtschaft anzukurbeln. Da braucht es mehr Fokus auf die Industrie, aber natürlich auch auf die Luftfahrtindustrie, auch wenn wir da eine Nischenindustrie sind. Aber ich glaube wir sind das Schmiermittel für die Wirtschaft, darum arbeiten wir intensiv daran überzeugend zu wirken.

Die Politiker die anwesend sind beim Aviation Event Germany 2026 haben ein klares Signal gesendet. Glauben Sie, dass solche Signale eher von nationalen Politkern kommen müssen, oder auch verstärkt von der EU-Ebene?

Sowohl als auch. Ich glaube die EU-Ebene ist für die Luftfahrt extrem wichtig, weil natürlich alle großen Weichenstellungen auf europäischer Ebene gemacht werden. Darum stören mich diese nationalen Alleingänge mit den zusätzlichen Steuern umso mehr. Da es auf europäischer Ebene mit dem SAF-Mandat, also der Verpflichtung SAF dem normalen Treibstoff beizumengen, Emissiontrading, in Zukunft auch der Co2 Besteuerung auf die Luftfahrt und vor allem die Airlines substanzielle Kosten zukommen. Deswegen braucht es da nicht zusätzlich nationale Steuern.

Wie weit ist da der Flughafen Wien ambitioniert oder schon dabei, die österreichische Politik zu bemühen, umzudenken und zu realisieren, dass es auf EU-Ebene schon diese Kosten und Steuern gibt und man keinen Alleingang wagen sollte?

Das versuchen wir laufend. Ob das bald greift, kann ich noch nicht sagen. Ich verstehe die Situation des Finanzministers, der ein Budget zu sanieren hat. Da ist jede Steuereinnahme wichtig. Egal wo die herkommt. Trotzdem muss man glaub ich einsehen, dass es Steuern gibt die mehr Schaden als Nutzen, da glaube ich gehört die Luftverkehrsabgabe dazu. Wir haben jetzt gute Jahre nach der Pandemie gehabt aber wir sehen jetzt in unserer Nachbarschaft, Ungarn hat die Ticketsteuer abgeschafft und die Slowakei investiert sehr stark in Lowcost Verkehr in Bratislava. Da sehen wir, dass diese Steuer ein echter Wettbewerbsnachteil für uns ist. Es ist auch ein Wettbewerbsnachteil für die Austrian Airlines innerhalb der Lufthansa Gruppe, denn an manchen Standorten gibt es solche Steuern nicht. Die Abschaffung könnte ein Wettbewerbsvorteil gegenüber der Lufthansa in Deutschland selbst sein. Außerdem muss man an die Regionalflughäfen denken die es besonders schwierig haben, unter diesen Umständen wieder Wachstum zu produzieren und wieder in der Nähe des Vorcovidverkehrs zu kommen. Auch hier muss man überdenken, ob eine Ticketsteuer wirklich nützlich ist.

Bezogen auf die Lufthansa Gruppe, ist hier der Steuersatz im Vergleich zu Deutschland höher oder niedriger?

Da sind wir zwar etwas niedriger, aber trotzdem könnte dann der Wettbewerbsvorteil noch besser sein ohne Luftverkehrsabgabe.

Haben Sie in Bezug auf das Rekordjahr 2025 des Flughafen Wiens überhaupt Vorteile gesehen gegenüber zum Beispiel Deutschland? Könnte es in diesem Fall möglicherweise ein Grund gewesen sein das Scoot von Berlin nach Wien gewechselt ist?

Letztendlich weiß man es nie ganz genau, warum eine Airline sich für oder gegen eine Destination entscheidet, gerade auf der Langstrecke. Bei der Scoot glaube ich eher nicht, dass es die Steuern waren, aber ich kann es auch nicht ausschließen. Ich gehe davon aus, dass hier eher die Nachfrage ausschlaggebend war. Aber gerade auf der Langstrecke ist die Steuer signifikant höher also könnte es schon eine Auswirkung auf die Entscheidung gehabt haben.

Die Slowakei und Ungarn sind durch nicht vorhandene Abgaben ein starker Konkurrent. Wo sehen Sie hier das Potenzial, wenn die Steuern in Österreich entsprechend sinken würden? Werden dann die Lowcost Carrier wieder zurückkommen oder auch andere Airlines die vielleicht Sekundarmärkte bedienen mehr auf Wien blicken?

Für uns ist ein ausgewogener Verkehrsmix wichtig. Am wichtigsten ist natürlich die Austrian Airlines, unser Homecarrier mit knapp 50% Marktanteil. Die brauche eine gute Umgebung, um in Wien wachsen zu können. Da sind wir gerade in sehr intensiven und guten Diskussionen, um am Standort Wien Wachstum zu generieren. Natürlich sind die Lowcostcarrier besonders preissensitiv. Da sehen wir die stärksten Auswirkungen. Wenn man bei diesen wieder Wachstum sehen will, oder auch nur schrumpfen vermeiden will, ist eine Veränderung bei der Steuer notwendig.

Also fokussieren Sie sich momentan eher auf die weitere Festigung und Wachstum der Austrian Airlines und anderer „Legacy Carrier“?

Uns ist die Mischung wichtig. Wir wollen Lowcost in Wien haben und wir wollen auch die Ryanair hier in Wien halten. Nicht um jeden Preis. Das haben wir oft genug gesagt. Aber grundsätzlich gehört, dass auch zu einer Destination wie Wien auch dazu. Wir wollen einen starken Hubcarrier, wir wollen Langstrecken, wir wollen die Ost-/Südosteuropadestnationen, die Middle East Destinationen, aber auch Lowcost. Deshalb weil Wien ein ganz starker Tourismusmarkt ist, sowohl incoming als auch outgoing. Darum ist auch Lowcost für uns wichtig.

Herr Jäger, vielen Dank für das Gespräch.

Sehr gerne.

Das Austrian Wings Interview führten Christoph Madsen und Johannes Bauer.