Wie berichtet, sieht die Bezirkshauptmannschaft Freistadt 30 Jahre nach ihrem letzten Genehmigungsbescheid plötzlich "Gefahr im Verzug" und untersagte den Piloten deshalb Starts und Landungen auf dem gleichnamigen Flugplatz, einem wichtigen Zentrum des Luftsports in der Region. Laut Behörde würden "Sicherheitsstreifen" fehlen. Die gab es dort allerdings noch nie - und trotzdem genehmigte die Behörde den Flugbetrieb zuletzt im Jahr 1996 per Bescheid - da sie ihn ganz offenbar für sicher hielt, was er tatsächlich auch ist.
Der "ORF-Oberösterreich" berichtete dazu heute: "Pilot Egon Döberl aus Grünbach verweist hingegen auf einen Bescheid aus dem Jahr 1996. Auf Grundlage dieses Dokuments sei der Flugbetrieb bislang erfolgt."
Dieser Bescheid aus dem Jahr 1996 war allerdings nur der jüngste. Erbaut wurde der Flugplatz freilich schon früher, nämlich im Jahr 1962. Seit mehr als einem halben Jahrhundert, genauer gesagt seit 64 Jahren, findet in Freistadt also ein durchaus sicherer Flugbetrieb statt, zuletzt auf Grundlage des erwähnten Bescheides von 1996, also seit exakt 30 Jahren. Seit 64 Jahren war also niemals "Gefahr im Verzug" - plötzlich aber schon?
Wieso jetzt auf einmal "Gefahr im Verzug" sein soll, verstehen weder die Freistädter Flieger noch sonst jemand in Pilotenkreisen, egal wen man fragt. Dafür tauchen andere Fragen auf.
Rein hypothetisch betrachtet: Wenn aktuell tatsächlich "Gefahr im Verzug" sein sollte (was von den in Freistadt ansässigen Fliegern verneint wird), wie konnte dann der Bescheid 1996 ausgestellt werden und den Flugbetrieb genehmigen? Wie konnte es dann sein, dass in den letzten 30 Jahren niemand bei der Behörde diese vermeintliche "Gefahr" sah? Oder gehen wir noch weiter. Wieso sah in den letzten 64 Jahren niemand diese vermeintliche "Gefahr"? Das ließe sich - wiederum rein hypothetisch, da der Behörde selbstverständlich keinerlei juristisches Fehlverhalten unterstellt wird, - mit gesundem Menschenverstand nur auf zwei Arten erklären:
- Die Behörde hat ihren Job nicht ordentlich gemacht und die vermeintliche "Gefahr" 30 (oder gar 64) Jahre lang nicht mitbekommen
- Noch schlimmer - die Behörde wusste um die angebliche "Gefahr", ist aber trotzdem nicht eingeschritten; das wäre - rein hypothetisch natürlich - vielleicht sogar kriminell
In beiden Fällen wäre es ein katastrophales Behördenversagen. Doch wie gesagt, das waren rein hypothetische Annahmen, unter der ebenfalls hypothetischen Annahme, dass im Jahr 2026 wirklich eine "Gefahr" vorliegt.
In der Tat dürfte jedoch keinerlei "Gefahr im Verzug" vorliegen, denn sonst hätte die Behörde wohl kaum den Flugbetrieb 1996 genehmigt und 30 Jahre nichts zu beanstanden gehabt. Von den Jahren davor rede ich noch gar nicht.
Wie es dann aber sein kann, dass plötzlich - fast schon panikartig - seitens der BH Freistadt eine "Gefahr im Verzug" konstatiert wird und deshalb der Flugbetrieb untersagt wird, entzieht sich wohl dem gesunden Menschenverstand der allermeisten Bürger, vor allem wenn man die Örtlichkeit kennt - siehe dazu auch das Titelbild dieses Kommentars.
Viele Flieger - nicht nur in Freistadt - fragen sich: Leben wir in einer Bananenrepublik oder versucht die BH Freistadt hier, der berühmt-berüchtigten MA2412 in Sachen Bürgerschikane den Rang abzulaufen?
Ein kritischer Blick auf die Tätigkeit der Behörde erscheint jedenfalls mehr als angebracht. Hinter vorgehaltener Hand wird in Fliegerkreisen mittlerweile gemunkelt, dass Flugplatzgegner hier agitiert und Druck auf die Behörde ausgeübt haben könnten, damit diese unter einem fadenscheinigen formaljuristischen Vorwand den Flugbetrieb untersagt.
Wie gesagt, das ist nur ein Gerücht, doch ganz unplausibel erscheint es angesichts der Methoden, mit denen in Österreich der Luftsport von manchen selbsternannten "Aktivisten" bekämpft wird, auch nicht. Und wir alle wissen: Politisch gesehen hat der Flugsport in Österreich nicht besonders viele Freunde - und wenn man juristisch etwas finden WILL, dann kann man fast überall etwas finden und auf dieser Grundlage argumentieren.
Aufklärung in jeder Hinsicht tut also not, damit in Freistadt so rasch wie möglich wieder Flugsport betrieben werden kann - so sicher wie in den letzten 64 Jahren.
Text & Foto: Patrick Huber
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