tyrolean CRJ - Sag zum Abschied Servus

Letzte Aktualisierung: 29. April 2010 / 19:40 Uhr (Fotomaterial hinzugefügt)

Mit Sommerflugplan 2010 werden die letzten Canadair Regional Jets die Flotte der als „Austrian Arrows” operierenden AUA Tochter tyrolean airways verlassen. Für Austrian Wings blickt ein ehemaliger CRJ-Pilot auf jene Zeit zurück, in welcher der CRJ ein erfolgreiches Arbeitstier für tyrolean und im Auftrag der AUA war.


Vierzehn Jahre lang stand der CRJ bei tyrolean im Einsatz; dieses Bild zeigt zwei Maschinen neben dem in Bau befindlichen Skylink Anfang März 2010 - Foto: P. Radosta / Austrian Wings


Zeit des Aufbruchs
Nach dem teilweisen Verkauf der tyrolean airways an Austrian Airlines im Jahr 1994 und Eingliederung der Austrian Air Service in die tyrolean, wurde auch das Jet Zeitalter bei tyrolean eingeleitet. Anfang 1995 erfolgte die Einführung der Fokker 70, 1996 die Einführung der Canadair Regional Jets.


Ab 1996 war der Canadair Regional Jet fester Bestandteil der Flotte von tyrolean airways


Neben der 1995 eingeführten Fokker 70 (Foto) war der CRJ der einzige Jet in der tyrolean Flotte

CRJ – ein optimales Fluggerät
Dank niedriger Betriebskosten, hoher Reisegeschwindigkeit und Jet Komfort war dieses Flugzeug wesentlicher Bestandteil beim Aufbau des Austrian Streckennetzes in den Osten. Ohne diesen Flugzeugtyp wäre es sehr schwer gewesen, zweit und Drittmärkte kommerziell erfolgreich zu bedienen.


Blick aus dem Cockpit Richtung Osten

Destinationen wie Dnepropetrovsk (siehe Bild), Krasnodar, Chisinau, Kharkov  oder Rostov gehörten zum täglich Brot für die CRJ crews


Der CRJ war ein Pionier bei der linienmäßigen Erschließung des „Wilden Ostens”… go east - ein Blick weit Richtung Osten, Dnepropetrovsk

Technische Beschreibung CRJ 100/200
Zweistrahliges Regionalverkehrsflugzeug des kanadischen Flugzeugherstellers Bombardier. Ausgelegt für 50 Passagiersitze plus 4 Besatzungsmitglieder, 2 Cockpit, 2 Kabine.


Start und Steigflug eines tyrolean / Austrian Arrows CRJ aus der Sicht eines Passagiers - Quelle: Youtube

Der Hauptunterschied der CRJ200 gegenüber der CRJ100 liegt im Bereich der modifizierten Triebwerke General Electric CF-34-B1.


Der CRJ, eine Weiterentwicklung eines Geschäftsreisejets, bot 50 Passagieren in der Sitzanordnung 2+2 Platz - Foto: R. Reiner / Austrian Wings

Technische Daten: Länge 26.77m, Spannweite 21.21m, Höhe 6.2m, Reisegeschwindigkeit 870 km/h, Reichweite ca. 2800km.


Die OE-LCR bei der Landung in Wien auf der Piste 16, aufgenommen im März 2010 - Foto: P. Radosta / Austrian Wings

Tyrolean airways war eine der ersten europäischen Fluggesellschaften, die ihre CRJ Flotte mit einem „Head up Guidance” Anflugsystem austattete.


Der CRJ verfügt über ein modernes „Glascockpit”; lediglich die Notinstrumente sind analog ausgelegt - Foto: Archiv Austrian Wings

Dieses Sytem ermöglicht einen sicheren Landeanflug bei Mindestsichtweiten von 200m und einer Entscheidungshöhe von 50 ft.


Landung im Cockpit eines CRJ auf der Piste 34 in Wien - Quelle: Youtube


Unter der Marke „Austrian Arrows” führt die AUA Tochter tyrolean Flüge für die Muttergesellschaft durch, auf diesem Foto sind die GE CF-34-B1 Triebwerke des CRJ deutlich zu erkennen


Markantes Detail des CRJ sind seine abgewinkelten Winglets

Ausbau der Flotte
Seit der Einführung der Canadair Jets bei tyrolean im Jahr 1996, gab es nur ein Ziel – den weg nach oben. Nach der Aufbauphase kamen zwischen 2000 und 2004 weitere fünf CRJ200 zur Flotte, das ergab eine Flottenstärke von 13 CRJ 200.


Landung an Bord eines CRJ aus der Sicht des Passagiers: deutlich ist der im Vergleich zu anderen Flugzeugen steile Neigungswinkel (Nose down) bis kurz vor dem Aufsetzen zu erkennen - Quelle: Youtube

Im Jahr 2004 wurden die Lauda Air CRJ 100 in die tyrolean Flotte integriert. Zuvor wurde die damalige Lauda Air von Austrian Airlines übernommen und gleich wie tyrolean ein Bestandteil der Austrian Airlines Group. Nach dieser Integration Bestand die Flotte aus 17 Flugzeugen und war somit an ihrem Zenit angelangt.


Lauda Air setzte als erste österreichische Fluglinie den CRJ (in der Version -100) ein - später wurden diese Maschinen in die AUA Tochter tyrolean integriert


Ein CRJ im aktuellen Austrian Arrows Farbenkleid - mit Sommerflugplan 2010 gehört dieses Bild der Vergangenheit an

Aus Pilotensicht
Fliegerisch war der CRJ eine Art „Sportflitzer”. Das Cockpit eng, aber übersichtlich. Aufgrund des aerodynamisch gut gebauten Flügel, der über keine Vorflügel/Slats verfügt, hat der CRJ 100/200 sehr hohe An- und Abfluggeschwindigkeiten.

Die Perspektive aus dem Cockpit ist bei der Landung im Vergleich zu konventionellen Mustern spektakulär - bis kurz vor dem Aufsetzen wird eine Nose down attitude eingehalten.

Zwischenfälle waren sehr selten, die CRJ bei den Piloten extrem beliebt

Wirtschaftliche Entwicklung
Im Laufe der letzten Jahre zeichnete sich jedoch ab, dass der Trend in Richtung größerer Flugzeuge Voranschreitete. Sinkender Passagierertrag, Kostendruck durch Low cost carrier und teilweise massive Überkapazitäten an den Märkten, machten den gewinnbringenden Einsatz der CRJ 100/200 immer schwieriger.


Der CRJ verfügt über nur 50 Sitzplätze, woraus verhältnismäßig hohe Sitzplatzkosten pro Passagier entstehen


Am 13. 11. 2009 startete die OE-LCH mit dem Namen “Amsterdam” das letzte Mal unter AUA-Flugnummer
- Foto: R. Reiner / Austrian Wings (für eine größere Darstellung klicken Sie bitte auf das Bild)


Die OE-LCF “Düsseldorf” wurde nach Lubljana/Laibach ausgeflogen und dort abgestellt; zuvor war sie allerdings bereits in Wien “eingemottet”, wie auf diesem Foto gut zu erkennen ist - Foto: R. Reiner / Austrian Wings

Vor allem durch den jetzigen Verkauf der Austrian Airlines an Lufthansa und den dadurch entstehenden neuen Verbund ist es nachvollziehbar, grössere Flugzeuge zu nutzen, Flugfrequenzen zu optimieren oder zusammenzulegen.


Anfang März 2010, wenige Wochen vor der Ausmusterung: drei CRJ warten auf dem Vorfeld des Flughafens Wien auf ihren Einsatz - Foto: P. Radosta / Austrian Wings


Obwohl offiziell eigentlich mit Sommerflugplan außer Dienst gestellt, fliegen derzeit noch einige CRJ für Austrian, so wie die OE-LCJ, aufgenommen am Nachmittag des 29. März 2010 - Foto: P. Radosta / Austrian Wings (für eine größere Darstellung klicken Sie bitte auf das Bild)


Diese CRJ sind bereits abgestellt und nicht mehr in Betrieb; dem Vernehmen nach sollen die ersten 3 Maschinen Mitte April nach Miami zur Verwertung überstellt werden, Mitte Mai folgen zwei weitere Maschinen mit Ziel Arizona; die restlichen werden voraussichtlich ins slowenische Laibach ausgeflogen und dort verschrottet - Foto: Austrian Wings (danke für die Einsendung!)


Abgestellte OE-LCN am 29. April 2010 - Foto: P. Radosta / Austrian Wings (für eine größere Darstellung klicken Sie bitte auf das Bild)


Eine der letzten Landungen eines Austrian CRJ in Wien: die OE-LCP im Anflug auf die Piste 11, aufgenommen am 29. April 2010 - Foto: P. Radosta / Austrian Wings (für eine größere Darstellung klicken Sie bitte auf das Bild)


Auch die OE-LCJ führte am 29. April 2010 noch einige Flüge durch - Foto: P. Radosta / Austrian Wings (für eine größere Darstellung klicken Sie bitte auf das Bild)


Die OE-LCQ im Endanflug auf die Piste 34 am 28. April 2010 - Foto: P. Radosta / Austrian Wings (für eine größere Darstellung klicken Sie bitte auf das Bild)

Als Konsequenz daraus hat der Regional Jet damit sein Ablaufdatum im Linienbetrieb bei Austrian Airlines erreicht.

Die Zukunft der 50-sitzigen Jets
Was geschieht mit den ausgemusterten CRJ200? Einige Flugzeuge werden als Ersatzteillager  ihr Ende finden, andere CRJ200 werden wohl auf bestimmte Zeit abgestellt werden, vielleicht sogar ausserhalb Europas, in klimatisch günstigeren Regionen. Dort werden sie dann auf ihre weitere Verwendung warten.

Für tyrolean und die Austrian Airlines Gruppe heisst es aber wahrscheinlich für immer: leb wohl CRJ, 14 Jahre lang eine unfallfreie Erfolgsstory!


Leb’ wohl, kleiner CRJ … - Foto: P. Radosta / Austrian Wings (für eine größere Darstellung klicken Sie bitte auf das Bild)

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Text: „CJ1” *

* Unter dem Pseudonym CJ1 schreibt ein langjähriger Verkehrspilot, der einen großen Teil seiner bisherigen Pilotenlaufbahn auf dem Canadair Regional Jet absolviert hat.