International

Arzt an Bord bei Lufthansa

Bei medizinischen Zwischenfällen hoch über den Wolken ist schnelle Hilfe mehr als gefragt. Diese bietet die Lufthansa unter anderem mit dem Programm "Arzt an Bord", an das sich auch die AUA nach Einstellung von "Doc an Bord" angeschlossen hat: Ärzte, die viel fliegen, können sich freiwillig registrieren lassen, um gegebenenfalls während eines Fluges eingreifen zu können. Anhand der sogenannten PIL, der Passenger Identification List, kann die Besatzung feststellen, ob sich ein Arzt an Bord befindet, welches sein Fachgebiet ist und auf welchem Sitzplatz er aufzufinden ist. Tritt ein Notfall ein, werden zunächst die Ärzte, die auf der PIL vermerkt sind, kontaktiert. In 80 Prozent der Fälle ist mindestens ein Arzt oder eine andere medizinisch ausgebildete Person, wie etwa ein Sanitäter oder eine Krankenschwester, an Bord. Erst wenn dies nicht der Fall ist, folgt der Ausruf mit der Frage nach einem Arzt an Bord.

Pro Jahr ereignen sich auf Lufthansa-Flügen rund 3.000 medizinische Zwischenfälle – eine verschwindend geringe Zahl bei den etwa 80 Millionen Fluggästen, die jährlich mit Lufthansa fliegen. Die meisten Zwischenfälle passieren auf Langstreckenflügen. Zu den häufigsten Beschwerden an Bord zählen Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System (42 Prozent) und Magen-Darm-Erkrankungen (33 Prozent). Häufig an Bord angewendete Maßnahmen sind Blutdruck-Messungen oder die Verabreichung von zusätzlichem Sauerstoff oder Medikamenten. Bei sechs Prozent aller Zwischenfälle wurde der automatische Defibrillator, den es Bord aller Lufthansa-Flugzeuge gibt, eingesetzt.

Kommt es zu einem Notfall an Bord, wird per Satelliten-Telefon durch den Dienstleister “iSOS” sofort Kontakt mit der medizinischen Beratung am Boden aufgenommen. Die Zentrale befindet sich in Neu Isenburg. Die Beratungsstelle hilft der Crew, die Situation an Bord richtig einzuschätzen und angemessen zu reagieren. Gemeinsam mit der Flugverkehrssteuerung wird im Einzelfall auch abgewogen, ob und wo beispielsweise eine Zwischenlandung vorgenommen werden muss. Dabei spielt sowohl die luftfahrttechnische, als auch medizinische Infrastruktur eine entscheidende Rolle. Im Vordergrund steht immer die schnellstmögliche und adäquate Versorgung des betroffenen Fluggastes.

Neben "iSOS“ ist die Lufthansa nach eigenen Angaben mit dem exklusiven Medical Operation Center für Notfälle so gut ausgerüstet wie keine andere Airline. Das Medical Operation Center kümmert sich um nahezu alle Gesundheitsfragen von Fluggästen und Lufthanseaten. Dazu zählt auch die Organisation medizinischer Kranken- und Behindertentransporte. Das Medical Operation Center prüft im Vorhinein die Reistauglichkeit des Fluggastes und klärt medizinische und technische Gegebenheiten, um sowohl die größtmögliche Sicherheit als auch den größtmöglichen Komfort zu gewährleisten.

Das Thema medizinische Versorgung an Bord erhält durch die ständige Zunahme des Flugverkehrs und das höhere Durchschnittsalter der Passagiere für Lufthansa eine immer größere Bedeutung. Neben dem Arzt-an-Bord-Programm, dem Equipment an Bord und einer angedachten Telemedizin, der Kommunikation zwischen Arzt und Patient, steht das Gesundheitskonzept der Lufthansa auf einer weiteren Säule. Um für höchstmögliche Sicherheit zu sorgen und auf den Notfall vorbereitet zu sein, absolviert jeder der 19.000 Flugbegleiter bei Lufthansa einmal im Jahr eine Erste-Hilfe-Schulung. Dabei wird die Kabinenbesatzung besonders auf die Gegebenheiten und medizinischen Geräte an Bord geschult und darauf trainiert, wie sie am besten Symptome erkennen und auf diese reagieren können.

Auch das Verhalten im Sinne eines Crew-Ressource-Managements wird trainiert, indem Fälle simuliert werden und die Kommunikation zwischen Betroffenem, Arzt, Cockpit und der medizinischen Beratung am Boden trainiert wird. Darüber hinaus gehört zum Crew-Training auch das Üben der Herz-Lungen-Wiederbelebung, der Umgang mit Bluthochdruck und Dehydration bis hin zu Maßnahmen bei Geburten an Bord. Eine Geburt über den Wolken kommt allerdings äußerst selten vor, im Mittel kommt bei Lufthansa weniger als einmal pro Jahr ein Kind über den Wolken zur Welt.

(red / Lufthansa / Titelbild: Lufthansa Boeing 747-400 - Foto: Chris Jilli)