Reportagen

InterSky: Die 365-Tage-Story

Die Rettung und Neupositionierung der InterSky in 365 Tagen

Die Rettung und Neupositionierung der Regional-Fluggesellschaft InterSky in 365 Tagen im retroperspektivischen Rückblick als das Wunder von Bregenz, verfasst von InterSky-Verantwortlichen selbst.

Das Jahr 2011 war kein gutes für InterSky und die Eigentümerfamilie Moser/Seewald. Alles, was man sich in 9 Jahren harter Arbeit aufgebaut hatte, schien sich in nichts aufzulösen, weil InterSky als „David“, den Kampf gegen „Goliath“ (Germanwings) aufgeben musste.

Was war geschehen? Das „Übliche“ wie Kenner der Airlinebranche zu sagen pflegen. InterSky hatte aus einer nicht beachteten Nische (Friedrichshafen) ein kleines aber feines Netz aufgebaut. Berlin, Hamburg, Wien sowie Elba standen auf dem Programm, aber Köln war die wichtigste Strecke! Doch der Gute kann nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt. Erfolg weckt bekanntlich Begehrlichkeiten und so entschied man sich bei Germanwings, diese Strecke auch ins Programm aufzunehmen. Zu Beginn wurde zwei Mal täglich geflogen. Durch die deutliche Überkapazität warb Germanwings massiv mit Dumpingpreisen von 29 Euro und nahm es in Kauf, eine Weile mit fast leeren Flugzeugen zu fliegen.

Die InterSky Geschäftsführung - unerfahren im Umgang mit Monopolisten - zog daraus die falsche Konsequenz! Man vertraute auf die eigene Klientel den Geschäftsreisenden und deren Forderung nach vier täglichen Verbindungen. Am Ende, so hoffte man, würde sich Germanwings aus dem Markt wieder zurückziehen.

Ein verhängnisvoller Fehler! Am Ende standen Millionenverluste in den Büchern und um zu retten was noch zu retten war, entschloss sich die Gründerin Renate Moser, wieder die Geschäftsführung zu übernehmen. Einstellung der Verbindung nach Köln und weitere Kürzungen im Streckennetz, Verkauf einer Maschine und die Suche nach einem Partner standen auf dem Programm!

Man kannte sich schon seit Jahrzehnten. Renate Moser, Rolf Seewald und Hans Rudolf Wöhrl! Was also lag näher als ihn zu fragen, ob er nicht zurück zu seinen Wurzeln, dem Regionalverkehr kommen möchte. Eigentlich entsprach das nicht mehr seinem bzw. dem Tätigkeitsfeld seiner INTRO – AVIATION, denn die spielte längst in einer anderen Liga und war eher durch Transaktionen wie der dba, gexx oder LTU in aller Munde.

Aber fragen kostet nichts! Nachdem sich Peter Oncken, geschäftsführender Gesellschafter der INTRO – AVIATON die InterSky angesehen hatte und nicht nur mit einem sehr positiven Bericht zurück kam, sondern spontan erklärte, sich gerne auch persönlich in diesem Unternehmen mit einzubringen, wurde man sich schnell handelseinig.

Am 1. März 2012 war es dann soweit. Die INTRO Aviation übernahm 24,7 %, die österreichische INTRO Beteiligungs GmbH 25,1 %, Peter Oncken mit seiner PEON GmbH. weitere 25,1 % und die Familie Moser/Seewald verblieben mit 25,1 % im Unternehmen. Damit war und blieb InterSky ein österreichisches Unternehmen.

Eine ultimative Forderung von Hans Rudolf Wöhrl war, der grundsätzlich auf Partnerschaften setzt, dass Renate Moser neben Peter Oncken als Geschäftsführerin im Unternehmen verbleiben sollte. Das trug sehr schnell Früchte, denn Tradition und Modernität sind das Rezept für den Erfolg jeder regionalen Fluggesellschaft.

Hans Rudolf Wöhrl sagte bei seiner Vorstellung: „Regionalverkehr kommt aus der Region und braucht daher ein Herz. Wäre es anders, wären nicht alle von großen Airlines zusammengekauften Regionalkonzepte gescheitert.“ Dabei dachte er vor allen Dingen an sein eigenes Baby, die NFD – Luftverkehrs AG, die sich aus kleinsten Anfängen heraus in den 80er Jahren zur größten, unabhängigen deutschen Liniengesellschaft entwickelte, dann mit der RFG fusionierte und zur größten unabhängigen, europäischen Regionalfluggesellschaft der EUROWINGS AG wurde. Doch nach dem Einstieg der Lufthansa verlor das Unternehmen seine Identität und fristet heute nur noch ein Schattendasein im Konzern!

Doch wo Schatten ist, muss es auch Licht geben denn auch wenn sich die großen Netzwerkcarrier aus diesem Segment verabschiedet haben, heißt das nicht auch, dass der Markt nicht mehr vorhanden ist. Schließlich wohnen und arbeiten auch in der Region Millionen von Menschen, die es leid sind über die großen Luftverkehrskreuze fliegen zu müssen, nur um von Friedrichshafen nach Berlin, Hamburg oder Düsseldorf bzw. von Graz nach Zürich zu kommen.

Die Zusammenarbeit und die Sanierung der InterSky erfolgte streng nach dem bewährten Muster der INTRO – CONSULTING GmbH, deren Grundsätze wie folgt lauten:

• Jede Sanierung muss in enger und fairer Partnerschaft mit den Mitarbeitern erfolgen.

• Keine Suche nach Schuldigen der Vergangenheit, sondern Konzentration auf das Heute und Optimierung der Abläufe.

• Definition der Zukunft und klare Vorgaben von wem und wann etwas erreicht werden muss!

• Kritische Erfolgskontrolle

So war klar, dass nach einer Flottenreduzierung von 25 % die Mannschaftsstärke zu groß und ohne neue Flugzeuge nicht zu halten sei. Daher hatten neben der täglichen Sanierungsarbeit die Strecken und Flottenplanung oberste Priorität.

Auch hier folgte man den Empfehlungen der INTRO – Consulting, nicht das zu nehmen was gerade am Markt ist, sondern genau das Flugzeug auszuwählen, welches für das zukünftige Programm optimal geeignet sei.

Keine Frage dass das zu sehr kontroversen Diskussionen führte. Als klassischer und erfahrener Dash8-300 Betreiber (leider wird dieses Flugzeug nicht mehr produziert) lag es nahe, dass man sich nach gebrauchten Maschinen dieses oder des aktuell produzierten Typs der Dash8–400 umsehen wollte. Doch auch hier ließ man sich von INTRO – Consulting eines Besseren belehren. Alte Flugzeuge sind nur in der Anschaffung billig aber teuer im Betrieb. Die Dash 8–400 ist speziell für Strecken ausgelegt, die länger sind, als von der InterSky benötigt. Damit wäre dieser Typ langfristig gesehen nicht wirtschaftlich gewesen. Hans Rudolf Wöhrl, selbst erfahrener Linienpilot, empfahl die ATR72 und dabei nicht ein Modell aus der Vergangenheit, sondern die neueste und modernste Variante den Typ 600! Obwohl die Lieferzeit normalerweise zwei Jahre beträgt gelang es ihm, vielleicht wegen seiner seit Jahrzehnten guten Beziehungen zu diesem Hersteller, zwei zeitnahe Lieferpositionen zu sichern. Damit war es möglich, die Mannschaft in voller Stärke zu erhalten, auf Zugeständnisse zu verzichten und neue Perspektiven zu eröffnen.

Das so motivierte Team schaffte das eigentlich Unmögliche: Die Rettung Neupositionierung der InterSky in 365 Tagen! Dank, Anerkennung und Respekt für diesen unermüdlichen Einsatz!

Und was brachte die Wende?
Es sind die Arbeitsabläufe deren Optimierung das größte Einsparpotential haben. Im Jahre 2011 schrieb die InterSky einen Verlust in Millionenhöhe, der nur durch massive Streckenstreichungen und den Verkauf einer Maschine einigermaßen ausgeglichen werden konnte.

Doch dieser Effekt war einmalig und so galt es andere Wege zu gehen. Einer davon war es endlich wieder zu einer Preisehrlichkeit zurückzufinden. Niemand auf dieser Erde kann für 29 Euro fliegen, denn dieser Betrag deckt noch nicht einmal die Gebühren und Steuern! Es ist also ein Preis der nur Aufmerksamkeit erwecken kann, es ist aber auch ein Preis, der das Werteempfinden einer ganzen Branche zerstört! Diesem Modetrend hat InterSky eine klare Absage erteilt und ein faires Tarifgefüge geschaffen, welches seinesgleichen in der Branche sucht. Wir verschenken nichts, aber wir zocken auch niemanden ab, nur weil er kurzfristig buchen muss. Ein ausgewogener Mix, übersichtliche Beförderungsbedingungen haben sehr schnell zu einer deutlichen Ergebnisverbesserung geführt.

Der zweite Schwerpunkt unserer Arbeit war es, die Wünsche der Passagiere wieder stärker in den Vordergrund zu rücken. Von einfachen Buchungs– und Check-In Verfahren bis hin zu einem kostenlosen und der Business – Class vergleichbarem Bordservice reichte das Spektrum. Alles mit Verstand und Umsicht eingeführt brachten alle diese Maßnahmen nicht nur mehr Gegenwert für die Passagiere, sondern vereinfachten die internen Abläufe so nachhaltig, dass ohne zusätzliche Kosten die Vergrößerung der Flotte in Angriff genommen werden konnte.

Im Herbst begannen dann die Vorbereitungen zur Einführung der ATR72–600! Ein vollkommen neues Muster, nicht nur für die InterSky, sondern auch für die Behörden, das normalerweise zwischen 6 – 12 Monaten dauert. Doch ein motiviertes Team bewirkt Wunder und so konnte die erste Maschine bereits am 14. Januar 2013 in den Liniendienst gehen. Danke an die Mitarbeiter, Danke an den Hersteller, Danke aber auch an die Austro – Control unsere Aufsichtsbehörde, die sich hier in vorbildlicher Weise als echter Partner bewiesen hat.

Ein weiterer Fokus lag auf Kooperationen: InterSky ist dank Beitritt der IATA im Herbst 2012 wie auch dank IOSA Zertifizierung auf internationalem Parkett kooperationsfähig. So geschehen hat InterSky erstmalig im Herbst 2012 eine Netzwerk- und Vertriebskooperation mit AirBerlin auf Basis eines Interline-Abkommens geschlossen, für Zubringerflüge ab dem Bodensee-Airport Friedrichshafen via Berlin oder Düsseldorf nach ganz Europa und in die Welt. Weitere Interline-Kooperationen sind in Zusammenarbeit mit Lufthansa und Swiss (via Zürich) bereits in Planung.

Einer der wichtigsten Schwerpunkte lag jedoch in der Optimierung des Streckennetzwerks: Defizitäre Strecken wurden nicht nur zurückgestutzt, sondern rigoros eingestellt. Ebenso wurde erstmalig ein Ausbau über die Heimatbasis Friedrichshafen hinaus getätigt. So wird bereits seit Januar 2013 die Strecke zwischen Graz und Zürich mit zwei täglichen Flügen bedient, die ab April aufgrund der guten Buchungslage bereits auf drei mal täglich ausgebaut wird. Ebenso wird die InterSky ab April 2013 die Strecke zwischen Salzburg und Zürich drei Mal täglich anbieten. Ab März 2013 wird InterSky zusätzlich die ehemalige AirBerlin und OLT Strecke zwischen Karlsruhe / Baden-Baden und Hamburg mit bis zu drei täglichen Flügen übernehmen.

In 365 Tagen ist es gelungen, das Unternehmen aus der Verlustzone zu bringen und das, obwohl es in den ersten Monaten des Geschäftsjahres noch wirklich zappenduster aussah. In 105 Tagen wurde ein vollkommen neues Flugzeug in Dienst gestellt und neue Strecken eröffnet.

Kurz um bedeutet dies InterSky verfügt ab Frühjahr 2013 über doppelt so viele Flugzeuge wie vor 12 Monaten (6 anstatt 3) und erreicht dadurch eine Sitzplatzkapazitätssteigerung von 240% ggü. Vorjahr. InterSky generierte damit aber auch rund 100 Arbeitsplätze in den letzten 12 Monaten, das deutlich der regionalen Wertschöpfung zu Gute kam.

In 365 Tagen hat das komplette Intersky-Team das geschafft, was man als das „Wunder von BREGENZ“ bezeichnen kann! Wir werden hart arbeiten, damit wir vor und hinter diese „365“ noch weitere Zahlen schreiben können.

Danke an unsere vielen Partner und Freunde. Die Flughäfen, die Behörden, die Reisestellen und natürlich Danke an unsere Passagiere, denn ohne sie wäre alles vergebliche Mühe gewesen.

Text: InterSky
Titelbild: ATR 72-600 (OE-LIB) von InterSky - Foto: InterSky