Österreich

Liberalisierung der Bodendienste: Tag der Entscheidung

Flughafen-Betriebsrat sieht hunderte Arbeitsplätze in Gefahr
EU-Pläne gefährdet laut Personalvertretern auch die Sicherheit der Flugreisenden und kostet hunderte Beschäftigte am Flughafen Wien den Arbeitsplatz

Nach einem monatelangen Kampf um jede Stimme der Abgeordneten in der Europäischen Union gegen die Änderung der bestehenden Bodenverkehrsrichtlinien und eine Zwangsöffnung für weitere Bodendienstabfertiger, haben kürzlich einige Flughafenbetreiber eine herbe Niederlage einstecken müssen. In der letzten Plenar-Abstimmung im Februar 2013 haben sich die Sozialdemokraten bei ihrem eigenen Vorschlag ihrer Stimme enthalten, was zu dem Ergebnis von 19 JA-Stimmen, 17 NEIN-Stimmen und deren 8 Enthaltungen für die verpflichtende Marktöffnung führen kann.

Im Klartext bedeutet das laut Heinz Wessely, Betriebsrat am Airport Wien Schwechat, dass Flughäfen mit mehr als 15 Millionen Passagieren und mindestens 200.000 Tonnen Fracht pro Jahr auf jeden Fall wenigstens drei Anbieter beheimaten müssen, die die gleichen Services (Be- und Entladen der Luftfahrzeuge, Reinigung, Abfertigung eines Flugzeuges, etc) anbieten.

Rückblick: Auch Mitarbeiter der Flughafen Wien AG nahmen an der Demonstration gegen die Liberalisierung der Bodenverkehrsdienste in Brüssel im November 2012 teil - Video: V-I-P.tv

"Grundsätzlich spricht nichts gegen Konkurrenz in der freien Marktwirtschaft, aber bitteschön nur unter Berücksichtigung auf die lokalen Gegebenheiten! Jeder EU-Mitgliedstaat sollte selbst entscheiden können, ob und wieviele Mitbewerber der Markt verträgt. Denn die Anzahl der Airliner auf den EU Airports ist nicht geregelt", so Wessely.

Im Falle des Flughafen Wien sei aber bereits jetzt schon mit einem Mitbewerber eine Situation gegeben, die höchst bedenklich sei.

"Laut Insidern beginnt dies bei unmenschlicher Körperlast, geht über falsche Lohneinstufungen und endet mit abgelaufenen Prüfungen, sowie ausständigen Schulungen. Der soziale Druck auf die Dienstnehmer ist bereits jetzt schon enorm: Kündigungen nach wiederholten Krankenständen bis hin zu unsozialen Dienstplänen und ständiger Drohungen. Wird nun ein weiterer Anbieter vorgeschrieben, ist es nicht auszudenken, welche Sicherheitsrisiken für die Fluggäste und die Besatzungen vorprogrammiert sind", formuliert Wessely seine Kritik.

"Glücklicher Weise haben alle österreichischen Abgeordneten bei der letzten Abstimmung GEGEN die Marktöffnung gestimmt, allerdings ist es mir ein Rätsel, weshalb die europäischen Sozialdemokraten mit ihrer Stimmenthaltung den DienstnehmerInnen so einen sozialen Druck auferlegen," sagt Heinz Wessely, Arbeiterbetriebsratsvorsitzender der Flughafen Wien AG. "Werden in einem Krankenhaus die Geräte im OP von schlecht ausgebildeten Leuten bedient und passt die Operationsvorbereitung nicht, steht das Leben eines Menschen auf dem Spiel. Werden hingegen Luftfahrzeuge von unqualifiziertem und unterbezahltem Personal betreut, geht es sogar um das Leben von 400 Menschen in einem vollbesetzten Flieger“, so Wessely weiter.

"Am Dienstag, den 16.4.2013 wird über den korrigierten Vorschlag erneut abgestimmt. Es ist dies die letzte Chance, gefährliches Lohn- und Sozialdumping zu verhindern und eine sichere Luftfahrt zu gewährleisten."

(red PA, CvD / Betriebsrat Flughafen Wien AG / Titelbild: Demonstration gegen die EU-Pläne der Liberalisierung der Bodenverkehrsdienste - Foto: Ulrich Lehner, Austrian Wings Media Crew)