Reportagen

Flugbericht: Consolidated Catalina – PH-PBY

Einmal in einem historischen Flugzeug fliegen zu können ist wohl ein ganz besonderes Erlebnis! Handelt es sich dabei noch um ein 72-jähriges Amphibienflugzeug mit legendärer Vergangenheit ist dies sicherlich ein Traum eines jeden Aviatik-Enthusiasten! So brachte uns unsere diesjährige Aviatik Clubreise für drei Tage nach Holland. Nebst dem Besuch der Volkel Airshow 2013 (100 Jahre Holländische Luftwaffe) und einem obligatorischen Spotterbesuch am Amsterdamer Flughafen Schiphol freuten wir uns natürlich auf das Highlight unserer Reise: Ein Flug mit der Consolidated Catalina, PH-PBY Andy Herzog berichtet für Austrian Wings, zu Land, zu Wasser und aus der Luft ...

Die Geschichte der Consolidated Catalina PBY

Mit dem Erstflug der Catalina am 28. März 1935 und einer Produktion von rund *3.300 Stück (1936 – 1945) ist sie wohl das erfolgreichste Wasser/Amphibienflugzeug der Welt das in Serie gebaut wurde. Rund 1‘854 Catalina’s waren reine Flugboote ohne einziehbarem Fahrwerk. Etwa 1.420 Flugzeuge wurden als Amphibien Modelle gebaut und ihren Einsatzbestimmungen in aller Welt übergeben.

VP-84[1]

Während des 2. Weltkrieges übernahmen die Catalina’s vorwiegend die Seefernaufklärung, Seenotrettung und wurden, unter anderem, zum Schutz der Atlantik Konvois der alliierten Truppen gegen feindliche U-Boote und Zerstörer eingesetzt. Mit ihren zahlreichen, verschiedenen Typen von Wasserbomben und Torpedos war sie ein gefürchteter Gegner der feindlichen Seestreitkräfte!

19. PH-PBY-Catalina

Mit über dreißig verschiedenen Versionen- und Unterversionen gelangte die Catalina bei mehr als fünfunddreißig Nationen zum Einsatz.

Nebst dem Hauptlieferanten, Consolidated, San Diego, wurde die Catalina auch in Kanada bei Boeing und Canadian Vickers als „Canso“ und „Nomad“; sowie in Russland von der Firma GST, (Gydrosamoljot transportny) in Lizenz gebaut. Nach dem 2. Weltkrieg verblieben viele Catalina’s weiterhin in den Beständen der verschiedenen See- und Luftstreitkräften dieser Welt. Einige Exemplare wurden auch zu sogenannten „Firefighter“ umgerüstet und dienten zur Waldbrandbekämpfung.

18. PH-PBY-Catalina

Heute sind nur noch rund zwei Dutzend dieser eleganten Wasserflugzeuge flugfähig und können zu Land, zu Wasser und in der Luft bewundert werden!

Star unter den Catalina’s ist wohl die legendäre, holländische PH-PBY.

Standorte und Produktionsraten

 

Consolidated Buffalo, New York (Prototype)

 
 

1

 
 

Consolidated, San Diego & Los Angeles

 
 

2159

 
 

Consolidated, New Orleans

 
 

235

 
 

Naval Aircraft Factory, Phliadelphia

 
 

155

 
 

Boeing of Canada, Vancouver

 
 

362

 
 

Canadian Vickers, Saint Hubert

 
 

30

 
 

Canadian Vickers, Cartierville

 
 

339

 
 

TOTAL

 
 

3281

 

(* Die Produktionszahlen variieren, da die genauen Zahlen der Russischen GST nicht vollständig bekannt sind. Einige Maschinen wurden direkt aus USA geliefert; andere wurden unter Lizenz von GST produziert

Archiv/Datenbank: Wings-Aviation)

Diese „72-jährige Dame“ schrieb wahrlich Geschichte

Die PBY-5A mit der Kennung PH-PBY hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Die Maschine mit der Konstruktionsnummer 300 wurde 1941 in der neuen Consolidated Factory in San Diego gebaut und am 15. November 1941 an die US Navy ausgeliefert. Die offizielle Kennnummer (BuAer) war 02459. Sie war die 4. Maschine des Typs PBY-5A die die US Navy erhielt. Die PBY-5A war eine Weiterentwicklung der bewährten PBY-5 die nun über ein Einziehfahrwerk verfügte.

37. PH-PBY-Catalina

Die US Navy teilte die Maschine der Staffel VP-73 zu, die schon im August 1941 nach Rekjavik auf Island verlegt wurde. Der Geleitschutz von Konvois und die Jagd nach U-Booten waren die Hauptaufgaben der Catalinas auf Island. Der Konvoi SC94 im Juni 1942 war der erste grosse Test der PBY-5 zum Schutz eines Konvois. Am 20. August 1942 versenkte die PBY-5 (02459) die „Milchkuh“ (Versorgungs-U-Boot) U-464 von Kapitänleutnant Otto Harms, das etwa 280 km ostsüdöstlich vor Island auf der Lauer lag. Der Pilot Lt. Robert B. Hopgood sah U-464 trotz schlechtem Wetter und griff sofort an. Beim ersten Anflug warf er fünf Mk.17 Wasserbomben auf U-464 die das Boot regelrecht aus dem Wasser hoben. (Die sechste Wasserbombe konnte nicht abgeworfen werden). U-464 konnte nach dem Angriff nicht mehr tauchen und Kapitänleutnant Otto Harms entschied sich die Besatzung vom Isländischen Trawler Skaftfellingur aufnehmen zu lassen und das U-Boot zu versenken. Zwei Männer der Besatzung starben beim Wasserbomben-Angriff, die restlichen 52 wurden von der Skaftfellingur aufgenommen und später an die HMS Castleton und HMS Newark übergeben. Die Versenkung von U-464 war die erste durch eine PBY Catalina der US Navy.

17. PH-PBY-Catalina

Am 5. Oktober 1942 entdeckte die Crew um Lt. G. F. Swanson das U-Boot U-582, nur 15 Meilen vor dem Konvoi HX 209 entfernt. Der Pilot ging sofort zum Angriff über und platzierte sechs Mk.29 Wasserbomben in einem perfekten Angriff um das U-Boot. U-582 unter dem 29 Jährigen Kapitänleutnant Werner Schulte sank mit der ganzen 46-köpfigen Besatzung. Dies war die zweite Versenkung der PBY-5 02459 die die Seitennummer 9 in der Staffel VP-73 trug.

Am 30. Oktober 1942 wurde die VP-73 von Rekjavik abgezogen und durch die VP-84 ersetzt. Die PBY-5A 02459 mit der Seitennummer 9 wurde übernommen und neu als Nr. 7 bezeichnet.

Ein weiteres U-Boot an deren Versenkung die PBY-5A 02459 beteiligt war, war die U-528 von Kapitänleutnant Georg von Rabenau. Am 25. April.1943 wurde das Boot bei sehr tiefhängenden Wolken überrascht und durch Wasserbomben, die direkt vor dem Boot detonierten, am Bug schwer getroffen. Die äußeren Klappen aller vier vorderen Torpedorohre wurden so stark beschädigt, dass sie sich nicht mehr bewegen ließen. U-528 war somit Kampfunfähig. In diesem Zustand wurde das Boot am 11. Mai 1943 von einem Halifax D Bomber der RAF und der Korvette HMS Fleetwood zur Selbstversenkung gezwungen. 11 Mann der 56 köpfigen Mannschaft verloren dabei ihr Leben.

Am 24. Juni 1943 gelang es der Crew um Lt. Joseph W. Beach mit der PBY-5A 02459 das U-Boot U-194 unter dem Kommando des 33- jährigen Kapitänleutnant Hermann Hesse Südwestlich von Island zu versenken. Die Berichte zu diesem Angriff sind widersprüchlich, wird in einigen Quellen von einem Mk.24 selbstsuchenden Torpedo gesprochen, erwähnen andere Berichte die Versenkung mit Mk.29 Wasserbomben.
Kapitänleutnant Hermann Hesse ging auf jeden Fall mit seiner 54 köpfigen Besatzung unter.

Die PH-PBY ist weltweit nicht nur die älteste, flugfähige Catalina; sondern wohl auch die erfolgreichste ihrer Art in der Geschichte der Catalina Wasser- und Amphibienflugzeuge!

Einsätze nach den Kriegsjahren

Nach dem 2. Weltkrieg, 1945 diente die PH-PBY verschiedenen Eigentümern in Kanada und den USA, wie den Unternehmen Rio-Ten Airways (N18446) sowie der kanadischen Transair of Winnipeg als C-HHR. Exakte Informationen über die Geschichte/Eigentümer der PH-PBY in den Jahren 1953 – 1972 sind lückenhaft und nur schwer nachvollziehbar.

Einige Zeit wurde sie auch als Fotoflugzeug für die bekannte, amerikanische TV-Sendung „Flipper“ in den 60er und 70er Jahren eingesetzt.

Irgendwann wurde sie zum „Firefighter“ umgebaut und versah ihren Dienst weitere Jahre in Kanada bei der Firma Avalon Aviation als CF-HHR. Zeitweise konnte die heutige PH-PBY in gleicher Eigenschaft auch in Chile bewundert werden.

CF-HHR[1]

Nach dem Konkurs von Avalon Aviation im Jahre 1988 wurde die Catalina über viele Jahre in Parry Sound, Ontario auf einer Aussenfläche abgestellt; schutzlos dem Wetter ausgeliefert.

1994 kaufte die holländische Firma CATAIR die „alte Dame“ und restaurierte sie über viele Monate bis sie wieder voll flugfähig war. Die ganze Ausrüstung zur Feuerbekämpfung wurde ausgebaut und die „Cat“ erhielt ihr neues Farbenkleid, inklusive Staffelzeichen des Dutch Naval Air Service im Jahre 1942. Im April 1995 wurde sie als C-FHHR nach Holland überflogen. Im Februar 1997 konnte die Catalina endlich im holländischen Aviation Register als PH-PBY eingetragen werden.

26. PH-PBY-Catalina

Seit ihrer Einführung nach Holland war die PH-PBY in Eindhoven, Valkenburg und schlussendlich in Lelystad stationiert.

Nur dank der „Stichting Neptune Association“ unter Federführung von Gründungsmitglied, Prudent Staal, und seinem gesamten Team konnte die PH-PBY seit 2004 soweit restauriert und in Stand gestellt werden, dass sie heute zertifiziert ist, bis zu 15 Passagiere auf Flügen, sowie Landungen und Starts auf dem Wasser (Splash & Go), mitzunehmen.

Keine leichte Aufgabe in den vergangenen Jahren, gab es doch grossen Wiederstand seitens der Umweltverbände und dem holländischen Luftamt der „Catalina“ ihre erforderlichen Bewilligungen zu erteilen.

Glücklicherweise konnten sich alle Beteiligten einigen und so steht einem unvergesslichen Flug mit der legendären Catalina nichts mehr im Wege; hoffentlich noch für lange Zeit wie die nachfolgenden Bilder über dem Ijsselmeer eindrücklich zeigen!

Heute fliegt die PH-PBY (16-218) im Originalanstrich der Royal Netherlands Naval Air des 321th Squadron auf den Dutch East Indies.

Auf „Patrouillenflug“ über dem Ijsselmeer

Schon der Gedanke mit dieser legendären Maschine fliegen zu dürfen lässt den Puls wahrlich höher schlagen.

Dutch-01[1]

Wie vermutet fühlte man sich wie auf einem Patrouillenflug im Nordatlantik auf der Jagd nach feindlichen U-Booten und zum Schutz der mächtigen Konvoys der alliierten Streitkräfte.

Im Ausguck der großen „Blister“ hatte man eine fantastische Aussicht und wurde wahrlich in die Zeit der nicht ungefährlichen Einsätze dieser Crews zurückversetzt. Gänsehaut pur! Doch der Reihe nach.

Flugvorbereitungen

Schon vor meiner Reise bemühte ich mich um einen Termin bei der Flugvorbereitung dabei sein zu können. Ohne Probleme erhielt ich das erwartete E-Mail von Prudent Staal mich am besagten Tag zwei Stunden vor dem Flug beim Hangar am Airport Lelystad einzufinden. Zur vereinbarten Zeit traf die gesamte Crew in einem kleinen Minivan am Airport ein.

24. PH-PBY-Catalina

Kurze Begrüßung und Kennenlernen; dann kam der wichtigste Moment: Das „anschmeißen“ der Kaffeemaschine! Ohne kräftige Stärkung während der Flugbesprechung ging gar nichts.

Andächtig lauschte ich den Gesprächen und Fachausdrücken der Crew zu und fühlte mich schon bald wie einer der ihrigen.

Noch einen letzten Schluck Kaffee und dann ging es schon los. Während ich mich über eine Stunde fotografisch in der Catalina und dem Hangar austoben konnte bereitete die Crew den Flieger für den anstehenden Tag akribisch vor.

13. PH-PBY-Catalina

Immer wieder erklärten sie mir die Abläufe und anstehenden Arbeiten, die mir schlussendlich einen genauen Einblick eines „Pre-Flight-Check“ gaben.

21. PH-PBY-Catalina

Endlich wurden die großen Hangar Tore geöffnet und die Catalina wurde mit dem Tow-Traktor auf das Vorfeld gezogen wo noch die Betankung anstand.

Die Zeit verging im Fluge und fast hätte ich meine Kollegen der Klubreise vergessen, die sich bereits im Pre-Flight-Meeting befanden. Also höchste Zeit, auch für mich, dabei zu sein!

Willkommen an Bord

Nach Beendigung des Meetings war es Zeit das Flugzeug zu boarden! Alle 15 Passagiere hatten noch Zeit ein paar Bilder am Boden der Catalina zu schießen.

Dann hieß es: „Last call” ; Everybody on board? Unsere charmante Hostess, Esther Jacobs, wies jedem von uns seinen Platz zu.

Business-Class Sitze in einer 72-jährigen Catalina?

Dies war sicherlich eine kleine Überraschung; rechnete ich doch mit einfachen, stoffbezogenen Sitzen. Warum, wurde mir erst später klar!

20. PH-PBY-Catalina

Take-off in Lelystad

Das Vibrieren und dröhnen der beiden 1200PS starken Pratt & Whitney R1830 Sternmotoren erschütterte das ganze Flugzeug und ließ uns schon nach kurzer Rollstrecke majestätisch den mit leichten Wolken behangenen Himmel erklimmen.

43. PH-PBY-Catalina

„Splash & Go“

Während wir uns kurz nach dem Start wieder abschnallen durften, herrschte unter den Teilnehmern bereits leichte Hektik. Jeder wollte, gleichzeitig, in den gläsernen Blistern seine unvergesslichen Fotos auf den Chip der Kamera bannen. Dies war natürlich wegen der Gewichtsverlagerung im Flugzeug nicht möglich. So kam Esther mit ihrem charmanten, aber bestimmten Lächeln zum Einsatz und dirigierte die Scharen der Spotter wie ein Verkehrspolizist im abendlichen Bangkok Verkehr nach vorne, in die Mitte und an das Heck des Flugzeuges. So blieben wir einigermaßen in stabiler Fluglage!

45. PH-PBY-Catalina

Nun standen die beiden Wasserladungen bevor. Das erste Mal mit eingezogenen Schwimmern an den Tragflächenenden; das zweite Mal mit ausgefahrenen Schwimmern.

Die Landung und der erneute Start auf dem Meer mit Wellengang ist wohl nichts für Leute mit Rückenproblemen! Dank sei den weichen Business-Class Sitzen! Doch zeigten auch hier auf dem Wasser die beiden Sternmotoren ihre wahre Kraft und Leistung und brachten uns ohne Probleme wieder in das Element in dem sich ein Flugzeug am sichersten fühlt: der Luft.

58. PH-PBY-Catalina

Nach gut 40 Minuten Flug, zwei Landungen und Starts auf dem Meer traten wir unseren kurzen Heimflug nach Lelystad an.

Nach der Ladung hatten wir noch genug Zeit ein paar Erinnerungsfotos zu schießen und in persönlichen Gesprächen mit der Besatzung unsere Eindrücke zu schildern.

Darauf folgte ein kurzes De-Briefing und das aushändigen der persönlich gewidmeten Urkunde, die wohl für jeden Teilnehmer etwas Besonderes war und einen gebührenden Platz zu Hause bekommen wird.

Zusammengefasste Erinnerungen

Wohl ein nicht alltägliches Erlebnis das einem eine kleine Zeitreise ins letzte Jahrhundert vermittelt hat bei dem viele Soldaten und Crews ihr Leben für die Freiheit Europas und das Ende des zweiten Weltkrieges lassen mussten. Ihnen, aber auch dem gesamten Team um Prudent Staal gilt unser Dank dieses unvergesslichen Flugerlebnisses und der Erhaltung dieses einmaligen, legendären Flugzeuges.

Text & Fotos (sofern nicht anders angegeben): Andy Herzog, Wings-Aviation