Reportagen

Scalaria Air Challenge 2013 - Die Airshow mit Soundtrack

In einem der berühmtesten und bekanntesten österreichischen Filme der 50er Jahre spielt einer der wohl schönsten Seen Österreichs einen gewichtigen Part. Während im Film aber das "Weisse Rössl" und ein gewisser Kellner namens Herr Leopold die Hauptrolle spielten, sind es heutzutage das Event-Hotel Scalaria und klingende Namen wie Hannes Arch, Felix Baumgartner oder Blacky Schwarz, die sich auch heuer wieder die Ehre gaben und einen Event wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis machten, der seit nunmehr 15 Jahren zu begeistern weiß – die Scalaria Air Challenge 2013. Sie werden es bereits erraten haben, wir befinden uns in St. Wolfgang am Wolfgangsee.

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Nun ist St. Wolfgang nicht nur für das "Weisse Rössl" weltberühmt, sondern besitzt mit der Schafbergbahn, einer der idyllischten Zahnradbahnen Europas, ein weiteres touristisches Highlight, das jedes Jahr tausende Besucher aus aller Herren Länder in die beschauliche Gemeinde im Salzkammergut zu locken vermag.

Der Wolfgangsee selbst ist, wie bereits eingangs erwähnt, wohl einer der schönsten Seen Österreichs und wäre schon für sich selbst genommen mehr als nur eine Reise wert.

Vom 11. Bis zum 14. Juli allerdings verwandelte er sich wieder in eine Start- und Landebahn für eine erlesene Schar an internationalen aeronautischen Besuchern in Form von Wasserflugzeugen und Flugbooten, während die Seenlandschaft rund um den Wolfgangsee die landschaftlich einzigartige Kulisse für einen Event der Sonderklasse bot.

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Ist die Soundkulisse einer Airshow ohnehin schon einzigartig, vor allem wenn die Protagonisten klingende Namen wie "Catalina", "Dornier", "Cessna", "Bell", oder "Pratt&Whitney", so vermochte dieses Jahr ein gewisser Herr Faltermayer gemeinsam mit einem Herrn Stevens auch ein einzigartiges musikalisches Highlight zum Event beizutragen. Davon aber später mehr.

Eine Flugshow? Im Salzkammergut?

Ich gestehe, ich bin passionierter Flugshow-Besucher, und das schon seit Jahrzehnten. So hat mich meine Leidenschaft bisher von Zhukovsky bis nach Farnborough und Duxford gebracht, und von der Fokker Dr.1 bis hin zur SU-35 war da fast alles dabei, was das Herz eines Flugzeugfans höher schlagen lässt.

All diesen Shows war gemein, dass sie auf ehemaligen oder noch aktiven Flugplätzen bzw. Luftwaffestützpunkten stattfanden. Und was für ein Besuchermagnet eine gut organisierte Show darstellt, davon konnte man sich ja heuer auch wieder in Zeltweg überzeugen. Von Besuchermassen zu sprechen ist da fast eine Untertreibung.

Nun stelle man sich aber eine Flugshow vor, die nicht auf einem Flugplatz oder einer aktiven Basis, sondern an einem See stattfindet, und dann noch in einer der schönsten Regionen Österreichs, im Salzkammergut. Nicht möglich? Doch – sie heißt Scalaria Air Challenge und fand heuer bereits zum fünfzehnten Mal statt.

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Nun ist die Scalaria Air Challenge aber keine Airshow im herkömmlichen Sinn. Vielmehr ist sie ein High Class Event, der die Besucher eine Verschmelzung von Musik, Natur und (Flug)kunst erleben lässt, eine Klangwolke, bei der der Wolfgangsee die Bühne ist und Flugzeugmotoren für die Soundkulisse.

Wo eine Flugshow mit Anspruch auf Eventcharakter in Österreich stattfindet, dürfen natürlich auch klingende Namen wie Felix Baumgartner oder Hannes Arch nicht fehlen.

Felix Baumgartner
arch+freundin

Und dass es sich bei den geladenen Gästen im Scalaria Event Ressort um Prominenz aus Kunst, Kultur, Politik und Wirtschaft handelt, verleiht dem Event zusätzlichen Glanz.

Kurzum, die Scalaria Air Challenge ist etwas Besonderes und warum das so ist, was vor allem die Airshow so einmalig macht, das will ich nun versuchen, näher zu erläutern.

Anja Kruse

Von Legenden und Klassikern

Schon was die teilnehmenden Flugzeuge anlangt, ist die Scalaria alles andere als eine "normale" Flugshow. Die Stars am und über dem Wolfgangsee waren natürlich die eigens aus ganz Europa angereisten Wasserflugzeuge und Flugboote. Da heuzutage nur mehr wenige Flugzeugtypen für die Verwendung auf dem Wasser adaptiert oder sogar neu konstruiert werden, handelt es sich bei fast allen Teilnehmern der Scalaria um Klassiker der Luftfahrt und wie jedes Jahr waren es auch heuer klingende Namen wie Consolidated PBY "Catalina", Dornier Do-24ATT, deHavilland DHC-2 "Beaver" oder Republic "Seabee", die sich die Ehre am Wolfgangsee gaben.

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Speziell die beiden erstgenannten Flugboote sind Legenden ihrer Gattung und schon die Nennung ihres Namens ruft Gänsehaut bei fachkundigen Flugzeugfans hervor. Sie dann auch noch nebeneinander in ihren beiden "natürlichen" Elementen zu sehen und zu erleben, das geht nur bei der Scalaria.

Es ist schon ein tolles Gefühl, im Rahmen einer Bootsfahrt auf dem See plötzlich die "Catalina" auf Gegenkurs beim Landen auf dem Wasser beobachten zu können.

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Und wer Iren Dornier, den stolzen Besitzer "seiner" Do-24ATT einmal bei seiner eigenen, speziellen Art, das Amphibium auch auf dem Wasser vorzustellen, gesehen hat, wird diese Eindrücke nicht mehr so schnell vergessen – ein Jetski sieht dagegen fast unspektakulär aus!

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Beide Typen näher vorzustellen hieße wohl Eulen nach Athen tragen, ein paar Anekdoten und Fakten aus ihrer illustren Geschichte müssen hier genügen.

Die Consolidated PBY "Catalina" - Dumbo im Kriegseinsatz

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Entwickelt wurde die Consolidated PBY "Catalina" ursprünglich, um für die US Navy Fernaufklärung über See zu fliegen. Gedacht für den Einsatz über dem Atlantik und dem Pazifik war dabei vor Allem eins notwendig, große Reichweite. Geschwindigkeit dagegen hatte keine hohe Designpriorität. So hieß es dann auch von der "Catalina", dass zur Messung ihrer Geschwindigkeit ein Kalender das am besten geeignete Instrumentarium sei. Trotzdem bewährte sie sich schnell im Einsatz, zunächst auf englischer Seite, wo sie maßgeblich an der Entdeckung und der Jagd auf das berühmte deutsche Schlachtschiff "Bismarck" 1941 beteiligt war.

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Auch im Kampf gegen die Bedrohung durch die deutschen U-Boote spielte sie im Dienst des Royal Air Force "Coastal Command" sowie der US Navy eine entscheidende Rolle. Zunächst nur mit dem sogenannten "Mark 1 Eyeball" ihrer Besatzungen und einfachen Wasserbomben, später dann mit Radar und der ersten Form von Magnetfeldanomalie-Detektoren sowie geräusch-suchenden Torpedos ausgerüstet, gelang es "Catalinas", mehrere U-Boote aufzubringen bzw. zu versenken.

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Auch im Pazifik waren "Catalinas" vom ersten Tag des Konflikts bis zu seinem Ende im Jahre 1945 an vorderster Front zu finden. Sie suchten und fanden die japanische Flotte bei Midway, patrouillierten im eisigen Klima der Aleuten ebenso wie in den heißen und feuchten Gefilden der Salomonen.

Kämpften sie gegen die deutschen U-Boote mit Hi-Tech Waffen, waren es im Pazifik auch schon mal Kisten mit leeren Bierflaschen, die auf den Feind geworfen wurden. Deren Pfeifen war dem von normalen Bomben sehr ähnlich und sollte die generischen Flak-Schützen zwingen, in Deckung zu bleiben.

Doch auch im Seenotdienst fanden "Catalinas" Verwendung. So flogen in weiß gehaltene PBYs gegen Ende des Krieges Einsätze, um abgeschossene alliierte Besatzungen auf See zu suchen und zu bergen. Dabei erhielten sie einen neuen Spitznamen - "Dumbo", frei nach dem fliegenden Elefanten Walt Disney´s.

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Die "Catalina" der englischen "Plane Sailing Corporation", die bei der Scalaria zu Gast war, ist in genau einer derartigen Bemalung gehalten. Nach dem Krieg waren es jedoch das fehlende Entwicklungspotential sowie das Vorhandensein größerer, effektiverer Konstruktionen wie der Martin "Mariner" und später der Martin "Marlin", die viele "Catalinas" in den zivilen Einsatz spülten, wo sie noch viele Jahre äußerst zuverlässig ihren Dienst als Löschflugzeuge versahen.

Dadurch blieb auch eine erkleckliche Anzahl an "Cats" flugfähig für die Nachwelt erhalten. Zu diesen Exemplaren zählt auch die weiße "Cat" aus England, die der Scalaria einen Besuch abstattete.

Die Dornier Do-24 ATT - Phönix aus der Asche

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Ganz anders ihr deutsches Pendant aus dem Hause Dornier. Die Do-24 war das letzte einer langen Reihe äußerst erfolgreicher Flugboote aus dem Hause Dornier, entwickelt für die deutsche Luftwaffe zur Seeaufklärung und Seenotrettung. Die Ingenieure bei Dornier konnten bei der Entwicklung der Do-24 auf ihren gesamten Erfahrungsschatz, den sie bei den Flugbooten der "Wal"-Serie, bei der legendären Do-X und bei den transatlantischen Postflugbooten Do-18 und Do-26 gewonnen hatten, zurückgreifen.

Das Resultat war wohl das beste und seetüchtigste Flugboot der damaligen Zeit, wenn nicht sogar das seetüchtigste Flugboot, das je gebaut worden ist. Die Leistungsfähigkeit des Flugbootes bescherte der Do-24 auch auf dem Exportmarkt Erfolge. So gelang es noch vor Kriegsbeginn, mehrere Exemplare in die Niederlande zu verkaufen, wo die Dornier sogar bei Aviolanda in Lizenz gefertigt wurde.

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Die niederländischen Exemplare wurden vor Allem in den Kolonien in Indonesien eingesetzt, bis ein Mangel an Ersatzteilen ihre Außerdienststellung bedingte, wenn sie nicht schon vorher in den Kampfhandlungen gegen die Japaner zerstört worden waren. Einige wenige Exemplare schafften es, sich bis nach Australien zurückzuziehen und kurioser Weise überlebte der vordere Teil des Rumpf eines dieser holländischen Exemplare als Hausboot "down under".

In deutschen Diensten fand die Do-24 vor allem bei der Seenotrettung Verwendung wo sie sich einen ausgezeichneten Ruf erwarb.

Gegen Ende des Krieges wurden die verbleibenden Exemplare zur Evakuierung deutscher Flüchtlinge vor den herannahenden Russen eingesetzt. Im Rahmen eines dieser Einsätze transportierte ein Do-24 einmal sogar mehr als 100 Frauen und Kinder. Und sogar nach Kriegsende waren die Dorniers noch im Einsatz. Im Auftrag der Alliierten transportieren sie Soldaten und Zivilisten aus den ehemals von den Nazis besetzten Gebieten in Norwegen und Dänemark zurück nach Deutschland, einmal sogar mit Begleitschutz durch Hawker "Typhoon" Jagdbomber der RAF.

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Selbst das Ende dieser Flüge stellte aber nicht das Ende für die Do-24 dar. 1944 waren nämlich noch einige Flugboote nach Spanien verkauft worden, wo sie von Mallorca aus bis in die 1970er Jahre Aufklärungs- und Seenoteinsätze flogen und auch hier von ihren Besatzungen ein ausgezeichnetes Zeugnis ausgestellt bekamen. Nach ihrer Ausmusterung kamen einige Exemplare in Museen, so auch jenes Exemplar, das die Scalaria mit seinem Besuch beehrte.

Dieser Dornier stand jedoch ein zweites Leben bevor, sozusagen eine Art "pimp my flyingboat" - das Projekt ATT. Das Projekt ATT, kurz für "Amphibischer Technologie Träger" hat eine äußerst interessante Geschichte, die hier nur kurz Thema sein soll. Anfang der 80er Jahre errechnete man bei Dornier einen weltweiten Bedarf für ca. 150 Amphibienflugzeuge modernster Bauart für den Aufklärungs- und Seenotrettungsdienst. Eine umgebaute und auf den neuesten Stand gebrachte ehemals spanische Do-24 sollte dabei verschiedenste Technologien erproben. Ihre geplante Lebensdauer war dabei ursprünglich begrenzt, wollte man sie doch nur zu Testzwecken verwenden. Aus den neuen Hi-Tech Flugbooten wurde jedoch nichts und die Do-24ATT wurde vorläufig still gelegt.

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Iren Dornier, ein Enkel von Claude Dornier erweckte die Do-24ATT jedoch zu wieder zum Leben und tourt mit ihr seit 2006 durch die Welt. Er unterstützt dabei Projekte der UNICEF, von "Wings for Life" sowie der "Tabaluga Children´s Foundation". Und er weiß mit seinem Flugboot zu beeindrucken, wie er eindrucksvoll im Rahmen der Scalaria zeigte.

Ein Stelldichein der Klassiker

Neben diesen zwei Legenden der Luftfahrt gab es aber auch andere Klassiker der Lüfte (und Meere bzw. Seen) am Wolfgangsee zu bestaunen. Zwei Republic "Seabees" etwa, Kleinamphibien aus den späten 1940er Jahren.

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Fans von James Bond werden die "Seabee" sofort erkennen, kam sie doch im Film "Der Mann mit dem goldenen Colt" zu einem Kurzauftritt als das Flugzeug, das James Bond für seinen Flug zur Insel des Bösewichts Scaramanga verwendet, bevor es durch dessen Solarkanone zerstört wird.

Kaum zu glauben dass die "Seabee" der sehr kleine Bruder eines der berühmtesten Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkriegs, der P-47 "Thunderbolt" ist. Mit diesem Typ versuchte Republic im Amerika der Nachkriegsjahre im schnell immer größer werdenden Markt der kleinen Privatflugzeuge Fuß zu fassen. Dieses Vorhaben gelang aber nur teilweise, wurde dieser Markt doch von einer Vielzahl aus dem Militärdienst ausgemusterter Piper Cubs, Stinsons und Ryans regelrecht überschwemmt.

Die Amphibieneigenschaften der "Seabee" waren jedoch für den Einsatz als erste Form der "Air Ambulance" in abgelegenen Gebieten Alaskas oder des amerikanischen Nordwestens von Vorteil und auch als Beobachtungsflugzeuge für Feuerlöschtrupps und Feuerlöschflugzeuge eignete sich die "Seabee" dank der ausgezeichneten Sicht aus ihrer Kabine hervorragend.

Die zwei Exemplare, die an der Air Challenge teilnahmen, präsentierten sich in einem Top-Zustand und wurden von ihren Besitzern auch sehr beherzt am Wasser und im Flug vorgeführt.

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Auch zwei Piper Cubs besuchten St. Wolfgang, beide natürlich auf Schwimmern.

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Und deHavilland war natürlich ebenso am Wolfgangsee vertreten und zwar durch zwei Exemplare der DHC-2 "Beaver", einem legendären Buschflugzeug, das ebenfalls bereits zu einigen Filmauftritten gekommen ist, so etwa im Film "Sechs Tage Sieben Nächte" mit Harrison Ford in der Hauptrolle. Seit den Dreharbeiten zu diesem Film besitzt Ford auch selbst eine Beaver, die er nach eigener Aussage lieber als seine anderen Flugzeug verwendet.

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Auch Cessna war am Wolfgangsee vertreten, sowohl durch die "Caravan" der "Flying Bulls" als auch durch einige kleinere "Cessnas on Floats". Eine dieser Cessnas hatte sogar den weiten Weg aus England gemacht, um an der Scalaria teilnehmen zu können.

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Wasserflugzeuge haben also eine große Fangemeinde weltweit und einmal verschiedenste Typen an einem Ort versammelt zu sehen, hat schon etwas für sich. Natürlich waren aber alle Teilnehmer nicht nur gekommen, um die Schönheit der Seenlandschaft zu genießen. Alle Flugzeuge wurden von ihren Besitzern natürlich auch Stolz und mit viel Elan im Flug vorgeführt.

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Die Show

Es waren aber nicht nur Flugboote und Wasserflugzeuge, die die Besucher der Scalaria zu begeistern wussten. Im Rahmen des Events fanden am Freitag und Samstag auch die Weltmeisterschaften im "Swoop Style Contest" statt.

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Bei dieser relativ jungen Sportart geht es darum, nach am Absprung aus einer gewissen Höhe mit dem Fallschirm relativ präzise zwischen zwei am Wasser aufgebauten Gates, nicht unähnlich den Aerogates eines Red Bull Air Race, in einer gewissen Minimal- und Maximalhöhe durchzufliegen, danach einen Fuß ins Wasser einzutauchen um am Ende möglichst genau eine Zielfläche zu treffen. Gewonnen hat, wer dieser Zielfläche am nächsten kommt und den spektakulärsten Flug dabei hinlegt. Und niemand geringerer als Felix Baumgartner brachte die "Swooper" dabei im Helikopter auf Absprunghöhe. Dass er großen Spaß daran hatte, zeigten seine Postings auf Facebook.

Trotz eines Unfalls am Freitag Abend wurden beide Bewerbe des Contest am Freitag und Samstag plangemäß durchgeführt. Dabei gab es spektakuläre Flüge zu bestaunen, die perfekte Einstimmung für die eigentliche Flugshow, die an beiden Tagen auf den Contest folgte.

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Diente der Freitag dabei als Einstimmung und um alle Teilnehmer herzlich Willkommen zu heißen, ging der Hauptevent dann am Samstag über die Bühne. Den ganzen Tag war der Himmel über St. Wolfgang vom Dröhnen diverser Flugzeugmotoren erfüllt, denn alle Teilnehmer übten ihre Routinen oder nutzen die Zeit einfach, sich einzufliegen und die Landschaft von oben zu genießen.

Eine Besonderheit der Scalaria ist die Beginnzeit. Während andere Airshows um 16 Uhr bereits in die Zielgerade einbiegen, beginnen hier die Vorführungen erst. Somit sind spektakuläre Lichtverhältnisse und beeindruckende Naturkulissen garantiert.

Dabei gab es nicht nur alle anwesenden Wasserflugzeuge zu bestaunen, sondern auch die anwesenden Helikopter, die im Rahmen der Scalaria nicht nur im Flug vorgestellt und vorgeführt wurden, sondern für die Besucher auch im Rahmen einer kleinen Ausstellung am Boden zu besichtigen waren. Auch hier gab es einige Klassiker zu bestaunen, von einem Bell 47 der "Flying Bulls" – jaja, "M.A.S.H." lässt grüssen, über eine polnische Mil Mi-2 bis hin zur Bell AH-1 "Cobra" der "Flying Bulls", wie gewohnt äußerst spektakulär von Blacky Schwarz, dem Chefpiloten der Helikopterflotte der Bulls, vorgeführt.

Bell47_Cobra_formation
Hoplite
Cobra_Break
red bull helikopter
Blacky_Cobra_1

An die glorreiche Zeit des Waldo Pepper fühlte man sich im Anschluß erinnert, als Peggy Krainz auf einer Stearman "Wing Walking" vom Feinsten präsentierte, eine Reminiszenz an die Barnstormer vergangener Tage und ein gelungener Kontrast zum jungen wilden "Swooping".

wid walkerin

Ruhig wurde es dann beim Display des "Team Blanix".

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Segelkunstflug in Vollendung – mehr kann man dazu nicht sagen! Und während die Vorführung des Teams bei der „Airpower“ in mitten all der Kampfjets und militärischen Kunstflugteams leider fast etwas untergegangen war, wirkte das Zusammenspiel von präzise geflogenen Figuren vor wunderschönem landschaftlichen Hintergrund in der Zeit kurz vor Sonnenuntergang hier fast magisch. Ich muß gestehen selten eine derart harmonische, zu Landschaft und Tageszeit passende Flugvorführung gesehen zu haben.

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red bull flieger

Der dröhnende Sound zweier leistungsstarker "Pratt&Whitney" Kolbentriebwerke lag danach in der Luft, als die B-25 der "Flying Bulls" tief über dem See ihre Vorführung flog. Auch sie ist ja ein alter Bekannter und wurde wieder sehr gekonnt von Raimund Riedmann, dem Chefpiloten der Flächenflotte der "Bulls" vorgeführt.

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Interessanter weise ging es für die B-25 am nächsten Tag gleich weiter nach England, wo sie zusammen mit der F4U "Corsair" der "Flying Bulls" am darauffolgenden Wochenende am RIAT in Fairford teilnehmen sollte. An gegensätzlichere Events kann man wohl innerhalb einer Woche kaum teilnehmen.

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Es spricht sehr für die "Flying Bulls", ihre Flotte an derart vielen und unterschiedlichen Events teilnehmen zu lassen und die Flugzeuge dabei in dem Element zu präsentieren, wo sie hingehören, in der Luft!

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Besagte "Corsair" nahm an der Scalaria leider nicht teil, war sie doch an diesem Wochenende bei der "Flying Legends" in Duxford im Einsatz. War das Programm der Scalaria bis hierhin schon sehr beeindruckend, sollte der Höhepunkt des Samstag Abends aber erst noch folgen.

Die Weltpremiere – ein eigener Soundtrack für Blacky Schwarz

Es war der Sommer 1986. Als damals 11 Jähriger durfte ich zum ersten Mal alleine ins Kino, ein besonderes Erlebnis. Nun ja, es stand aber auch ein besonderer Film auf dem Spielplan – "Top Gun". Von der ersten Sekunde an war ich gefesselt. Dies lag nicht nur am Film, sondern auch am Soundtrack, der dann kurze Zeit später eine meiner ersten Schallplatten wurde, die ich mir selbst gekauft habe. Verantwortlich für diese Filmmusik, die heute noch zu den Besten Scores der 80er Jahre zählt, zeichnete ein gewisser Harold Faltermeyer. Eine Fortsetzung von "Top Gun" wird es wohl nach dem Tod von Regisseur Tony Scott nicht geben. Harold Faltermeyer konnte jedoch dafür gewonnen werden, den "Flying Bulls" ein würdiges musikalisches Denkwerk zu setzen, eine "Flying Opera", die nun im Rahmen der Scalaria ihre Welturaufführung erlebte.

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Begleitet wurde die musikalische Darbietung, wie könnte es anders sein, von Artisten am Boden und in der Luft und natürlich von den "Flying Bulls" selbst, die in Gestalt der B-25 und der beiden "Alpha Jets" zur Overtüre passend ihre Vorführungen flogen.

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Leider war es da schon etwas zu dunkel, um vernünftige Fotos der Flugvorführungen machen zu können, allerdings war es ein tolles Erlebnis, die Darbietungen in der Luft und am Boden einfach nur zu genießen und die Kamera auch mal beiseite zu legen. Den Höhepunkt bildete im Anschluß eine beeindruckende Kunstflugdarbietung von Blacky Schwarz in seiner Bo-105, dem Faltermeyer ein eigenes Anthem komponiert hat.

Nachdem er von zwei "Christophorus"-Helis vor die Bühne "begleitet" worden war, demonstrierte er eindrucksvoll, warum er völlig zu Recht als einer der wohl besten Helikopterpiloten der Welt bezeichnet wird.

Währenddessen performte Harold Faltermeyer, gemeinsam mit Steve Stevens an der Gitarre sein Anthem live auf dem Flügel der Do-24, Gänsehautstimmung pur war angesagt.

Musik

Zum Abschluß seiner Vorführung zündete Schwarz noch ein Feuerwerk an Flares – der frenetische Beifall des Publikums war hochverdient!

Blacky_Flares

Im Anschluß daran war eine weitere Premiere angekündigt-ein Kunstflugprogramm mit an der Maschine montierten LED-Leuchten, geflogen von Hannes Arch. Leider funktionierten diese scheinbar nicht, weshalb die Darbietung Archs zwar ebenfalls gewohnt präzise und dynamisch, im abendlichen Zwielicht leider aber auch nicht mehr so gut zu sehen, geschweige denn zu fotografieren war.

Das Finale des Abends bildete schließlich ein Feuerwerk, das den See und die teilnehmenden Flugzeuge noch einmal erleuchtete und für einen passenden Ausklang eines perfekten Abends sorgte.

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DO-24ATT_night_beached_Scalaria

Uns hat die Air Challenge jedenfalls sehr sehr gut gefallen und wir werden St. Wolfgang und der Scalaria sicher wieder einen Besuch abstatten.

herz im himmel

Sollte nun der eine oder andere Leser ebenfalls auf den Geschmack gekommen sein, so empfehlen wir, Zimmer in St. Wolfgang frühzeitig zu buchen, während der Scalaria ist der Ort nämlich ziemlich ausgebucht.

Und sollte jemand das "Flying Bulls Anthem" käuflich erwerben wollen, sowohl der ITunes Store als auch der Google Play Store bieten MP3s zum Download an. Zusätzlich gewidmet ist das "Anthem" auch Guido Gehrmann, der ja vor einigen Wochen auf dem Rückflug von einer Flugshow tragischer Weise in seinem Bede "Microjet" tödlich verunglückt ist.

Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle noch beim Presseteam der Scalaria für die sehr zuvorkommende Betreuung vor Ort.

Text & Fotos: Julia Wallner und Philipp Weber