International

UTair und Transaero: Gemeinsam gegen Aeroflot

Schulterschluss gegen Aeroflot: UTair und Transaero machen gemeinsame Sache, um dem russischen Marktführer Paroli zu bieten.

Gesellschaften, die in Russland nicht explosionsartig expandieren, verlieren zusehends Marktanteile. An der Spitze steht Platzhirsch Aeroflot, der im vergangenen Monat mehr als zwei Millionen Passagiere beförderte - satte 17 Prozent Zuwachs zum Vergleichszeitraum des Vorjahres und ein Rekordwert seit dem Fall der Sowjetunion. Doch die Konkurrenz schläft nicht - so haben UTair und Transaero nun, wie angekündigt, eine entsprechende Kooperation beschlossen. Gesetzt wird dabei auf den Moskauer Hub Wnukowo, der - entgegen den beiden anderen - noch Kapazitätsreserven bietet.

Wnukowo-Verwaltungsratpräsident steht der Airline-Zusammenarbeit sehr positiv gegenüber. Für seinen Airport bedeutet diese schließlich den Zugriff auf das größte nationale Streckennetz, welches UTair bietet, sowie die Kompetenz internationaler Verbindungen von Transaero, mit der die Gesellschaft - so rechneten Wirtschaftsexperten der "Neuen Zürcher Zeitung" jüngst vor - satte 70 Prozent ihres Umsatzes einfliegt.

Im Gegensatz zu den Moskauer Flughäfen, Domodedowo und Scheremetjewo, bietet Wnukowo nach einem umfassenden Umbau- und Sanierungsprogramm heute nicht nur das modernste Terminal des Landes, sondern dank für den Herbst anberaumter Wiedereröffnung einer zweiten Runway die Abwicklung von 90 Flugbewegungen pro Stunde - doppelt so viel wie die jetzt schon heillos überlasteten Hubs Domodedowo und Scheremetjewo. So will Wnukowo innerhalb von fünf Jahren die Passagiermarke von 30 Millionen sprengen - dies wäre ein Zuwachs von 200 Prozent, verglichen mit dem Vorjahreswert. Auch Lufthansa-Tochter AUA setzt mittlerweile verstärkt auf diese Destination.

Glaubt man den Worten von Wnukowo-Manager Vitali Wantsew, soll auch SWISS in naher Zukunft von Domodedowo an "seinen" Airport wechseln. Seitens SWISS wird dies nicht weiter kommentiert, sondern auf den "unveränderten Winterflugplan" verwiesen.

Noch vor drei Jahren hätte eine UTair-Transaero-Zusammenarbeit wohl als unmöglich gegolten - die Flotte der 1991 als Aeroflot-Ableger ins Leben gerufenen UTair war veraltet, zudem stand die Airline Anfang 2007 aufgrund gravierender Sicherheitsmängel sogar auf der "Schwarzen Liste" der EU. Mit dem Einzug moderner Fluggeräte, etwa Boeing 737 und 757, war nunmehr der Weg für eine Kooperation geebnet. Und bei Transaero werden parallel auch ganz neue Töne angeschlagen: So sei man nun, entgegen früherer Haltung, auch dem Beitritt zur einer Luftfahrtallianz sehr aufgeschlossen, sagte Airline-Chefin Olga Pleschakowa kürzlich der "Welt".

Die geplante Zusammenarbeit lässt jedoch keine Airline-Fusion erwarten: ein Aktientausch sei kein Thema, betont die Transaero-Generaldirektion.

Was die Unternehmenszahlen betrifft, sind sich UTair mit 9,4 Millionen Passagieren und Transaero mit 10,2 Millionen Fluggästen im Jahr 2012 sehr ähnlich. Cargo-Experten beider Gesellschaften untersuchen darüber hinaus mögliche Kooperationen im Frachtgeschäft.

(red Aig / Titelbild: UTair Boeing 737-500 - Foto: Dmitry Karpezo)