International

Gewerkschaft kritisiert "unfaire" EU-Pläne für Bordpersonal

Kritik an der geplanten neuen europäischen Sicherheitsverordnung kommt heute von der Gewerkschaft vida. „Diese neue Verordnung lässt jeglichen sozialen Aspekt vermissen. Besonders hart trifft es das Bordpersonal in der Luftfahrt. Die EU-Pläne werden weiter dazu beitragen, die Beschäftigten noch mehr auszupressen und den Leistungsdruck erneut nach oben zu schrauben“, so Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luft- und Schifffahrt in der Gewerkschaft vida.

13-Stunden-Dienste ohne reguläre Pause

„Die EU hat mit ihrer Verordnung ausschließlich die Sicherheit an Bord im Auge. Ihr ist es wichtig, sicherzustellen, dass alle Weichen so gestellt sind, dass der Pilot im Cockpit nicht einschläft und kein Sicherheitsrisiko gegeben ist. Das ist auch gut und außerordentlich wichtig“, hält Schwarcz fest. „Was aber nicht sein kann, ist, dass soziale Maßnahmen und Aspekte in der neuen Verordnung keinen Platz finden. Besonders ärgerlich ist es, dass Österreich nicht von seiner Möglichkeit Gebrauch macht, die EU-Verordnung mit unserem bewährten Arbeitszeit- und Arbeitsruhegesetz zu erweitern. Das könnte die Politik, pfeift aber offenbar drauf und ausbaden müssen das die Kolleginnen und Kollegen in den Fliegern.“

Das österreichische Arbeitszeit- und Arbeitsruhegesetz ist eine maßgebliche Säule für gesunde Arbeitsplätze und ein ausgewogenes Sozial- und Familienleben. Wird das Gesetz nicht an die neue EU-Verordnung gekoppelt, dann werden Dienste von bis zu 13 Stunden ohne reguläre Pause für das fliegende Personal gang und gäbe. „Trotz des hohen Stresslevels sollen diese hart arbeitenden Menschen an Bord keine Pause machen dürfen? Hier gibt es einen klaren Auftrag an unsere Politiker, dem einen Riegel vorzuschieben“, so Schwarcz. Die neuen EU-Pläne öffnen laut dem Gewerkschafter auch Lohn- und Sozialdumping Tür und Tor. „Um in der Preisschlacht mitspielen zu können, sparen die Airlines immer mehr bei ihren Beschäftigten. Immer weniger Personal muss immer mehr leisten. Immer längere Arbeitszeiten behindern die dringend nötige Schaffung neuer Arbeitsplätze, sind familienfeindlich und gesundheitsschädlich.“

Deutlich weniger freie Tage

Durchschnittlich haben österreichische Arbeitnehmer 114 Tage frei im Jahr, das fliegende Personal in Österreich nur 96. „Der Job hat ohnehin alles andere als familienfreundliche Arbeitszeiten und das Pflegen von Freundschaften und die Gestaltung des Soziallebens, etwa die Teilnahme an Festen und Geburtstagen, sind extrem schwierig. Jetzt soll auch das noch weiter beschnitten werden!“, kritisiert Schwarcz. „Ich fordere den Nationalrat daher auf, diese EU-Sicherheitsverordnung um unsere bewährten sozialen Standards zu erweitern und damit auch für das fliegende Personal zugänglich zu machen!“

(red / Gewerkschaft vida via APA-OTS / Titelbild: Symbolbild Flugbegleiter - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew)