Reportagen

Aviation Event in Frankfurt: Was bringt die Zukunft der europäischen Luftfahrt?

Fotos: Johannes Bauer (alle Aufnahmen sind urheberrechtlich geschützt, honorarpflichtig und dürfen ausschließlich mit schriftlicher Genehmigung des Fotografen verwendet werden; Zuwiderhandlungen können rechtlich geahndet werden)

Am 3. Februar hat in Frankfurt am Main im House of Logistics & Mobility (HOLM) das Aviation Event Germany 2026 stattgefunden. Ein Bericht von Johannes Bauer für Austrian Wings.

Beim Aviation Event in Frankfurt am Main haben sich bedeutende Vertreter der europäischen Luftfahrtbranche und Politiker zu einem wichtigen Austausch und Dialog auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens getroffen, um die richtigen Wege für die momentanen Herausforderungen und die Zukunft der europäischen Luftfahrt zu finden. Bereits bei den Eröffnungsreden durch den Hessischen Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales und Entbürokratisierung, Manfred Pentz, und den Staatssekretär des deutschen Verkehrsministeriums, Stefan Schnorr, wurde klar wie dies gelingen soll.

Die Luftfahrt ist einer der wichtigsten Branchen für Europa, Deutschland und natürlich auch das Bundesland Hessen. Somit will auch die Politik ihren Beitrag dazu leisten, dass diese Wirtschaftssektor fair und konkurrenzfähig bleibt. Deutschland wird mit Juli 2026 die Luftverkehrssteuer reduzieren, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Luftfahrt wieder zu verbessern. Außerdem wurde betont, dass durch Investitionen in bessere Strukturen und optimierte Planung und Prozesse sowohl im Passagier als auch Frachtbereich die europäische Luftfahrt international konkurrenzfähig bleiben kann. Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Zukunft der Fliegerei in Europa soll eSAF (Sustainable Aviation Fuel, welcher mithilfe von erneuerbarer Energie hergestellt wird) werden, da dieser Treibstoff weniger Treibhausgase erzeugt und im Vergleich zu anderen Umweltschutzmaßnahmen der Luftfahrt, für die Passagiere sehr geringe Mehrkosten bringt. Dieser Kraftstoff soll stärker gefördert werden und weiter in den Fokus der Flughäfen und Airlines rücken. Die Europäische Union hat bereits eine „eSAF Early Movers Coalition“ ins Leben gerufen, um mit etwa 500 Millionen Euro die Entwicklung und Förderung dieses Treibstoffs voranzutreiben. Acht Staaten, darunter auch Deutschland und Österreich haben sich diesem Vorhaben bereits angeschlossen. 

Staatssekretär Stefan Schnorr

Entwicklung der europäischen Flughäfen
Vor allem Vertreter europäischer Flughäfen und deren Gruppen, welche Flughäfen auf der ganzen Welt betreiben, waren vor Ort und haben Hürden und notwendige Änderungen angesprochen und diskutiert. Während die kleineren Flughäfen sich mit dem Ziel wieder auf das Verkehrsniveau vor 2020 zu kommen beschäftigen, in dem sie sich auf Lowcost Carrier und Sekundärmärkte konzentrieren, haben die großen Drehkreuze wie Wien, Frankfurt oder Zürich ihren Fokus auf das Wachstum gelegt.

Der Flughafen Prag hat sich laut seinem CEO, Jiri Pos, nach sehr schwierigen Zeiten, mit der Corona Krise und dem Verschwinden des Homecarriers CSA, wieder gut erholt. Allerdings muss sich der Flughafen an seine neue Rolle als Sekundär-Hub noch gewöhnen und hofft, dass man bald wieder das Niveau von 2019 erreicht und dann auch übertrifft. Auch der Flughafen Riga hatte in den letzten Jahren nicht nur mit Covid-19 zu kämpfen, sondern auch mit den geopolitischen Folgen des Angriffes Russlands auf die Ukraine. Mittlerweile ist der Flughafen der lettischen Hauptstadt der größte Flughafen im Baltikum. Mit dem Wachstum der Billigfluggesellschaften am Standort auf bis zu 60% Marktanteil und der starken heimischen Air Baltic blickt man inzwischen wieder positiv in die Zukunft.

Währenddessen sind der Flughäfen wie Frankfurt, Wien und Zürich darauf fokussiert, neue Terminals zu eröffnen, zu erweitern beziehungsweise zu erneuern. So soll der brandneue Terminal 3 am Flughafen Frankfurt am 22.April 2026 feierlich eröffnet werden und bietet dann vorerst bis zu 19 Millionen und später 25 Millionen Passagieren eine angenehme An- und Abreise. Der Flughafen Wien ist auf dem Weg die Süderweiterung des Terminal 3 2027 zu eröffnen. Damit will man den Passagieren mehr Platz und Möglichkeiten bieten um die Zeit vor dem Abflug oder nach Ankunft in angenehmer Atmosphäre und mit gutem Essen zu verbringen. Damit ist die Auszeichnung eines 5 Sterne Airports für den Flughafen Wien dann in greifbarer Nähe. Die Bauarbeiten für den komplett neuen Dock A am Flughafen Zürich sind auch bereits im vollen Gang und die Fertigstellung wird 2033 erwartet.

V.r.n.l.: Alexander Laukenmann (Senior Executive Vice President Aviation Fraport AG), Laila Odina (CEO Riga Airport), Jiri Pos (CEO Prag Airport), Julian Jäger (Joint CEO Flughafen Wien), Daniel Bircher (Managing Director Flughafen Zürich), Raoul Spanger (Co-CEO, Gebr. Heinemann)

Trotz der verschiedenen Positionen, in denen sich diese Flughäfen befinden, sind sich die Vorstände einig, dass Flexibilität in Bezug auf die Anforderungen der Airlines und Passagiere eine der wichtigsten Bausteine für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ist. Ein weiterer wichtiger Punkt für die europäische Luftfahrt ist, dass man sich geschlossen gut positioniert im Wettbewerb vor allem gegen den mittleren Osten und Asien, insbesondere China. Hierzu betonte vor allem Julian Jäger, CEO des Flughafen Wiens, dass es keine nationalen Alleingänge innerhalb der EU geben sollte, wie zum Beispiel mit der Luftverkehrsabgabe in Österreich oder Deutschland.

Erste Änderungen
Viele Länder in der Europäischen Union haben bereits erkannt wie wichtig eine gesunde und konkurrenzfähige Luftfahrtbranche ist und haben deshalb, entweder keine zusätzliche Steuer eingeführt, wollen diese wieder reduzieren wie Deutschland oder haben sie bereits zurückgezogen wie Schweden. Dort hat man am 1.Juli 2025 die Luftfahrtsteuer wieder zurückgenommen und erhofft sich dadurch einen baldigen Aufschwung der schwedischen Luftfahrt.

Technologie als wichtige Komponente
Moderne Technologien in der Luftfahrt ist für Europa ein wichtiger Bestandteil für die Zukunft, auch wenn es hier noch klare Wettbewerbsnachteile gibt wie zum Beispiel durch die strengen Datenschutzgesetze in der Europäischen Union. Diese verhindern die Entwicklung und Einführung von Geräten und Equipment welche Abläufe wie Passkontrollen sehr viel einfacher und effizienter machen würden. Allerdings gibt es auch Firmen wie die belgische ADB Safegate die mit ihrem Produkt Airside 4.0 weltweit agieren. Laut Dietmar Schneider, Global Sales Director, helfen die Softtware und Geräte von ADB Safegate Flughäfen den Flugbetrieb schnell und unkompliziert zu digitalisieren. Durch vernetzte Systeme in allen Bereichen verspricht das System ein verbessertes Situationsbewusstsein und Sicherheit, das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen und erhöhte Kapazität.

Text & Fotos: Johannes Bauer