Die Family City (bis 2024 Excalibur City) gleich hinter der niederösterreichisch-tschechischen Grenze bei Kleinhaugsdorf werden die meisten Menschen nur als Einkaufs- und (günstiges) Kinderparadies kennen. Doch auch aviatisch hat das Lebenswerk von Gründer und Erfinder Ronnie Seunig viel zu bieten. Rund 170 Meter Luftlinie von der Grenze entfernt befindet sich am Rande der Einkaufsstadt ein Sonderlandeplatz, auf dem es keine Lande- oder sonstige Gebühren gibt. Er ist nicht nur bei österreichischen und tschechischen Piloten beliebt, sondern am Platz sind auch Rundflugunternehmen und Flugschulen ansässig. Auf dem eigentlichen Areal der Family City gibt es einen Blickfang, der die Herzen von Luftfahrtfans höher schlagen lässt - dort steht eine IL-62. Dabei handelt es sich um ein sowjetisches Langstreckenflugzeug, das von 1963 bis 1995 produziert wurde. Dieser Typ bildete das Rückgrat der Langstreckenflotten in sozialistischen Ländern und der Sowjetunion. Heute ist dieser Typ so gut wie vom Himmel verschwunden. Neben den russischen Luftstreitkräften fliegt sie nur noch in Weissrussland (Belarus) und Nordkorea.
Die in der Family City in Kallendorf-Haid (Chvalovice-Hate) abgestellte IL-62 ist ausgesprochen farbenfroh und hat eine ebenso bewegte wie interessante Geschichte, wobei sich die Details je nach Quelle etwas unterscheiden. Sie wurde im Jahr 1967 gebaut und zwei Jahre später von der Sowjetunion an die Regierungsstaffel der Tschechoslowakei ausgeliefert. Unter der Registrierung OK-BYV flog die Maschine für die Regierungsstaffel des Landes - laut den meisten Quellen bis 1981. Dann wurde das Flugzeug an die staatliche Fluggesellschaft CSA überstellt und hatte zeitweise das Kennzeichen OK-FBF. CSA nutzte das Flugzeug bis Anfang der 1990er Jahre, wobei es weiterhin für die Regierung des Landes zum Einsatz gekommen sein dürfte. Die Family City gibt an, dass das Flugzeug von "1969 bis 1990" für offizielle Reisen der tschechoslowakischen Regierung genutzt wurde. Im März 1993 übernahm die kurzlebige Fluggesellschaft Espe Air das Flugzeug. Espe Air leaste die OK-FBF samt Crews von der CSA, doch die Chartergesellschaft schlitterte noch im gleichen Jahr an die Pleite. Danach ging die IL-62 an die 1992 gegründete Georgia Air Prague (stellte 1997 den Betrieb ein), die sie aber schon 1994 außer Dienst stellte. Anschließend wurde das Flugzeug in Mährisch-Ostrau / Ostrava eingemottet.
Im Jahr 1997 kaufte dann die Betreibergesellschaft der Excalibur City die IL-62 und überstellte sie per Bodentransport 1998 nach Südmähren an ihren heutigen Standort. Dort versah der österreichische Künstler Professor Ernst Fuchs ( † 2015) das Flugzeug nach dem Zusammenbau 1999 mit einer farbenfrohen Lackierung, während es innen zu einem Restaurant umgebaut wurde.Die Tür zum Flugdeck wurde entfernt und durch eine Plexiglas-Platte ersetzt, sodass die Restaurantbesucher einen Blick in das Vier-Mann-Cockpit werfen konnten.

Die Eröffnung als Restaurant erfolgte im Jahr 2000, wobei die rechte Tragfläche als Terrasse genutzt wurde. Neben Luftfahrtfans erfreute sich das "Jet Rest", wie der Gastronomiebetrieb genannt wurde, vor allem bei Familien mit Kindern großer Beliebtheit.
Als 2020 die Corona-Pandemie den Betrieb auch in der Excalibur City zum Erliegen brachte, schloss das Restaurant in der IL-62 seine Pforten. Sie sollten sich nie wieder öffnen. Schon 2022 teilte eine Mitarbeiterin auf Anfrage mit, dass eine Wiedereröffnung "nicht geplant" sei.
Wenn man sie auch leider nicht mehr von innen besichtigen kann, so bleibt die IL-62 in der Family City weiterhin ein Blickfang und zieht Besucher an - denn wo sonst hat man schon die Gelegenheit, ein Stück Luftfahrtgeschichte derart aus nächster Nähe zu bestaunen - und wer weiß, vielleicht gibt es eines Tages doch noch eine Neueröffnung. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt ...
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Text & Fotos: Patrick Huber