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AUA-Management droht Mitarbeitern

AUA-Sprecher spricht von Reaktion auf NS-Vergleich von Mitarbeiter

Bei der österreichischen Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) werden kritische Mitarbeiter im Flugbetrieb offenbar seitens der mittleren Management-Ebene "mundtot" gemacht.

Wie aus einem Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins "Focus" hervorgeht, habe der frühere Lufthansa-Pilot und jetzige Leiter "Operations" bei der AUA, Jens Ritter, ein scharfes Schreiben an seine Mitarbeiter verschickt. Darin drohe Ritter den Piloten und Flugbegleitern, dass er "unethisches, respektloses und firmenschädigendes Verhalten in jeglicher Kommunikationsform nicht tolerieren" werde und kündigt "arbeitsrechtliche Konsequenzen bis zur Entlassung" an.

Ritter ist für die Bereiche Kabine, Cockpit, Safety, Training, Technik und für die behördenrelevanten Ground Operations Standards verantwortlich und berichtet direkt an CEO Kay Kratky. Es gilt daher unter Insidern als unwahrscheinlich, dass das brisante Schreiben ohne die zumindest stillschweigende Zustimmung von Kratky verschickt wurde.

Hintergrund dieser Management-Drohung dürfte der Umstand sein, dass die AUA-Belegschaft seit Wochen scharfe Kritik an der Billigflug-Strategie der Konzernmutter Lufthansa übt.

AUA: "Pflegen offenen Austausch"

Gegenüber Austrian Wings erklärte ein AUA-Sprecher, dass die scharfe Mail Ritters lediglich eine Reaktion auf eine inakzeptable Äußerung eines Mitarbeiters gewesen sei: "Ein Mitarbeiter hatte in einer internen Diskussion den Vergleich mit der NS-Zeit hergestellt, was Herrn Ritter veranlasst hat, unmittelbar zu reagieren und der ausgeuferten Diskussion Einhalt zu gebieten. Wir pflegen bei Austrian einen offenen Austausch, in dem auch Kritik erlaubt und erwünscht ist. Doch soll der Diskurs vernünftig, mit Respekt und nötiger Demut geführt werden. Vergleiche mit den grauslichen Verbrechen der NS-Zeit waren an dieser Stelle völlig unangemessen."

Kritik auch an Germanwings-Management

Aber auch bei Germanwings fühlen sich die Mitarbeiter unter Druck gesetzt, so "Focus". Kritiker würden systematisch eingeschüchtert, suspendiert und mitunter sogar zum Psychologen zur Untersuchung geschickt. Die Schikanen seitens des Managements seien derart heftig, dass die Personalvertretung der Piloten in einem Schreiben nun sogar warnt: "Euer Job könnte mit jeder kritischen Meinungsäußerung zu Betriebs-, Unternehmens- oder Konzernthemen in Gefahr geraten".

(red, CvD TM / Titelbild: Symbolbild Flugkapitän - Foto: V-I-P.tv)