Österreich

Gewerkschaft vida: Sicherheitsempfehlungen nach Germanwings-Katastrophe umsetzen

Symbolbild Piloten im Cockpit - Foto: http://fotos.v-i-p.tv

Nicht nur der Abschlussbericht zur Germanwings-Katastrophe von März 2015, sondern jetzt auch eine neue US-Studie unterstreichen, dass dringender Handlungsbedarf bei der sozialen und finanziellen Absicherung des fliegenden Personals besteht. „Die Daten der Studie der Elite-Universität Harvard sind höchst alarmierend“, so Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida.

„Hunderte Piloten weltweit leiden demnach an Depressionen oder kämpfen mit depressiven Symptomen und haben Selbstmordgedanken. Die meisten suchen keine Hilfe, weil sie Angst vor Konsequenzen im Job haben. Hier müssen wir schleunigst gegensteuern, damit es gar nicht erst so weit kommt“, so der vida-Gewerkschafter (siehe APA0049, 14.12.2016, 08:28). Zu erklären ist das damit, dass das Personal, welches ein regelmäßiges Medical vorweisen muss, schon durch Volkskrankheiten, wie z. B. Diabetes, seine Berufsberechtigung verlieren kann.

Mauern des Schweigens endlich einreißen
„Es geht hier um nichts anderes als Leben oder Tod. Die Sicherheit der Beschäftigten und natürlich auch aller Fluggäste steht auf dem Spiel, wenn das fliegende Personal seinen Job nicht topfit antritt. Der Schleier der Verschwiegenheit um gesundheitliche Probleme muss endlich gelüftet werden“, fordert Schwarcz. Gleichzeitig erinnert er an den absichtlich herbeigeführten Absturz einer Germanwings-Maschine am 24. März 2015 in Frankreich. Keiner der 150 Insassen an Bord hat überlebt: „Heute wissen wir, dass der Co-Pilot an Depressionen litt und sich das Leben nehmen wollte. All das hatte er laut den Ermittlern verschwiegen, weil er sich offenbar vor Konsequenzen im Job gefürchtet hat.“
Sicherheit und Beschäftigung in den Vordergrund rücken

Schwarcz verlangt einen offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen anstelle von Verdrängung und Karriereangst: „Das gilt natürlich nicht nur für das fliegende Personal, sondern auch für zahlreiche andere Berufsgruppen wie Lokführer oder auch Fluglotsen, also all jene, die zur Ausübung ihres Berufes ein Medical vorweisen müssen.“ Um dem fliegenden Personal in Zukunft eine deutlich Last von den Schultern zu nehmen, macht sich der Gewerkschafter erneut für einen Sozial- und Weiterbildungsfonds stark: „Wenn die Ticketsteuer halbiert oder abgeschafft wird, soll ein kleiner Teil der Ersparnisse für die Unternehmen in diesen Fonds fließen. Damit können beispielsweise bei Pilotn und Flugbegleiter im Falle eines unverschuldeten Lizenz- oder Arbeitsplatzverlustes die sozialen Folgen und die arbeitsmarktpolitischen Kosten abgefedert werden.“ Schwarcz verweist darauf, dass dieser Punkt auch in den sechs Sicherheitsempfehlungen im Abschlussbericht der Untersuchung der Germanwings-Tragödie zu finden ist:

Zitat: „Organisationen […] können die Selbstauskunft im Fall von einer Einschränkung der flugmedizinischen Tauglichkeit fördern, wenn sie die Konsequenzen […] verändern, indem sie andere motivierende Positionen innerhalb des Unternehmens anbieten und die finanziellen Kosten eines Lizenzverlustes […] mildern.“ (Quelle: http://bit.ly/2gKjDeV)
Angebot für runden Tisch

„Beim fliegenden und fahrenden Personal gibt es neben Alkohol- und Drogenkontrollen auch noch andere wichtige Aufgaben, die ein Unternehmen bzw. der Staat bei Sicherheitsfragen zu erfüllen haben“, stellt Schwarcz klar. Um das wichtige Thema Absicherung auf breiter Basis zu diskutieren, macht sich Schwarcz für eine Expertengruppe stark: „Wir stehen als Sozialpartner für Gespräche jederzeit zur Verfügung, um hier rasch zu einer optimalen Lösung zu kommen!“ 

(red / vida via APA-OTS)