Reportagen, Videobeiträge

Mit Video: Airfest 2019 in Bad Vöslau

Eines der Highlights des diesjährigen Airfest war diese AN-2 mit dem Spitznamen "Der Wiener", mehr Infos siehe im Text - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Top organisiert war das dritte Airfest, das am vergangenen Wochenende auf dem Flugplatz in Bad Vöslau stattfand - und das nächste Airfest ist bereits in Planung - es soll am 7. Juni 2020 über die Bühne gehen.

Aller guten Dinge sind drei, sagt eine alte Volksweise. Und das trifft auch auf das Airfest zu, das heuer zum dritten Mal über die Bühne ging. Denn die Organisation gab ebenso wenig Anlass zur Kritik wie das abwechslungsreiche Programm, das mit einigen Überraschungen aufwarten konnte. Doch der Reihe nach.

Impressionen vom Airfest - zum Abspielen des Videos bitte in das Vorschaubild klicken

Airshows und Flugplatzfeste sind überall auf der Welt wahre Publikumsmagnete. Sie bieten Besuchern die Möglichkeit, Flugzeuge hautnah, gewissermaßen zum Anfassen, zu erleben und darüber hinaus mit Piloten ins Gespräch zu kommen. Der Grundstein so mancher Pilotenkarriere wurde bereits in Kindertagen auf einer Airshow gelegt, wenn kleine Jungen kleine Mädchen dort mit dem sprichwörtlichen „Virus Aviaticus“ infiziert wurde. Unglücklicherweise wird es in Europa immer schwieriger, als Verein oder Privatperson derartige Veranstaltungen auf die Beine zu stellen.

Besatzungsmitglied der AN-2 "Wiedeńczyk"

Erwin Kreczy hat im Jahr 2017 mit dem Projekt „Airfest“ (damals noch in Krems) trotz aller Widrigkeiten damit begonnen und der Flugtag vom vergangenen Wochenende ließ keine Wünsche offen. Neben einem umfangreichen Static Display von Flugzeugen, gab es auch einzigartige Fahrzeuge zu bestaunen.

Beech C-45 aus der Tschechischen Republik

Und damit dem Nachwuchs nicht langweilig wurde, hatten Kreczy und sein Team auch an spezielle Familien- und Kinderbereiche gedacht, in denen Hüpfburgen und Rutschen zur Verfügung standen.

"Die Veranstaltung war ausgesprochen familienfreundlich, die Airshow super. Leider konnten wir wegen der Hitze nicht den ganzen Tag bleiben. Hoffentlich ist es beim nächsten Mal etwas kühler, dann kommen wir bestimmt wieder."
Ein Familienvater

Für die „Hardcore“-Fotografen, besser bekannt als Planespotter, stand ebenfalls ein eigener Bereich direkt parallel zum Rollweg und zur Piste zur Verfügung, für diejenigen, die es etwas gemütlicher angehen wollten, gab es eine eigene Tribüne.

Yak-11

Wer selbst einmal „in die Luft“ gehen wollte, hatte bei Rundflügen mit Hubschraubern und Flächenflugzeugen die Gelegenheit dazu. Auch das Flugprogramm ließ für eine zivile nicht staatlich/militärisch subventionierte Veranstaltung keine Wünsche offen.

"Ich bin schon auf vielen Airshows geflogen. Aber so eine professionelle Organisation wie hier habe ich selten erlebt. Mein Respekt für den Veranstalter und sein Team."
Ein teilnehmender Pilot

So konnten unter anderem zwei Militärjets – eine G2 Galeb und eine L-29 Delfin – im Flug bewundert werden, dazu kamen jede Menge kolbenmotorgetriebene Flugzeuge wie die Pilatus P3, die Beech C-45, eine L-19 Bird Dog, mehrere Zlin 226, die Bücker Jungmann oder die T-28 Trojan, um nur einige wenige zu benennen. In den Pausen gingen Modellflugprofis an den Start.

L-19 Bird Dog mit Fred Kroissenbrunner am Steuer
Fred Kroissenbrunner im Cockpit seiner L-19
Sasa Ristic im Cockpit der Soko G2 Galeb in den Farben der früheren jugoslawischen Luftwaffe
Planespotter @work

Als ob dieses Potpourri nicht schon beeindruckend genug gewesen wäre, war es Kreczy  auch noch gelungen, einen ganz besonderen Stargast nach Bad Vöslau zu holen: die von WSK PZL Mielec 1966 in Lizenz produzierte Antonov AN-2 mit dem Kennzeichen SP-MLP und dem Schriftzug „Wiedeńczyk“ auf dem Rumpf.

Dieses auf den ersten Blick unscheinbare Flugzeug hatte am 1. April 1982 (kein Scherz) Geschichte geschrieben, als zwei polnische Militärpiloten mit ihren Familien an Bord aus dem kommunistischen Polen nach Wien flüchteten. Im Tiefflug über die Tschechoslowakei – um der Radarerfassung zu entgehen – kollidierte die Maschine mit mehreren Bäumen, wodurch die linke untere Tragfläche stark beschädigt wurde. Trotzdem gelang den Piloten der Weiterflug nach Österreich und die sichere Landung auf dem Flughafen Schwechat.

Die Piloten der AN-2, die 1982 von Krakau nach Wien geflohen war, mit ihren Frauen - heute leben sie in den USA

Dieses in der Öffentlichkeit kaum bekannte Ereignis des kalten Krieges – ein spannendes Stück Zeitgeschichte – wurde beim Airfest in Bad Vöslau wieder lebendig, zumal auch die beiden Piloten von 1982 und ein Flughafenmitarbeiter, der bei der Ankunft der Maschine dabei war, anwesend waren.

Trotz ausgezeichneter Organisation und einem wirklich soliden Programm beim diesjährigen Airfest bleibt ein Wermutstropfen, der außerhalb des Verantwortungsbereiches des Organisationsteams lag: das Wetter. Am Samstag war es mit mehr als 30 Grad so heiß, dass viele Familien lieber ins Freibad als auf den Flugplatz fuhren, und am Sonntag hielt eine Gewitterwarnung etliche Interessierte von einem Besuch ab, obwohl zumindest am Vormittag strahlend blauer Himmel über Bad Vöslau herrschte.

Es bleibt zu hoffen, dass auch im kommenden Jahr eine so tadellos organisierte Veranstaltung über die Bühne gehen kann und die Besucher dann bei angenehmen, nicht zu heißen, Temperaturen zu Tausenden auf das Flugfeld strömen - das hätten sich die Organisatoren mehr als verdient. Aktuell ist als Termin dafür der 7. Juni 2020 geplant.

Weitere Fotoimpressionen:

Bücker Jungmann
Die Bodencrew der S2 Galeb
Yak-11
AS 350 Ecureuil
L-29 Delfin
Beeindruckende Fallschirmsprungvorführung
Die Flugpolizei präsentierte einen ihrer vier neuen H135 (vormals EC 135 P3) in Bad Vöslau
Das Follow me Team mit Zlin 226 aus Tschechien
Auch Freunde von Motorrädern und Autos kamen voll auf ihre Kosten
"Schulbus" mit Raketenantrieb
Die AN-2 SP-FAH der Classing Wings führte Rundflüge durch
Johann Fesl mit seiner YAK-55
Patrouille REVA aus Frankreich
P3 Team aus der Schweiz
PO 2 - der Schrecken der deutschen Landser an der Ostfront während des Zweiten Weltkrieges
Die legendäre AN-2 mit dem Namen "Wiedeńczyk", mit dem am 1. April 1982 zwei polnische Militärpiloten mit ihren Familien aus dem Ostblock in die Freiheit flohen
Magdalena gehört zur heutigen Crew der AN-2 "Wiedeńczyk"
Blick in die Kabine ...
... und das Cockpit
"Der Wiener" beim Start
Das Team Blanix legte eine beeindruckende Performance hin
Zoltan Veres beeindruckte das Publikum mit seiner Darbietung
Für Oldies but Goldies wie diese Beech C-45 gilt das Rauchverbot auf dem Vorfeld selbstverständlich nicht
Bell 206 Jet Ranger
Close-Up das Rotors
EC 120 (H120)
Piloten-Briefing
Die Galeb kam aus Belgrad / Beograd
Sie trägt die Farben der ehemaligen jugoslawischen Luftwaffe
Pilot Sasa Ristic
Preflight-Check
Die Galeb wurde von Sasa Ristic geflogen
Bücker Jungmann
Den ganzen Tag über war dieser R44 für Rundflüge in der Luft
"Der Wiener" setzt auch Fallschirmspringer ab
Damit die Airfest-Mitarbeiter sich rasch auf dem Gelände fortbewegen konnten, standen Motorroller zur Verfügung; darüber hinaus waren die Crewmitglieder über Funk miteinander verbunden, was eine effiziente Organisation ermöglichte
Blanik aus der Tschechischen Republik
Cockpit einer Bücker Jungmann, im Hintergrund der Tower von Bad Vöslau
Follow me Team aus Tschechien
Die Besatzung der L-29 Delfin winkt den begeisterten Besuchern zu
T-28 Trojan
Ein Pilot der Patrouille Reva bereitet sich auf das Display vor
Patrouille REVA

Text: P. Huber
Fotos: R. Erenstein, M. Dobrozemsky, B. Kolbe, F. Kroissenbrunner
Video: M. Dobrozemsky, P. Huber, F. Kroissenbrunner / Schnitt: Austrian Wings Media Crew