Österreich

Nach Austrian Wings Bericht: "Anonyme" burgenländische Bodenabfertigungsfirma plötzlich mit Kontaktdaten

Joint Sky Services GmbH residiert in einem Wohnhaus im Burgenland. Firmenschild existiert keines. Der Firmenname auf der Klingel gehört zu einer in Liquidation befindlichen älteren Firma.

Am Freitag berichtete Austrian Wings über eine "anonyme" neue Firma, die überraschend den Zuschlag für die Bodenabfertigung am Flughafen Wien erhalten hatte. Nachdem es gut ein halbes Jahr lang keinerlei E-Mailadresse gab, veröffentlichte das Unternehmen nach unserem Bericht plötzlich einige E-Mailadressen im Internet. Firmensitz ist in einer Wohnhausanlage in Eisenstadt. Firmenschild gibt es keines, wie ein Lokalaugenschein ergab. Der (falsche) Firmenname wurde mit Tixo einfach auf die Klingel geklebt.

Am 24. Juli berichtete Austrian Wings darüber, dass die vor rund einem halben Jahr neu gegründete und in der Branche völlig unbekannte Firma namens Joint Sky Services GmbH den Zuschlag für die Bodenabfertigung am Flughafen Wien erhalten hatte. Das Unternehmen ohne jede ersichtliche Erfahrung in diesem Bereich setzte sich damit gegen den langjährig international tätigen Konzern AAS sowie weitere Mitbewerber durch. Innerhalb der Branche und bei externen Beobachtern sorgte dieser Vorgang für Verwunderung und warf Fragen zum Vergabevorgang auf, die noch gesondert an den Flughafen Wien sowie die entsprechenden behördlichen Stellen gerichtet werden.

Das Unternehmen Joint Sky Services GmbH war erst Anfang des Jahres (offenbar rechtzeitig um sich auf die Ausschreibung bewerben zu können) mit einem recht niedrigen Stammkapital von 10.000 Euro gegründet worden. Seit rund einem halben Jahr gab es keine öffentlich einsehbaren Kontaktmöglichkeiten. Eine "leere" Homepage mit "Under Construction" aber ohne E-Mailadresse und ohne Telefonnummer war erst Mitte Juli online gegangen, gut fünf Monate nach Gründung der Firma, die schon in drei Monaten den Betrieb aufnehmen will.

Als Firmensitz wird eine Wohnadresse in Eisenstadt, rund 60 Kilometer vom Flughafen Wien entfernt, angegeben. Ein Firmenschild gibt es an der veröffentlichten Adresse nicht. Von Austrian Wings befragte Eisenstädter wissen überhaupt nichts von der Existenz des Unternehmens. Beim Austrian Wings Lokalaugenschein klebte lediglich ein falscher Firmenname an der Klingel des Hauses. Falsch deshalb, weil dort "Joint Station" und nicht "Joint Sky Services GmbH" angeschrieben steht, wohlgemerkt fast ein halbes Jahr nachdem Joint Sky Services GmbH gegründet wurde.

Joint Station ist ein anderes Unternehmen, das sich derzeit in Liquidation befindet. Diese Liquidation wird augenscheinlich von einer der Personen abgewickelt, die als Geschäftsführer der neuen Joint Sky Services GmbH im Firmenbuch stehen. Rechtlich gibt es daran nichts zu beanstanden, das ist alles legal, doch die Optik ist interessant und sorgt für viele Fragen in der Branche. Der Flughafen Wien ist ein Airport, der jährlich etwa 30 Millionen Fluggäste abfertigt. Es gibt auf der ganzen Welt kaum Flughäfen dieser Größenordnung, auf denen die Bodenabfertigung von absoluten Newcomern ohne belegbare Branchenerfahrung durchgeführt wird. Ob die Akteure hinter der Joint Sky Services GmbH möglicherweise unter einem anderen Firmennamen in dieser Branche schon aktiv waren, ist unbekannt. Es geht aus den kostenlose einsehbaren Daten des digitalen Amtsblattes der Republik Österreich leider nicht hervor.

Kurioserweise meldete sich einer der Geschäftsführer von Joint Sky Services GmbH Freitagabend kurz nach Publikation unseres Artikels per E-Mail bei Austrian Wings und beklagte sich darüber, dass er vor Erscheinen unseres Artikels nicht kontaktiert worden sei.

Nun, wenn ein seit gut einem halben Jahr existierendes Unternehmen keinerlei Kontaktdaten veröffentlicht, kann man es leider weder telefonisch noch per E-Mail kontaktieren. Ist eigentlich logisch.

Das geht erst seit heute, denn ganz offensichtlich war unser Bericht Anlass (so vermuten wir jedenfalls) für das Unternehmen, seine Kontaktdaten (E-Mail) endlich der Öffentlichkeit mitzuteilen. Eine Telefonnummer sucht man zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch immer vergeblich. Der Herr Geschäftsführer erbat außerdem eine Änderung unseres Artikels. Diesem Begehr wurde nicht entsprochen, da Austrian Wings seine Berichterstattung nicht auf Zuruf ändert. Ja, im Burgenland gehen die Uhren manchmal anders. Wir erinnern uns an den Druck der seitens eines in der Hierarchie weit oben stehenden Mitarbeiters der burgenländischen SPÖ-Landesregierung auf einen Journalisten ausgeübt wurde, der über den "roten Hubschrauberskandal" berichtete. Aber selbst solcher Druck hat keine Auswirkungen auf korrekten Journalismus, jedenfalls nicht bei Austrian Wings.

Der guten Ordnung halber wird noch einmal ganz klar festgehalten: Es gibt keinerlei Anzeichen, dass bei der Vergabe des Vertrages für die Bodenabfertigung am Flughafen Wien an Joint Sky Services GmbH, etwas rechtlich nicht einwandfrei abgelaufen wäre. Wir behaupten deshalb auch nichts Gegenteiliges und halten fest: Die Vergabe war nach allem was bisher bekannt ist korrekt.

Trotzdem bleiben viele Fragen offen, speziell wie es sein kann, dass sich ein absoluter Newcomer gegen international erfahrene Mitbewerber so einfach durchsetzen konnte. Ein ganzer Fragenkataloig mit der Bitte um Beantwortung erging mittlerweile per E-Mail an die Geschäftsführung von Joint Sky Services GmbH, jetzt wo die E-Mailadresse ja veröffentlicht ist. 

(red)