Österreich

Pressekonferenz Airpower 2016 - „Wir fliegen auf Österreich“

Heer investiert in den kommenden Jahren 250 Millionen Euro in die Luftstreitkräfte
Saab 105-Nachfolger soll kommen
Helikopter werden modernisiert

Am Donnerstag luden die Airpower-Veranstalter zu einer Pressekonferenz ins steirische Zeltweg ein. SP-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil, Flying Bulls Chefpilot Raimund Riedmann, Projektleiter Oberst Peter Schinnerl, Display Director Major Dieter Springer und der steirische Tourismuslandesrat Christian Buchmann erläuterten dabei das Konzept und standen Medienvertretern Rede und Antwort. Für Austrian Wings berichtet Berufsfotografenmeister Peter Hollos.

Pressekonferenz Airpower 2016 Zeltweg Foto Peter Hollos

Podium

Eröffnungsrede des Bundesministers für Landesverteidigung uns Sport, Hans Peter Doskozil: "Die Airpower 2016 ist mit Sicherheit eine der größten Veranstaltungen in Österreich und mit Sicherheit eine der größten Flugshows in Europa. Sie ist nicht nur als Werbeträger für die Region wichtig, sondern auch wesentlich für das österreichische Bundesheer. Wir werden in diesen 2 Tagen in etwa 300.000 Besucher erwarten. Diese Airpower wird von 20 Partnerländern unterstützt, dabei wird es ca. 240 Fluggeräte geben. Dabei wird das Bundesheer versuchen seine Fähigkeiten zu präsentieren, so wird es Beispielsweise einen Alarmstart zweier Eurofighter geben, um eine Hercules abzufangen, mit dem Ziel die Einsatzfähigkeit demonstrieren zu können. Was wollen wir in Zukunft investieren? Wir wollen bis Ende des Jahres neue Mehrzweckhubschrauber ausschreiben, die Nachtflugfähigkeit / den Selbstschutz unserer Hercules Maschinen verbessern und im Bereich der Black Hawk ein neues Avionic-System einrichten. Diese geplanten Investitionen betragen ca. ein Volumen von 250 Mio. Euro. Auch der Ersatz der in die Jahre gekommenen Saab 105 ist bereits ein Thema.

Doskozil sprach auch das Thema Saab-105-Nachfolger an
Doskozil sprach auch das Thema Saab-105-Nachfolger an

Abschließend möchte ich mich bei unseren Projektpartnern dem Land Steiermark und Red Bull bedanken, ohne denen diese Veranstaltung nicht möglich wäre. Ich darf mich auch bei allen Mitarbeitern aus dem militärischem und dem zivilen Bereich bedanken. Last but not least darf ich erwähnen, dass der Schwedische Verteidigungsminister meiner Einladung gefolgt ist, und wir ihn somit herzlich Willkommen heißen dürfen."

Pressekonferenz Airpower 2016 Zeltweg Peter HollosFlying Bulls Hostessen Stewardessen
Pressekonferenz Airpower 2016 Bundesheer Eurofighter Zeltweg Foto Peter Hollos

Flying Bulls Chefpilot fixed Wing Raimund Riedmann

"Wir freuen uns sehr auf diese Veranstaltung. Wir sind derzeit fast jedes Wochenende mit unserer Kunstflugstaffel unterwegs, großteils in Europa und ab und zu auch in Amerika.
Was präsentieren wir? Wir fliegen die große Formation. Das heißt wir nehmen all unsere alten Flieger (aus dem 2ten Weltkrieg) und lassen sie in Formation mit den Alpha-Jets fliegen. Natürlich sind auch die Blanix (2 Segelflieger) und unsere Tragschrauber dabei. Es gibt aber eine Premiere: Red Bull Aces - das Wingsuit-Rennen, zumindest eine Demonstration, denn das Rennen würde zu lange dauern."

Raimund Riedmann (rechts) ist Chefpilot der Flying Bulls
Raimund Riedmann (rechts) ist Chefpilot der Flying Bulls

Projektleiter Oberst Peter Schinnerl

"Unser Motto lautet: Wir fliegen auf Österreich! Das Kernprogramm der Airpower sind natürlich die Flugshows. Wichtig ist uns den Zuschauern das zu zeigen, was sie sonst nicht sehen, was wir leisten im Inland und international. Dabei erfüllt es mich mit Stolz wenn unsere Eurofighter und unsere Black Hawk dabei keinen Vergleich scheuen müssen und unsere Piloten stets eine Topleistung liefern.

Pressekonferenz Airpower 2016 Zeltweg Peter Hollos Schinnerl (rechts)

Wir wollen die Airpower aber auch dafür nutzen, das Interesse an den österreichischen Luftstreitkräften zu wecken, um die jungen Frauen und Männer für unserer Berufe begeistern zu können. So bieten wir z.B. auch einen Simulator an, um das Fliegen ausprobieren zu können. Das Rahmenprogramm sieht vor, jeden Tag ca. 150.000 Besucher zu versorgen, eine Darstellung unserer Leistungen sowie eine Ausstellung der österreichischen Luftfahrtindustrie zu ermöglichen. Organisation und Sicherheit: Seit ca. 1 Jahr arbeiten 50 Personen an der Organisation. Gleichzeitig ist dies das größte Manöver diese Jahres, weil hier verschiedene Bereiche zusammen arbeiten werden. In Bezug auf die Sicherheit ist geplant den Zugang nicht mehr so zuzulassen, wie dies bisher immer geschah. So soll eine lückenlose Kontrolle aller Besucher sichergestellt werden, um unerwünschte Gegenstände wie Waffen, Sprengstoff und sonstige Gerätschaften verhindern zu können. Dazu wird das Jägerbataillion Steiermark unterstützend eingesetzt. Natürlich wird die Flugsicherheit auch sichergestellt."

Display Director Major Dieter Springer

"Aufgrund der vielen Teilnehmer wird das Programm an beiden Tagen etwas unterschiedlichen sein. Die Highlights finden aber jeden Tag statt. Dieser Jahr wird zum ersten Mal die französische Rafale teilnehmen. Die Patrouille de France, die 2013 kurzfristig absagen mussten, wird dieses Jahr ebenfalls teilnehmen. Bei den statischen Displays werden unter anderem Warbirds und Tiger-Lackierungen gezeigt. Ein weiteres Highlight wird sein, anlässlich des letztjährigen 60 Jahre Jubiläums, eine besondere historische Formation in den Himmel zu bekommen - Wir wollen alle Jet-Flugzeuge die jemals in Österreich geflogen sind in der Luft in einer Formation zeigen. Zu guter Letzt hoffen wir auf ein gutes Wetter, damit wir unser geplantes Programm durchziehen können. "

Fragen & Antworten

F: Herr Bundesminister, Sie haben angedeutet dass die Beschaffung der Nachfolger Saab 105 dieses Jahr noch eingeleitet wird. Was ist der Zeitrahmen dafür und ab wann ist es budgetiert?
A: Wir wollen bis Ende des Jahres eine Entscheidung treffen, wie wir vorgehen wollen. Dabei soll die aktive Luftraum-Überwachung gesamtheitlich beurteilt werden. Diese Entscheidung wollen wir im Spätherbst, November bekannt geben.

F: Herr Oberst Schinnerl, es soll zu einem Aufwuchs personeller Natur kommen, auch im Pilotenstand. Im Rahmen der Ausbildung müsste es doch zu erhöhten Luftbewegungen kommen. Wie sieht denn da die Planung aus und ab wann ist damit zu rechnen?
A: Wenn ich Ihre Frage richtig verstanden habe, beziehen sie sich hier auf den Standort Zeltweg. Unmittelbar merkbar ist es aus meiner Sicht nicht. Die Grundausbildung ist natürlich auch der PC7 in der Fliegerschule, aber die Flugbewegung der PC7 sind nicht das maßgebliche wenn es um die Lärmbelästigung geht. Zusätzlich ist der Aufwuchs sehr fließend und wird somit auf das ursprüngliche Ausmaß wieder zurück führen.

Die BO-105 der Flying Bulls bot im Rahmen der Presseveranstaltung eine beeindruckende Kunstflugvorführung
Die BO-105 der Flying Bulls bot im Rahmen der Presseveranstaltung eine beeindruckende Kunstflugvorführung

F: Herr Bundesminister, die Absage der türkischen Staffel tut den Airpower-Fans sehr weh. Die Vermutung liegt nahe, dass es hier diplomatische Verwicklungen im Hintergrund gegeben hat. Gibt es für diese Absage einen genannten Grund?
A: Uns wurden offiziell am 5. August schriftlich mitgeteilt, dass die türkischen Kollegen nicht fliegen werden. Es wurde in der Absage kein Grund genannt. Natürlich kann die diplomatische Verwicklung ein Grund sein, es kann aber auch die allgemeine Lage der Türkei, insbesondere der letzten 3 Wochen, sein. Dies wäre jetzt spekulativ, aber beide Gründe sind möglich. Aber vielleicht ist das in diesem Kontext, in dieser Situation, gar nicht so schlecht wenn die türkischen Kollegen hier im Rahmen der Airpower nicht fliegen.

F: Herr Oberst Schinnerl, wie kann man sich das Ganze mit den Sicherheitsmaßnahmen vorstellen? Der Besucher kommt mit dem Auto an, wird vom Sicherheitspersonal auf. z.B. Sprengstoff untersucht, wie soll sich das vom Zeitmanagement ausgehen?
A: Der wichtigste Teil wird die Informationsbereitstellung sein. Wir werden den Besuchern sagen was sie mitnehmen sollen oder nicht dürfen. So sollen große Rucksäcke z.B. in den Autos bleiben. Vom Zeitaufwand soll jeder Besucher durch eine Vereinzelung gehen. Wir können sicherstellen, dass etwa 30.000 Besucher pro Stunde auf das Veranstaltungsgelände kommen können. Das ist das, was in den letzten Jahren an den Spitzen zusammengebracht haben - daher sollte es zu keinen Wartezeiten kommen. Sollte es zu kurzen Verzögerungen kommen, ersuchen wir die Besucher dies in Kauf zunehmen - Es hat sich schon jeder Besucher verdient auf ein sicheres Gelände zu kommen.

Verteidigungsminister Doskozil genießt als ehemaliger Polizeioffizier mit Führungsqualitäten das Vertrauen seiner Truppe.
Verteidigungsminister Doskozil genießt als ehemaliger Polizeioffizier mit Führungsqualitäten das Vertrauen seiner Truppe. Er gilt zudem als "Macher mit Handschlagqualität".

F: An den Minister und den Landesrat: Wie hoch ist das Budget der Airpower? Wie wird es finanziert und kann man die Wertschöpfung quantifizieren?
A: Das Budget bzw. die Kosten betragen 3,6 Millionen Euro. Diese Kosten werden durch die 3 Partner getragen. Für uns als Ministerium ist es auch so, dass erstmalig durch die neue Budgetsituation der Rückfluss der Kosten ausbleiben kann. Da diese nicht mehr an das Finanzministerium abgeführt werden müssen, sondern für das Bundesheer verwendet werden können. Außerdem ist diese Veranstaltung ein wichtiger Werbeträger wenn es z.B. den Nachwuchs betrifft. Aus dem Land Steiermark werden 1,2 Millionen Euro aus dem Landesbudget beigesteuert. Die Expertise zeigt auf, dass die Region durchschnittlich um 37% mehr Nächtigende aufweisen kann, im Vergleich zu einem Vergleichsmonat in einem Jahr ohne Airpower. Für das Land Steiermark kommt es im selben Zeitraum zu einer Steigerung von 12% bei den Nächtigenden. Die Einkünfte steigen um 24% in der Region, 8% für das Land. Die Nachfrage an Dienstleistungen liegen bei über 13,4 Millionen Euro in der Steuermark und für Österreich bei 19,7 Millionen Euro. Die Wertschöpfung für 1 Euro Kosten beläuft sich für die beiden öffentlichen Partner auf 4,80 Euro.

F: Herr Oberst Schinnerl, wie sieht die Nachwuchssituation aus? Gibt es genug Bewerber? Es sind ja viele in die zivile Luftfahrt abgewandert.
A: Der Nachwuchs; ja wir hatten Probleme junge Österreicher anzusprechen. Diese Probleme konnten wir lösen seit dem wir kommunizieren, dass wir wieder einen Bedarf haben. Jetzt sind junge Leute wieder ansprechbar. Ich sehe der Zukunft positiv entgegen.

Text & Fotos: Peter Hollos
Titelbild: Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil im Black Hawk