Reportagen

Eskil Amdal: Knight of the Starfighter

Eine Gruppe norwegischer Luftfahrtenthusiasten brachte kürzlich - wir berichteten darüber - einen Lockheed F-104 Starfighter zurück in sein luftiges Element. Die F-104 absolvierte ihren Erstflug ursprünglich 1954 und wurde ab 1956 in Serie gebaut. Rasch wurde dieser Typ zum Standardabfangjäger der USA und ihrer (NATO-) Verbündeten. Eigentlich war die "Starfighter" genannte F-104 eine bemannte Rakete mit Stummelflügeln. Dementsprechend stellte das Fliegen der Maschine hohe Anforderungen an die Piloten. Vor allem in der Anfangszeit kam es zu zahlreichen Unfällen, was dem Starfighter den zweifelhaften Ruf als "Witwenmacher" einbrachte, wobei in der Mehrzahl der Fälle der Pilot und nicht die Technik versagt hatte.  Austrian Wings (AW) sprach mit jenem Flugzeugführer, der den ersten Flug eines Starfighters in Norwegen seit 1983 durchführte: Eskil Amdal (EA), 43 Jahre alt

Intervju på norsk

Die von Eskil Amdal pilotierte F-104 - Foto: Starfighter.no via Facebook
Die von Eskil Amdal pilotierte F-104 - Foto: Starfighter.no via Facebook

AW: Herr Amdal, wie kann man sich Ihren fliegerischen Background vorstellen?

EA: Mein Hintergrund ist primär militärischer Natur. Ich begann meine Flugausbildung bei der Norwegian Air Force 1994 und erhielt meine "Wings" auf der Sheppard Air Force Base im Jahr 1996.

AW: Wie ging es nach dieser Grundausbildung weiter?

EA: Ab 1997 flog ich die F-16 und war später zudem als Austauschpilot bei der Royal Air Force in Großbritannien auf dem Tornado F-3.

AW: Soweit wir wissen, sind Sie auch Testpilot?

EA: Das ist korrekt. Ich hatte die Gelegenheit, im Jahr 2008 die US Naval Test Pilot School zu besuchen und arbeite seither als Testpilot für die Norwegian Defence Materiel Agency und bin auch in das Programm zur Einführung der F-35 in die norwegischen Luftstreitkräfte eingebunden.

AW: Ein beeindruckender fliegerischer Lebenslauf, doch wie kommt man von der F-16 beziehungsweise F-35 ins Cockpit der "fliegenden Rakete" namens Starfighter?

EA: Nun, ich bin erst vor fünf oder sechs Jahren auf den Verein der Freunde des Starfighters gestoßen, die ja 13 Jahre lang an der Restaurierung gearbeitet haben.

AW: Aber die F-104 ist doch nicht mit modernen Flugzeugen zu vergleichen, wie kam es, dass Ihnen die Ehre zuteil wurde, als Pilot für dieses seltene Einzelstück ausgewählt zu werden?

EA: Ich habe mich schon immer für historische Flugzeuge interessiert, sowohl für kolbenmotorgetriebene als auch für Jets. Bis heute habe ich rund 90 verschiedene Muster geflogen, von meinen 3.000 Flugstunden entfallen etwa 1.000 auf Maschinen mit Kolbenmotor - darunter auch die legendäre Spitfire (siehe Titelbild dieses Beitrags, Anmerkung der Redaktion) und die P-51 Mustang.

AW: Die F-104 gilt als besonders herausfordernd zu fliegen und als Muster, das kaum Fehler verzeiht. Wie haben Sie sich auf Ihre Aufgabe vorbereitet, gibt es überhaupt noch einen Simulator, auf dem Sie trainieren können?

EA: Nein, Simulator gibt es keinen. Ich habe im Selbststudium die Handbücher der F-104 durchgearbeitet und außerdem mit ehemaligen Piloten gesprochen, um mich auf den Erstflug vorzubereiten.

AW: Aber Sie hatten keine Möglichkeit, zuvor etwa mit einem erfahrenen Piloten auf diesem Typ Einweisungsflüge durchzuführen?

EA: Nein, das nicht. Es gab ja zuvor keine flugtaugliche Maschine. Aber ich habe eine Menge Zeit auf dem Boden im Cockpit verbracht, mich mit den Systemen, Instrumenten und Betriebsverfahren intensiv auseinandergesetzt und gedanklich vertraut gemacht. Beim Erstflug gab es dann im Wesentlichen auch keine allzu großen Überraschungen.

AW: Was bedeutet es für Sie, den legendären Starfighter zu fliegen?

EA: Ich habe immer davon geträumt, diese Ikone der Luftfahrt einmal selbst pilotieren zu dürfen, aber ich hätte nie gedacht, dass dieser Traum einmal wahr werden würde. Es ist eine große Ehre, dir mir zuteilt wurde, und ich bin stolz darauf, dass ich dem Team rund um die LN-STF (Kennzeichen des restaurierten Starfighters, Anmerkung der Redaktion) angehören darf.

AW: Wie geht es jetzt weiter?

EA: Wir haben ein umfangreiches Testprogramm zu fliegen, das wir nächstes Jahr abgeschlossen haben wollen.

AW: Danke für dieses Gespräch und always happy landings!

(red HP / Titelbild: Das aviatische Ausnahmetalent Eskil Amdal im Cockpit einer Spitfire - auch dieses Muster steht in seinem Flugbuch - Foto: ZVG)