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Condor Eigentümer gründet Airline in Estland: Marabu - viele Fragen offen

SYMBOLBILD - Foto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Attestor, Eigner der deutschen Traditions-Airline Condor, hat heute die Gründung eines Flugbetriebs (AOC) in Estland bekannt gegeben. Die neue Firma soll mit sechs Airbus A320-Maschinen Strecken aus Hamburg und München bedienen. Die Vereinigung Cockpit reagiert kritisch und fürchtet, dass dieses Firmenkonstrukt zu Gehalts- und Sozialdumping führen könnte.

VC-Präsident Stefan Herth kommentiert diese Entwicklung kritisch: “Wenn der gleiche Eigentümer mit gleichen Flugzeugen die gleichen Strecken bedient und dabei den Condor-Vertrieb nutzt, werden viele Fragen aufgeworfen. Selbst, wenn die AOC-Gründung durch den Condor-Eigentümer durch die unternehmerische Freiheit gedeckt ist, so müssen wir feststellen, dass solche Konstruktionen geeignet sind, um Druck auf Tarif- und Arbeitsbedingungen auszuüben. In der Regel ist der Zweck einer solchen Unternehmung die Unterwanderung der Arbeitsbedingungen und Sozialstandards. Gerade die Auswahl des Registrierungsortes Estland gibt Anlass zur Sorge. Estland hat sich den letzten Jahren zu einer Art “Panama der Luftfahrt” entwickelt. Als Gewerkschaft kritisieren wir ein solches Vorgehen. Wir werden die weitere Entwicklung genau beobachten. Es darf nicht passieren, dass durch Konkurrenz im eigenen Haus die Arbeitsbedingungen untergraben werden.”

Aus Sicht der Vereinigung Cockpit ist dies ein weiterer Beleg für die Reformbedürftigkeit der Regelungen des europäischen Arbeitsmarktes. Dienstleistungs- und Arbeitnehmerfreizügigkeit werden zunehmend als Instrumente zur Unterwanderung nationaler Sozialstandards missbraucht.

(red / VC)