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737 MAX Absturz: Auch französische Ermittler kritisieren Äthiopien, werfen Piloten Fehler vor

Die Unglücksmaschine: Die Piloten machten zahlreiche Fehler, die von den äthiopischen Behörden im offiziellen Bericht jedoch totgeschwiegen werden - Foto: LLBG Spotter / CC BY SA 2.0

Einen Persilschein haben die äthiopischen Unfallermittler den Piloten jener 737 MAX von Ethiopian Airlines ausgestellt, die am 10. März 2019 abgestürzt war. Doch nicht nur das NTSB, sondern auch die französische Flugunfalluntersuchungsstelle BEA kritisieren den äthiopischen Bericht und werfen den Piloten Fehler vor.

Austrian Wings Leser kennen die Vorgeschichte: Wenige Minuten nach dem Start in Addis Abeba stürzte am 10. März 2019 eine Boeing 737 MAX der Ethiopian Airlines ab. Alle 157 Menschen starben. Rasch war klar, dass das den Piloten unbekannte Flugsteuerungssystem MCAS eine Mitschuld an dem Absturz hatte. Dieser Umstand führte zu einem weltweiten Grounding der 737 MAX. Erst nach umfangreichen Modifikationen durften die Jets wieder abheben.

Und so führen die äthiopischen Ermittler den Absturz in ihrem nun veröffentlichten Abschlussbericht den Absturz auch ausschließlich auf die Fehlfunktion des MCAS zurück.

Kritik kommt vom US-amerikanischen NTSB, das ebenfalls an den Ermittlungen beteiligt war. Dort wirft man den äthiopischen Behörden teilweise "Falschaussagen" vor. Zudem werde die Möglichkeit eines Vogelschlages, durch den der das MCAS mit Daten versorgende Sensor beschädigt worden sein könnte, ausgeschlossen, obwohl der Flughafen Addis Abeba für Vogelschlag-Problematik bekannt sei.

Kritik auch von französischer Seite
Doch das US-amerikanische NTSB ist nicht die einzige Stelle, die den äthiopischen Abschlussbericht rügt. Auch die französische Flugunfalluntersuchungsstelle Bureau d'Enquêtes et d'Analyses, kurz BEA, kritisiert, dass der äthiopische Bericht mangelhaft sei und nennt konkrete Fehler, die die Piloten gemacht hatten, von denen die äthiopischen Ermittler - aus politischen Gründen? - jedoch nichts wissen wollen.

Unter anderem hätten die Piloten nach der Aktivierung des Stickshakers das vorgeschriebene Verfahren nicht befolgt. Dabei handle es sich noch dazu um ein so genannte Memory Items, also Handlungsabläufe, die jeder Pilot auswendig und ohne zusätzliche Konsultation einer Checkliste oder eines Handbuches sprichwörtlich "im Schlaf" beherrschen muss. Auch hätten die Piloten entgegen dem vorgeschriebenen Verfahren die automatische Schubsteuerung nicht deaktiviert, stattdessen habe der Kapitän später sogar darauf bestanden, den Autopiloten zu aktivieren.

Außerdem habe der Kapitän die elektrische Trimmung "nicht in ausreichendem Maße" genutzt, um der Fehlfunktion des automatischen Trimmsystems MCAS entgegenzuwirken. Auch sei es verabsäumt worden, den Schub der Triebwerke bei zunehmender Geschwindigkeit zu reduzieren.

Die französischen Ermittler fordern die äthiopische Flugunfalluntersuchungsstelle dringend auf, den Abschlussbericht um diese Fakten zu ergänzen.

Äthiopien verbreitete nach Absturz im Jahr 2010 Fakenews
Ethiopian Airlines beziehungsweise die äthiopische Flugunfalluntersuchungsbehörde sind schon in der Vergangenheit durch fragwürdiges Handeln aufgefallen. Nach dem Absturz von Ethiopian Airlines Flug 409 vor der Küste von Beirut im Jahr 2010, kamen die libanesischen Unfallermittler in Zusammenarbeit mit den Experten von BEA (Frankreich), Boeing und dem NTSB (beide USA) zu dem Schluss, dass der Absturz aufgrund von Pilotenfehlern, Übermüdung der Crew und schlechtem Crew Ressource Management geschehen sei.

Trotz der vorliegenden Fakten der internationalen Experten, wies Ethiopian Airlines den offiziellen Abschlussbericht "auf das Schärfste" zurück und verbreitete via Presseaussendung die Fakenews, dass es "eindeutige Hinweise darauf gibt, dass das Flugzeug in der Luft durch eine Explosion zerstört wurde, die durch einen Abschuss, Sabotage oder einen Blitzschlag verursacht worden sein könnte". Die Airline berief sich dabei auf Zeugenaussagen.

Doch weder am Wrack noch an den Leichen wurden Spuren von Schäden durch Feuer beziehungsweise Brandverletzungen entdeckt. Ganz allgemein ist bekannt, dass Zeugenaussagen grundsätzlich problematisch sein können. So wollen Zeugen beim Absturz von TWA 800 etwa eine Rakete gesehen haben, die auf die Maschine zugerast sei. Tatsächlich sahen diese Zeugen, die von ihrer Aussage überzeugt waren, lediglich das brennende Hauptteil des Rumpfes, das in den Himmel stieg.

Während Cpt. David Mclaine und sein Erster Offizier, die zum Zeitpunkt der Explosion in einer 737 der Eastwind Airlines ganz in der Nähe von TWA 800 flogen, aussagten, dass die Explosion von innerhalb des Flugzeugs ausgegangen sei, gaben über 200 Zeugen zu Protokoll, sie hätten vor der Explosion „einen Feuerschweif auf TWA 800 zufliegen“ gesehen. Die Aussagen von nicht fachkundigen Augenzeugen sind in Zusammenhang mit Flugunfällen daher zum größten Teil als völlig wertlos zu betrachten.

(red)