Österreich

Tschechische Gemeinde weiht Gedenkstein für deutschmährischen k.u.k. Jagdflieger ein

Fotos von der Gedenkfeier: ZVg Marco Toffol

Über Jahrhunderte lebten die sogenannten Sudetendeutschen als Staatsbürger der österreichisch-ungarischen Monarchie auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Nach dem Zerfall der k.u.k. Monarchie im Jahr 1918 fielen ihre Siedlungsgebiete gegen den Willen der Mehrheit der Deutschmährer und Deutschböhmen an die neugegründete Tschechoslowakei, wo die Menschen deutscher Muttersprache jahrzehntelangen Diskriminierungen durch die die nationalistische von Tschechen dominierte Regierung in Prag ausgesetzt waren. 1945/46 setzte der tschechoslowakische Präsident Edvard Benes dann das um, was er nach eigenen Worten schon 1918 tun wollte, aber nicht konnte: drei Millionen sudetendeutschen Altösterreicher wurden auf Basis der bis heute gültigen! menschenverachtenden Benes-Dekrete entschädigungslos enteignet und vertrieben, zwischen 240.000 und 300.000 starben dabei. In der kleinen südmährischen Gemeinde Millowitz/Milovice wurde jetzt ein ganz besonderes Zeichen der Völkerverständigung gesetzt. Zu verdanken war dies dem unermüdlichen Einsatz des Südtirolers Marco Toffol.

Am Samstag, den 2. September 2023, fand in Milovice/Millowitz, Südmähren, die feierliche Enthüllung einer Gedenktafel zum Gedenken an Fliegerpilot Oberleutnant Hans Folk statt. Die von Marco Toffol gemeinsam mit dem Historische Verein von Primörtal
organisierte Veranstaltung wurde von der mährischen Gemeinde unterstützt, die am Kriegsdenkmal im Stadtzentrum eine Gedenktafel für den Piloten anbringen wollte.

Bereits im Juni 2022 fand eine ähnliche Zeremonie auf dem Feltre-Friedhof statt, der ersten Grabstätte von Oberleutnant Folk, nachdem er 1918 am Himmel über dem Monte Grappa abgeschossen wurde. Die Zeremonie in Milovice hat in der Absicht des Autors
eine doppelte Bedeutung, so Marco Toffol, der Initiator der Gedenktafel: "Sie soll nach mehr als hundert Jahren an die Figur eines Helden der österreichisch-ungarischen Luftwaffe erinnern, der im Alter von nur 27 Jahren starb lange und auch im Nachrkiegs-Österreich in Vergessenheit geraten war. Durch seine Abstammung als Sudetendeutscher eignet er sich hervorragend dafür, eine Brücke des Friedens und der Toleranz zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die das mitteleuropäische Schachbrett, insbesondere in diesen Grenzgebieten, bilden, zu bauen. In diesem Sinne war der Beitrag einiger Körperschaften aus unserem Land, Welschtirol, das ebenfalls an der Grenze liegt und in der Vergangenheit auch durch ethnische Konflikte verwüstet wurde, zu dieser Veranstaltung günstig und nicht zufällig, vor allem der Region Trentino-Südtirol, der Gemeinschaft des Valle di Primiero, der örtlichen APT und der Gemeinde Primiero San Martino di Castrozza. Ein Zeichen des Friedens und der Brüderlichkeit zwischen Völkern, die es trotz der gleichen politischen und historischen Ereignisse geschafft haben, Spaltungen und Missverständnisse zu überwinden und eine Zukunft des Zusammenlebens zu schaffen."

Symbol dieser Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft war die Anwesenheit einer wichtigen Delegation des Schützenbundes Welschtirols unter der Leitung des Kommandanten Major Enzo Cestari und der Landesgruppen Kaiserschützen und Standschützen. Primör war durch seine Musikkappelle vertreten. Die Gastfreundschaft der Gemeinde Milovice übertraf aufgrund der Herzlichkeit und Freundlichkeit, mit der die Teilnehmer empfangen wurden, alle Erwartungen. Unter ihnen war auch eine Delegation des Kulturverband der Südmährer in Österreich, mit der Obmann Dr. Grech, die den Wunsch, in Milovice/Millowitz ihres Landsmanns zu gedenken, besonders schätzten. Eine Erinnerung, die auch durch die Anwesenheit der oberösterreichischen Delegation des
Österreichischen Schwarzen Kreuzes besiegelt wurde. Bürgermeisterin Frau Veronika Blanarova äußerte den Wunsch, dass die zufällige Begegnung zwischen unseren beiden geografischen Realitäten im Namen eines Soldaten, der sie ideal vereinte, nicht auf die
stattgefundene Gedenkfeier beschränkt bleibt, sondern mit anderen Gelegenheiten zur gegenseitigen Kenntnis fortgesetzt werden kann.

Wer mehr über das Thema "Sudetendeutsche Altösterreicher" wissen möchte, dem sei das Buch "Von Reichenberg bis Sydney - Erinnerungen eines Altösterreichers aus Böhmen an Krieg und Frieden" wärmstens empfohlen.

Text: Marco Toffol
Redaktionelle Bearbeitung: CvD