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Vereinigung Cockpit kritisiert drohende Schließung der Ryanair-Station in Berlin

Ryanair steht wieder einmal in der Kritik - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Die Vereinigung Cockpit (VC) kritisiert die angekündigte Schließung der Ryanair-Basis in Berlin scharf. Aus Sicht der Pilotengewerkschaft ist dieser Schritt kein Zufall, sondern fällt in eine Phase zunehmender Spannungen zwischen Unternehmen und Beschäftigten. Für die betroffenen Pilotinnen und Piloten hat die drohende Schließung gravierende Konsequenzen. Rund 100 in Berlin beschäftige Piloten sehen sich mit erheblicher Unsicherheit konfrontiert.

Im April hat der Arbeitgeber die Dienstpläne vom sogenannten 5/4-Rhythmus (fünf Arbeitstage, vier freie Tage) auf ein 5/3-Modell umgestellt – ein erheblicher Einschnitt in Freizeit und Planbarkeit der Piloten. Ein Gerichtsurteil zwang den Arbeitgeber zuletzt, zumindest für Berlin wieder zum 5/4-Modell zurückzukehren. Kurz darauf folgte die Ankündigung, die Station vollständig zu schließen.Es scheint typisch Ryanair zu sein - wenn das Unternehmen mit etwas nicht zufrieden ist, wird sofort gedroht, ein Jobabbau in den Raum gestellt, so jedenfalls empfinden das Betroffene und Beobachter mitunter. Das erlebt derzeit auch Österreich, wo Ryanair eine Abschaffung der Ticketsteuer droht, anderenfalls werde man Arbeitsplätze durch den Abzug weiterer Flugzeuge vernichten. Aus Sicht vieler Menschen kann ein Unternehmen das so agiert, kein seriöser Partner sein.

„Dieser zeitliche Zusammenhang wirft erhebliche Fragen auf“, erklärt VC-Präsident Andreas Pinheiro. „Dass ausgerechnet nach einem arbeitsgerichtlichen Erfolg der Beschäftigten plötzlich wirtschaftliche Gründe für eine Standortschließung angeführt werden, erscheint wenig glaubwürdig. Hier wird gezielt mit der Existenzangst der Beschäftigten gespielt“, so Pinheiro weiter.

Die VC sieht in dem Vorgehen einen strategischen Versuch, Druck auf die Belegschaft auszuüben, damit sie den Zielen des Unternehmens widerstandslos folgt. Gleichzeitig sendet das Unternehmen ein Signal an andere Standorte und Beschäftigte, sich nicht zu organisieren. Denn derzeit verfügt nur die Berliner Station über einen Betriebsrat.

„Selbst für Ryanair ist die Schließung einer Basis dieser Größenordnung ein außergewöhnlicher und gravierender Schritt und aus unserer Sicht kein Zufall, sondern Teil einer klaren Strategie“, betont der VC-Präsident.

Die Gewerkschaft fordert Ryanair auf, die Berliner Station nicht zu schließen und von Maßnahmen abzusehen, die gezielt Unsicherheit unter den Beschäftigten erzeugen. Gleichzeitig ruft die Vereinigung Cockpit (VC) die Politik dazu auf, die Entwicklungen aufmerksam zu beobachten und die Rahmenbedingungen für faire Arbeitsbedingungen im Luftverkehr zu stärken. Insbesondere muss verhindert werden, dass Standorte gezielt geschlossen werden, um Mitbestimmung oder betriebliche Interessenvertretungen zu umgehen.

Gleichzeitig ist jedoch grundsätzlich festzuhalten, dass die Standortkosten in Deutschland vergleichsweise hoch sind und den Standort aus wirtschaftlicher Sicht weniger attraktiv machen. Arbeitgeber versuchen daher zunehmend, diese Kosten über ihre Beschäftigten abzufedern – etwa durch Druck auf Löhne oder Arbeitsbedingungen, was guten Arbeitsbedingungen entgegensteht.

(red CvD / PM VC)