International

Fenster nach Triebwerksschaden gebrochen - Passagier aus Fenster von Ryanair-Jet gesaugt

Eine Boeing 737-800 der Malta Air, lackiert in den Farben von Ryanair, Symbolbild - Foto: www.der-rasende-reporter.info

Ein schwerer potentiell lebensgefährlicher Zwischenfall ereignete sich heute auf dem Ryanair-Flug FR 1879 von Thessaloniki nach Memmingen. Ein Fenster der Passagierkabine brach, ein Passagier wurde zumindest mit dem Kopf aus dem Rumpf gesaugt. Zeugen hielten den 61-Jährigen fest und zogen ihn in die Kabine zurück. Von Ryanair gibt es bisher keine detaillierte Stellungnahme zu dem Unfall.

Um 03:13 Uhr UTC startete die Boeing 737-800, 9H-QEU, als Flug Ryanair 1879 auf dem Flughafen Thessaloniki. Das Ziel der Maschine war das deutsche Memmingen. Das Flugzeug trug zwar die Bemalung der Ryanair, ist aber auf die maltesische Ryanair-Tochter Malta Air registriert. 

Nur acht Minuten nach dem Start brach in einer Höhe von circa 16.000 Fuß (etwa 4.800 Meter) bei einer Geschwindigkeit von circa 300 Knoten (etwa 555 Stundenkilometer) eine Scheibe der Passagierkabine. Der am Fensterplatz befindliche Reisende, ein 61-jähriger serbischer Staatsbürger, wurde mit dem Kopf aus der Kabine gesaugt. Mitreisende hielten den Betroffenen an den Beinen fest und zogen ihn zurück ins Flugzeug. Durch den rapiden Druckverlust lösten auch die Sauerstoffmasken in der Kabine aus.

Die Piloten leiteten sofort einen Sinkflug auf 6.000 Fuß sowie eine Umkehrkurve ein, um nach Thessaloniki zurückzukehren. In niedriger Höhe flog das beschädigte Flugzeug mehrere Warteschleifen, ehe es um um 04:08 Uhr UTC - eine knappe Stunde nach dem Start - wieder in der griechischen Stadt aufsetzte. Der verletzte 61-Jährige wurde noch an Bord vom griechischen Rettungsdienst erstversorgt und anschließend in ein Krankenhaus eingeliefert. Es war noch das sprichwörtliche Glück im Unglück, dass sich dieser Unfall in verhältnismäßig niedriger Flughöhe mit einer eher "geringen" Geschwindigkeit ereignete. Wäre der Passagier auf Reiseflughöhe bei -50 Grad Celsius in sauerstoffarmer Luft bei gut 800 Stundenkilometern aus dem Fenster gesogen worden und/oder mit dem Kopf gegen die Rumpfverkleidung geschlagen, wären wohl schwerste oder gar tödliche Verletzungen die Folge gewesen.

Allerdings wirft das Verhalten der Piloten fragen auf. Mit einem schwer beschädigten Flugzeug (ein Triebwerk offenbar total ausgefallen, der Rumpf beschädigt) und einem verletzten Passagier an Bord wäre laut mehreren Fachleuten eine sofortige Landung geboten gewesen. Zwar kann die Boeing 737 keinen Treibstoff ablassen, jedoch ist sie auch für eine Overweight-Landing zugelassen.

Mehr als fragwürdige Kommunikationspolitik von Ryanair
Ryanair bestätigte grundsätzlich die geplatzte Scheibe, gab aber keine weiteren Informationen preis. Aus Pilotenkreisen war zu vernehmen, dass eines der beiden Triebwerke der Boeing 737 von Ryanair/Malta Air zuvor einen schweren Defekt hatte. Deshalb hätten sich Teile von der Turbine gelöst und das Fenster zum Zerbersten gebracht. Diese Aussagen werden durch bereits in Fachkreisen kursierende Videoaufnahmen gestützt. Ryanair äußerte sich dazu nicht. Diese intransparente unprofessionelle Kommunikationspolitik bei für die Airline unangenehmen Zwischenfällen war nicht zum ersten Mal zu beobachten. Sie scheint Methode zu sein. Als beispielsweise vor vier Jahren (2022) ein Jet der Ryanair-Tochter LaudaMotion/Lauda Europe Teile der Verkleidung verlor, verweigerte Ryanair überhaupt jeden Kommentar.

Text & Foto: Patrick Huber