International

Lufthansa Gruppe meldet trotz hoher Spritkosten operativen Gewinn von 383 Millionen Euro

Foto: www.der-rasende-reporter.info

Lufthansa Group erwartet für das Gesamtjahr 2026 ein Adjusted EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro, geprägt durch die aktuelle Kerosinpreisvolatilität.

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG: „Wir schauen heute auf ein anspruchsvolles zweites Quartal zurück, das erneut von Krisen und geopolitischen Unsicherheiten geprägt war. Trotz unserer nochmals verbesserten Auslastung und deutlich gesteigerten Durchschnittserlösen konnten die signifikant gestiegenen Treibstoffkosten nicht vollständig kompensiert werden. Positiv wirkte insbesondere die global ungebrochene Nachfrage nach Flugreisen - primär in den Premiumklassen. Unsere zahlreichen Investitionen in Premium-Angebote wie Allegris oder Swiss Senses oder das Service Upgrade FOX beginnen sich auszuzahlen. Bei der Kernmarke Lufthansa wirken inzwischen alle drei Elemente des Turnaround-Programms: Die Flotten- und Produkterneuerung macht sichtbare Fortschritte, die Kapazitäten in den hocheffizienten Flugbetrieben Discover Airlines und Lufthansa City Airlines werden kontinuierlich ausgebaut und die Wettbewerbsfähigkeit wird durch zahlreiche Produktivitäts- und Effizienzmaßnahmen verbessert. Parallel hält die positive Entwicklung des Frachtgeschäfts weiter an. Lufthansa Cargo steigerte ihren operativen Gewinn deutlich und erreichte dadurch im zweiten Quartal eine Marge von über 11 Prozent. Auch Lufthansa Technik hat ein solides zweites Quartal abgeliefert und ihren Umsatz um 11 Prozent steigern können. Gerade in einem volatilen Umfeld zeigt sich: Unser Geschäftsmodell ist robust, anpassungsfähig und zunehmend resilient.“

Ergebnis im zweiten Quartal 2026 von hohen Kerosinpreisen geprägt
Die Lufthansa Group hat ihren Umsatz im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro gesteigert (Vorjahr: 10,3 Milliarden Euro). Dabei verzeichnete das Unternehmen einen operativen Gewinn (Adjusted EBIT) von 383 Millionen Euro, eine deutliche Abschwächung im Vergleich zum Vorjahr (Vorjahr: 870 Millionen Euro). Haupttreiber für den Ergebnisrückgang waren Treibstoffkosten, die rund 750 Millionen Euro über Vorjahr lagen, sowie finanzielle Belastungen in Höhe von mindestens 150 Millionen Euro durch Streiks. Demgegenüber standen verbesserte Durchschnittserlöse, die auf den Asien Strecken mehr als 13 Prozent über Vorjahr lagen.

Die Adjusted EBIT-Marge reduziert sich auf 3,4 Prozent (Vorjahr: 8,4 Prozent). Das Konzernergebnis sank unter anderem aufgrund des geringeren operativen Ergebnisses sowie durch Bewertungseffekte und einen einmaligen Steuereffekt im Vorjahr auf 123 Millionen Euro (Vorjahr: 1,0 Milliarden Euro). Der Adjusted Free Cashflow sank auf -365 Millionen Euro (Vorjahr: 138 Millionen Euro).

Netzwerk-Airlines kompensieren Kosten teilweise durch starke Nachfrage
Die Netzwerk-Airlines der Gruppe boten im zweiten Quartal 3 Prozent weniger Kapazität an als im Vergleichsquartal des Vorjahres, wobei der Rückgang vor allem auf sechs Streiktage im April sowie die gruppenweite Optimierung des Kurzstreckenverkehrs inklusive der Herausnahme des CityLine Flugbetriebs aus dem Angebot zurückzuführen ist. Die Auslastung stieg leicht auf 81,6 Prozent und die Stückerlöse stiegen deutlich um 6,4 Prozent gegenüber Vorjahr. Beide Kennzahlen zeugen von einer starken Nachfrage. Diese Nachfragestärke wurde insbesondere durch das Premium-Segment sowie durch Asien Verkehre getrieben.

Aufgrund der durch den Konflikt im Nahen Osten stark gestiegenen Kerosinpreise stiegen die Treibstoffkosten bei den Netzwerk-Airlines um über 600 Millionen Euro gegenüber Vorjahr. Die Stückkosten ohne Treibstoff- und Emissionsaufwendungen stiegen vor allem aufgrund der geringeren Kapazität um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wesentliche Kostentreiber waren höhere Personalaufwendungen und Abschreibungen. Unter Berücksichtigung der Vorjahreskapazität ergibt sich eine Stückkostenentwicklung von nur etwa einem Prozent, was die konsequente Kostendisziplin im Kerngeschäft belegt.

Insgesamt erwirtschafteten die Netzwerk-Airlines ein Adjusted EBIT von 137 Millionen Euro, 490 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Hierin ist auch ein um 108 Millionen Euro niedrigeres Beteiligungsergebnis gegenüber Vorjahr enthalten, das im Wesentlichen auf negative Währungseffekte aus der Bewertung von Leasingverbindlichkeiten bei ITA Airways zurückzuführen ist.

Punkt-zu-Punkt-Airlines verzeichnen starke innereuropäische Nachfrage
Eurowings verringerte ihr Angebot um sechs Prozent gegenüber dem zweiten Quartal des Vorjahres. Die Stückerlöse stiegen um 9,4 Prozent, im Wesentlichen aufgrund eines starken Europageschäfts. Vor dem Hintergrund der Krise im Nahen Osten hat Eurowings Flüge in die zuletzt wachstumsstarke Golfregion vorerst aus dem Programm genommen und fliegt stattdessen zusätzliche Strecken in die Mittelmeerregion.

Die Stückkosten ohne Treibstoff- und Emissionsaufwendungen stiegen um 10,9 Prozent, insbesondere aufgrund der reduzierten Kapazität sowie aufgrund gestiegener Aufwendungen für Flugzeugwartung und höherer Aufwendungen für Gebühren sowie Catering und Personal in Vorbereitung auf die Einflottung der Boeing 737-8 MAX.

Das Beteiligungsergebnis aus dem SunExpress Joint Venture lag insbesondere aufgrund eines herausfordernden Nachfrageumfelds auf Türkei-Strecken 29 Millionen Euro unter Vorjahr.

Insgesamt sank das Adjusted EBIT im Geschäftsfeld Punkt-zu-Punkt-Airlines im zweiten Quartal 2026 um 101 Millionen Euro auf -37 Millionen Euro. Haupttreiber waren auch hier die stark gestiegenen Treibstoffpreise, die einen Kostenanstieg von 71 Millionen Euro gegenüber Vorjahr verursachten.

Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo mit Ergebnisanstiegen
Die Nachfrage nach Wartungs-, Überholungs- und Reparaturleistungen von Lufthansa Technik ist ungebrochen hoch. Die Umsatzerlöse stiegen um 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 2,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,0 Milliarden Euro), wobei die Umsatzerlöse aus dem Geschäft mit externen Kunden sogar um 23 Prozent anstiegen. Das operative Ergebnis (Adjusted EBIT) überstieg mit 157 Millionen Euro leicht das Vorjahresniveau (Vorjahr: 149 Millionen Euro).

Lufthansa Cargo konnte ihr Angebot im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent ausbauen. Dies lag insbesondere an gestiegenen Frachtraum-Kapazitäten, unter anderem durch die Vermarktung der Frachträume von ITA Airways.

Vor dem Hintergrund der Krise im Nahen Osten blieb die Nachfrage im Luftfrachtgeschäft weiter hoch. Folglich stiegen die Durchschnittserlöse erheblich um 27 Prozent gegenüber Vorjahr an. Die Stückkosten lagen über Vorjahr, allerdings bedingt durch weitergereichte Kerosinkosten. Insgesamt erwirtschaftete Lufthansa Cargo ein deutlich verbessertes Adjusted EBIT von 116 Millionen Euro (Vorjahr: 73 Millionen Euro).

Die Bilanz der Lufthansa Group bleibt unverändert stabil
Der operative Cashflow sank im ersten Halbjahr um ca. 600 Millionen Euro auf rund 2,3 Milliarden Euro. Die Veränderung basiert insbesondere auf einem niedrigeren operativen Ergebnis sowie geringeren Ticketvorauszahlungen zum Stichtag Ende Juni aufgrund kürzerer Buchungszyklen im Vergleich zum Vorjahr. Nettoinvestitionen in Höhe von 1,0 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,6 Milliarden Euro) entfielen im Wesentlichen auf Schlusszahlungen für acht Flugzeugauslieferungen sowie Anzahlungen für künftige Flottenzugänge. Der Adjusted Free Cashflow lag im ersten Halbjahr 2026 mit 1,0 Milliarden Euro annähernd auf Vorjahresniveau.

Der Konzern wies auch im zweiten Quartal 2026 eine stabile Bilanz auf. Zum 30. Juni 2026 lag die Netto-Kreditverschuldung inklusive Netto-Pensionsverpflichtungen mit 8,3 Milliarden Euro auf dem Niveau vom Jahresende 2025. Ende Juni 2026 stand dem Unternehmen eine Liquidität in Höhe von insgesamt 10,7 Milliarden Euro zur Verfügung, was ebenfalls dem Stand zum Jahresende 2025 entspricht.

Till Streichert, Finanzvorstand der Deutschen Lufthansa AG:
„Das zweite Quartal war geprägt von außergewöhnlich hohen Treibstoffkosten und erhöhter geopolitischer Unsicherheit. Dennoch konnten wir dank einer robusten Nachfrage, steigender Durchschnittserlöse sowie der starken Entwicklung von Lufthansa Cargo ein positives Ergebnis erzielen. Gleichzeitig bleibt unsere Bilanz mit 10,7 Milliarden Euro Liquidität weiterhin stark. Auch wenn die Unsicherheiten für die zweite Jahreshälfte unverändert hoch bleiben, sind wir überzeugt, dass die konsequente Umsetzung unserer Strategie, Kostendisziplin, Netzwerkoptimierungen und die anhaltend hohe Nachfrage einen wesentlichen Teil des Kostenanstiegs kompensieren werden. Allerdings erschweren die zunehmende Volatilität der Treibstoffpreise in der jüngeren Vergangenheit sowie die erheblich verkürzten Buchungszyklen im Passagier-Airline-Geschäft die Prognosefähigkeit. Aus diesem Grund prognostizieren wir nun für das Gesamtjahr eine Ergebnisbandbreite von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro Adjusted EBIT – das obere Ende dieser Bandbreite repräsentiert somit weiterhin ein Ergebnis deutlich über Vorjahr.“

Ausblick: Ergänzung um Bandbreite aufgrund hoher Kerosinpreis-Volatilität
Die Lufthansa Group erwartet für das Geschäftsjahr 2026 nun ein Adjusted EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro. Das obere Ende der Bandbreite entspricht weiterhin einem Ergebnis deutlich über Vorjahr und liegt damit im Rahmen der bisherigen Ergebnisambition. Die Bandbreite reflektiert die gestiegene Unsicherheit infolge der hohen Kerosinpreisvolatilität sowie der verkürzten Buchungszyklen im Passagiergeschäft. Wesentliche Einflussfaktoren für die weitere Ergebnisentwicklung sind die Entwicklung der Treibstoffkosten, der Stückerlöse, der operativen Stabilität des Flugbetriebs sowie des Luftfrachtgeschäfts. Die Lufthansa Group erwartet für das Gesamtjahr nun eine Kapazität auf Vorjahresniveau. Die Prognose für den Adjusted Free Cashflow von rund 0,9 Milliarden Euro bleibt unverändert.

(red GS / BW / LH)