Österreich

Interview mit dem Präsidenten des Vereins „100 Jahre Flugplatz St.Gallen-Altenrhein“ Raphael Widmer-Kaufmann

Raphael Widmer-Kaufmann

Letztes Wochenende wurde auf dem Flugplatz Altenrhein das 100-jährige Bestehen groß gefeiert. Für Austrian Wings traf Johannes Bauer Raphael Widmer-Kaufmann zum Interview. Er ist der Präsident des Vereins „100 Jahre Flugplatz St.Gallen-Altenrhein“.

Austrian Wings (AW): Herr Widmer-Kaufmann, Sie waren als Präsident des Vereins „100 Jahre Flugplatz St.Gallen-Altenrhein“ verantwortlich für die Planung des Jubiläumsfestes „100 Jahre Flugplatz St.Gallen-Altenrhein“. Wann haben Sie mit den Planungen begonnen und wie stemmt man die Planung eines so großen Festes?

Raphael Widmer-Kaufmann (RWK) Begonnen haben wir mit der Planung vor etwa zwei Jahren. Am Anfang, da stand die Idee. Die Idee zu 100 Jahren Flugplatz St. Gallen-Altenrhein ein Fest zu organisieren, dass erstens natürlich die Geschichte des Flugplatzes St. Gallen/Altenrhein, die letzten 100 Jahre an Pioniergeist und Mut widerspiegelt. Auf der anderen Seite aber auch ein Volksfest, ein Fest für die gesamte Bevölkerung hier in dieser Region rund um den Flugplatz St. Gallen-Altenrhein. Wie erwähnt haben wir vor zwei Jahren begonnen mit der Organisation dieses Festes. Das ist sehr aufwendig. Das sind von vielen Leuten unzählige, abertausende Stunden freiwilliger Arbeit, ohne dem das alles gar nicht möglich wäre. Da gab es ganz viele Aufgaben zu erfüllen. Das beginnt natürlich bei der Flugshow, über die statische Ausstellung, ganz wichtig natürlich auch die Sicherheit, dann aber auch Verkehr und noch vieles mehr.

AW: Wie viele Leute haben hier in etwa mitgearbeitet, um dieses Fest auf die Beine zu stellen?

RWK: Das Kernteam sind rund 20 Personen. Dann gibt es aber auch ein erweitertes Team. Da kommen nochmal rund 15 Personen dazu, die dann Aufgaben wahr genommen haben die an nicht jedem Meeting, das alle 2 Monate stattgefunden hat teilgenommen haben. Dann gibt es noch zusätzlich 300 Helferinnen und Helfer die während des Wochenendes vor Ort waren, um sicherzustellen, dass das Fest reibungslos läuft.

AW: In 100 Jahren Flughafenbetrieb gibt es viele Meilensteine und Herausforderungen. Welche dieser Punkte wollten Sie auf jeden Fall in das Jubiläumsfest mit einbeziehen?

RWK: In diesem Fest wollten wir vor allem die Vielfalt des Flugplatzes St. Gallen-Altenrhein zeigen. Der Flugplatz hier ist ja nicht nur einfach ein Flugplatz mit einer Piste und einem Kontrollturm. Es ist viel mehr. Der Flugplatz St. Gallen-Altenrhein ist ein Werkplatz mit ganz vielen Firmen und Vereinen die hier vor Ort sind. Aviatische Firmen genauso wie zwei Flugschulen, wo junge Leute fliegen, lernen, auch mit beruflicher Motivation. Hier beginnen berufliche Laufbahnen in der Aviatik. Dann haben wir hier auch Zulieferer Betriebe, die vielleicht etwas weiter entfernt etwas mit der Luftfahrt zu tun haben. Die zum Beispiel Möbel für Flugzeuge machen, Polsterungen, Sitzbezüge oder andere Teile für Flugzeuge anfertigen. Also der Flugplatz St. Gallen-Altenrhein ist ein riesiges Cluster an Aviatik Unternehmen, an Vereinen als auch Privatpersonen. Diese Vielfalt, sowohl geschichtlich als auch in der heutigen Form. Die wollen wir darstellen.

AW: Wie spiegelt sich diese Diversität im Programm wider?

RWK: Konkret sieht man das an der Airshow. Gezeigt werden Flugzeuge hier vom Fliegermuseum Altenrhein, das ein fliegendes Museum ist. Diese Flugzeuge, die in diesem Museum stehen fliegen, sind Teil der Airshow. Die haben etwas zu tun mit dem Flugplatz St. Gallen-Altenrhein. Dann sind auch Flugzeuge zu sehen die hier in den FFA, Flugzeug und Fahrzeugwerken Altenrhein, gebaut wurden. Auch ein Highlight ist die De Havilland DH.89 Dragon Rapide die von hier aus in den 30er Jahren für eine regionale Fluglinie kommerzielle Flüge durchgeführt hat. Im Air Display sind viele Flugzeuge zu sehen die etwas mit dem Flughafen St. Gallen-Altenrhein zu tun haben. Auf der anderen Seite haben wir auch noch die statische Ausstellung. Ebenfalls Flugzeuge die ganz konkret zur Geschichte des Flugplatzes St. Gallen-Altenrhein gehören. Nicht zu vergessen auch noch unsere historische Automobilausstellung im FFA-Museum. Dort kann man auch alles über die Geschichte des Flugplatzes St. Gallen-Altenrhein nachlesen und viele spannende Exponate zur Geschichte, auch zum Beispiel zur Dornier Do-X die eng mit dem Beginn des Flugplatzes St. Gallen-Altenrhein verbunden ist, begutachten.

AW: Welche Bedeutung hat der Flugplatz St. Gallen-Altenrhein, nicht nur für die Ostschweiz, sondern auch für die Bodenseeregion?

RWK: Der Flugplatz St. Gallen-Altenrhein steht für die gesamte Region, nicht nur für die Schweiz, sondern auch für Vorarlberg und das Fürstentum Liechtenstein. Der Flugplatz ist ein Werk und Arbeitsplatz. Er verbindet Menschen diesseits und jenseits der Grenze. Sie kommen hierher zum Arbeiten oder zum Fliegen. Vorarlbergerinnen und Vorarlberger die in ihre Hauptstadt fliegen müssen, fahren in die Schweiz und fliegen dann von St. Gallen-Altenrhein nach Wien. Der Flugplatz St. Gallen-Altenrhein ermöglicht nicht nur diese grenzüberschreitende Verbindung. Nein er erzwingt sie, dass man sich hier über die Grenzen hinweg austauscht in den Dialog tritt und gemeinsam Lösungen findet.

AW: Welche Herausforderungen gab es im Laufe der Planungen und der Organisation des Jubiläumsfestes?

RWK: Das Schwierigste, wie man es schon im Vorhinein in den Medien lesen konnte war das die Bewilligungen seitens Österreich relativ spät kamen. Nichtsdestotrotz kamen sie rechtzeitig. Wir haben auch eine sehr erfreuliche Vertretung aus Vorarlberg hier zu unserem Jubiläum. Sobald diese Genehmigungen da waren, konnten wir alles relativ problemlos organisieren. Natürlich wäre es die allererste Veranstaltung ohne Probleme, wenn es nicht ein paar Herausforderungen gegeben hätte. Aber wir sind froh, dass das Fest stattfinden konnte und wie man sieht, haben wir die Herausforderungen gemeistert.

AW: Was sind die Highlights des Jubiläumsfestes „100 Jahre Flugplatz St.Gallen-Altenrhein“?

RWK: Die Highlights sind ganz klar die Patrouille Suisse, sowie die Classic Formation mit Douglas DC-3 und Beechcraft Model 18. Natürlich auch nicht zu vergessen sind die Flying Bulls. Es ist ein Wochenende mit Perlen aus der Luftfahrt und ich bin überzeugt, dass den Besucherinnen und Besucher an diesem Wochenende nicht langweilig war.

Das Interview führte Johannes Bauer. Einen umfassenden Fotobericht über die Jubiläumsveranstaltung lesen Sie in Kürze auf Austrian Wings - Ihrem österreichischen Luftfahrtmagazin.