Zur allgemeinen Situation der (österreichischen) Luftfahrt
Die Luftfahrt sieht sich aufgrund der geopolitischen Verwerfungen im Nahen Osten mit großen Herausforderungen konfrontiert. Die Kerosinpreise haben sich innerhalb kurzer Zeit mehr als verdoppelt. Ein großes Problem für die Fluggesellschaften. Für den Luftfahrtstandort Österreich kommt noch erschwerend hinzu, dass die staatlich induzierten Steuern und Abgaben in Österreich seit 2019 um 85 Prozent und damit weit über der Inflation gestiegen sind, während die Flughafenentgelte lediglich um 22 Prozent erhöht wurden.
Das hat auch Auswirkungen auf den Graz Airport. Viele Fluggesellschaften passen wegen des Kostendrucks ihr Angebot an. Trotz Ausdünnungen und Einstellung von Destinationen konnte der Graz Airport auf vielen Strecken entgegensteuern. Das Passagierergebnis 2026 wird mit voraussichtlich rund 810.000 Fluggästen nur leicht unter dem des Vorjahres liegen.
Um Wachstum zu ermöglichen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken braucht es Rahmenbedingungen, die über die angekündigten Entlastungsmaßnahmen des Verkehrsministeriums (BMIMI) für die Luftfahrt in der Höhe von je € 30 Mio. für 2027 und 2028 hinausgehen. Vor allem braucht es dringend eine Entlastung bei der Flugabgabe, die es in den meisten europäischen Ländern nicht (mehr) gibt.
„Derzeit schreiben nur zwei der sechs österreichischen Verkehrsflughäfen positive Passagierzahlen. Airlines reduzieren ihr Angebot oder wandern ganz ab, was negative Folgen für Wirtschaft und Tourismus hat", erklärt Wolfgang Grimus, Geschäftsführer des Graz Airport. „Wir fordern daher eine Abschaffung oder zumindest deutliche Reduzierung der Flugabgabe, um im internationalen Wettbewerb reüssieren zu können."
Mark Perz, Vorstandsdirektor Holding Graz: „Der Flughafen Graz ist weit mehr als ein Ort des Abflugs und der Ankunft – er ist eine Lebensader für unseren Wirtschaftsstandort, ein Tor zur internationalen Welt und ein wichtiger Impulsgeber für den Tourismus. Unsere Aufgabe ist es, seine Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken, die Anbindung an Schiene und Luftfahrt konsequent weiterzuentwickeln und damit die Zukunft des Standorts Graz und der Steiermark aktiv zu sichern.“
Winterflugplan
Der Winterflugplan 2026/27, der am 25. Oktober startet und bis zum letzten Märzsonntag läuft, zeichnet sich in erster Linie durch Städteflüge sowie Flüge zu mitteleuropäischen Luftdrehkreuzen aus.
Städteflüge und Anbindungen an große Umsteigeflughäfen
Eurowings hebt in die Metropolen Berlin (3x/Woche plus mehrere Einzeltermine) und Hamburg (2x/Woche plus mehrere Einzeltermine) ab. British Airways verbindet Graz 3x/Woche mit London.
Lufthansa und Air Dolomiti fliegen mehrmals täglich nach Frankfurt und München, wobei im Vergleich mit dem letzten Winter die Sitzplatzkapazität durch den Einsatz von größeren Fluggeräten auf vielen Rotationen deutlich ausgebaut wurde. SWISS stockt Graz-Zürich auf sieben wöchentliche Verbindungen auf und hebt somit einmal täglich ab. Somit können Fluggäste des Graz Airport auch im Winter mit nur einmal Umsteigen rund 200 Destinationen erreichen. Mit Sunexpress gibt es Direktflüge nach Antalya, während Corendon Airlines 1x/Woche das beliebte Urlaubsziel Hurghada anbietet.
Sonder- und Einzelflüge
Ende Oktober/Anfang November geht es noch nach Istanbul, Palma de Mallorca und Malta. Am 04.12. hebt Springer Reisen nach Lissabon ab und am 20.03.2027 bietet Gruber Reisen einen Osterflug nach Madrid mit einem interessanten und vielseitigen Kulturprogramm an.
Vorschau auf den Sommer 2027 mit 4 neuen Airlines
Durch die Auflösung der Eurowings-Station am Graz Airport hat es in den letzten Monaten sehr viele Gespräche mit verschiedenen Airlines sowie den Reiseveranstaltern gegeben, um auch im kommenden Sommer ein abwechslungsreiches Ferienflugprogramm anbieten zu können. Inzwischen konnten für die meisten touristischen Strecken neue Airlinepartner gewonnen werden. Eurowings wird – neben den Linienflügen nach Berlin, Düsseldorf und Hamburg auch Palma de Mallorca und Karpathos anbieten. Neu in Graz geht die größte griechischen Fluglinie, Aegean, mit 2x/Woche nach Rhodos an den Start. Für Heraklion konnte neu Freebird Airlines gewonnen werden, die zusätzlich zu Corendon Airlines 1x/Woche nach Heraklion abheben wird. Hurghada wird bis zu 2x/Woche von Air Cairo, der dritten neuen Fluglinie, angeboten. Schließlich fliegt SkyAlps 2x pro Woche die Strecke nach Olbia. Beliebte Strecken wie nach Antalya, Brac, Calvi, Skiathos oder Paros bleiben Teil des Flugplans. Im Segment der Kurzketten bzw. Sonderflüge kristallisieren sich die folgenden Destinationen heraus: Catania, Kos, Malta, Monastir, Montpellier, Neapel und Montenegro.
Der Linienflugplan wird sich aus derzeitiger Sicht nicht ändern und sowohl die Umsteigeflughäfen Düsseldorf, Frankfurt, München und Zürich als auch die Metropolen Berlin, Hamburg und London enthalten. Gespräche mit Pegasus zur Wiederaufnahme der temporär ausgesetzten Istanbul-Flüge laufen.
„Trotz der schwierigen Umfeldsituation ist es uns gelungen, vier neue Airlines vom Standort Graz Airport zu überzeugen, und so weitgehendst die Lücke zu schließen, die durch die Programmreduzierung der Eurowings entstanden ist", berichtet Grimus. Somit wird auch im Sommer 2027 ein Portfolio von rund 30 Destinationen direkt ab Graz erreichbar sein.
Fracht
Die Fracht entwickelt sich mit einem Plus von 9,5 % von Jänner bis September sehr gut. Ein neuer Rekord mit erstmalig über 20.000 Tonnen in einem Jahr scheint 2026 greifbar zu sein. Weiteren Auftrieb erwartet sich der Airport durch die Flugzeugumstellung der Lufthansa auf den Strecken nach Frankfurt und München. Da hier ab Winterflugplan teilweise größere Flugzeuge (Airbus A319/320/321) eingesetzt werden, kann nun auch Fracht befördert werden.
An Werktagen stehen jeweils bis zu zwei tägliche Transportmöglichkeiten zur Verfügung. Das erweiterte Angebot ermöglicht schnellere Laufzeiten, mehr Flexibilität und eine noch bessere Anbindung an das globale Netzwerk von Lufthansa Cargo, speziell für zeitkritische Fracht.
Neue Anbindungen an den Öffentlichen Verkehr
Wie letzte Woche von der ÖBB bekannt gegeben wurde, wird es mit der Fahrplanumstellung im Dezember eine neue tägliche Direktverbindung zwischen Kärnten und Graz Airport (Ankunft 05:15 Uhr) sowie eine vom Graz Airport nach Kärnten (Abfahrt um 23:33) geben.
Weiters bleiben ab Mitte Dezember Züge aus Maribor kommend direkt am Graz Airport stehen. Das betrifft insgesamt über 20 Züge pro Tag, von denen mehr als 10 direkt und damit ohne Umsteigen eine Reisezeit von rund 50 Minuten zwischen Graz und Maribor benötigen.
„Dass wir ab Mitte Dezember, wenn auch nur mit einem Zug pro Tag und Richtung, direkt an Klagenfurt angeschlossen sind, freut uns sehr. Bei der zeitlichen Abstimmung der Züge wäre eine Nachschärfung hilfreich. Ein echter Quantensprung dagegen ist der neue Halt der aus Maribor kommenden Züge direkt am Flughafenbahnhof“, freut sich Jürgen Löschnig, Geschäftsführer des Graz Airport.
Flughafen abseits des Fluggeschäfts
Wichtige Schritte bei der CO2-Reduzierung
Aufgrund des flächendeckenden Einsatzes von HVO 100 hat der Graz Airport seinen durch Fahrzeuge und Vorfeldgeräte bedingten CO2-Ausstoß in den letzten Jahren vermindern können. Trotzdem wird bei notwendigen Neuanschaffungen, wo es möglich und sinnvoll ist, auf elektrische Varianten zurückgegriffen. So wurden auch in diesem Jahr diverse dieselbetriebene durch Elektrofahrzeuge ersetzt:
- Zwei mobile Bodenstromgeräte. Sie werden an einer neu installierten Ladesäule geladen, die tagsüber von der PV-Anlage auf dem Parkhaus versorgt wird. Vier weitere elektrische Bodenstromgeräte werden in den kommenden zwei Jahren folgen.
- Zwei Gepäckförderbänder mit einem erweiterten Rollband, wodurch die Mitarbeiter in ihrer Arbeit ergonomisch entlastet werden.
- Zwei Passagiertreppen, die sich durch eine integrierte PV-Anlage weitgehend selbst laden.
- Ein Auto für den Vorfeldkoordinator, zwei Fahrzeuge für die Reinigung, ein Follow-Me Bus sowie ein Trinkwasserwagen ersetzen ebenfalls alte Dieselgeräte.
Viele der Altfahrzeuge konnten im Rahmen einer Auktion im August dieses Jahres der Wiederverwertung zugeführt werden.
In diesem Jahr erhält der Graz Airport seine siebenundzwanzigste Ökoprofit-Auszeichnung.
Bauliche Anpassungen
Anfang des Jahres wurden aufgrund von Platzmangel und nach baulichen Veränderungen das Notfallinformationszentrum und der Sammelraum Führungsstab in die Feuerwehr verlegt und durch die Notfallübung im Sommer dieses Jahres einer ersten Prüfung unterzogen.
- Mit der Inbetriebnahme des Entry/Exit Systems (EES) im Herbst 2025 an den Schengen-Grenzkontrollstellen ergab sich die Notwendigkeit die Infrastruktur für ankommende Non-Schengen Passagiere am Graz Airport anzupassen. Daher werden aktuell die Flächen für den Grenzkontrollprozess deutlich vergrößert. Somit stehen künftig mehr Anstellflächen vor den Grenzkontrollstellen zur Verfügung, ein flexibles Passagierleitsystem wird installiert und es werden neue WC-Anlagen für ankommende Passagiere errichtet.
Flughafen als Veranstaltungszentrum
Auch in diesem Jahr war der Graz Airport Austragungsort vieler verschiedener Veranstaltungen. Neben zahlreichen Seminaren, Tagungen und Meetings sind hervorzuheben:
- Gruber ReiseZeit: Für die größte Reisemesse im Südosten Österreichs ist eine Wiederauflage am 09.01.2027 geplant.
- Bei einem großen Firmenevent in der Gerätehalle konnte Porsche rund 300 geladenen Gäste begrüßen.
- 800 Beinpaare haben ein Startgeld von € 20.000.- für die Stiftung Kindertraum erlaufen. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Eine Wiederauflage der beliebten Sportveranstaltung im Sommer 2027 ist geplant.
- Auch die Bildungs- und Berufsmesse im Februar 2026 hat bereits zum wiederholten Male stattgefunden.
- Wieder aufgenommen wurden Clubbings im Restaurant Globetrotter. Aufgrund des Erfolgs ist bereits eine Neuauflage im kommenden Jahr geplant.
„Der Graz Airport ist seit vielen Jahren sehr aktiv darin, Geschäftsmodelle abseits des Aviation-Bereichs auszubauen. Unser Veranstaltungszentrum mit rund 300 Messen, Tagungen, Meetings etc. hat sich besonders gut etabliert“, informiert Löschnig.
(red GRZ)