Nur sieben der 27 EU-Staaten erheben eine nationale Flugabgabe. Weil auch die Schweiz keine solche Abgabe erhebt, ist Deutschland der einzige Nachbarstaat Österreichs mit einer vergleichbaren Luftverkehrsteuer. Das bedeutet einen erheblichen Wettbewerbsnachteil für den Luftfahrtstandort Österreich, der zunehmend spürbar wird.
Das ist auch belegbar: Während der Flughafen Wien von Jänner bis September 4,5 Prozent seiner Passagiere verlor, hat der Flughafen Bratislava sein Passagieraufkommen im selben Zeitraum mehr als verdoppelt. Die nationale Flugabgabe begünstigt also die Abwanderung von Flugverbindungen und Passagieren ins benachbarte Ausland – mit negativen Folgen für Wertschöpfung, Beschäftigung und Konnektivität. Betroffen sind nicht nur Wien, sondern auch die regionalen Flughäfen. Auch aus Klimasicht bringt diese Verlagerung keinen Vorteil. Im Gegenteil: Zusätzliche Anreisewege und Umwegverbindungen verursachen mehr Emissionen als direkte Verbindungen.
„Unsere regionale Wirtschaft braucht internationale Konnektivität. Direkte Flugverbindungen sind entscheidend für Investitionen, Tourismus und hochwertige Arbeitsplätze. Fluggesellschaften setzen ihre knappen Flugzeugkapazitäten nachvollziehbar dort ein, wo die Standortbedingungen attraktiv sind. Österreich darf sich hier nicht selbst benachteiligen“, betont Robert Machtlinger, CEO der FACC AG und Präsident der Aviation Industry Austria – Dachverband Luftfahrt.
Nach Berechnungen auf Basis der erwartbaren Marktentwicklung könnten ohne Flugabgabe jährlich rund 2,5 Millionen zusätzliche Passagiere in Österreich abgefertigt werden. Nach der Berechnungssystematik einer Economica-Studie würde das rund 188 Millionen Euro zusätzliche Wertschöpfung, etwa 2.500 Arbeitsplätze und unter Einrechnung touristischer Effekte rund 210 Millionen Euro an zusätzlichen fiskalischen Effekten bedeuten. Dem stehen derzeit Einnahmen aus der Flugabgabe von rund 160 bis 180 Millionen Euro gegenüber, die bei einer vorhersehbaren weiteren Abwanderung von Flugverbindungen und Passagieren ebenfalls sinken werden.„Die Abschaffung der Flugabgabe könnte ein gutes Geschäft für den Finanzminister sein. Statt eines Steuerausfalls könnten unter dem Strich sogar zusätzliche Budgeteinnahmen entstehen. Gleichzeitig würden tausende Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen. Die Abschaffung wäre damit nicht nur wirtschafts- und beschäftigungspolitisch sinnvoll, sondern könnte sich auch fiskalisch rechnen“, erklärt Peter Malanik, Geschäftsführer der Aviation Industry Austria – Dachverband Luftfahrt.
Die Aviation Industry Austria begrüßt die geplante Entlastung um 30 Millionen Euro als ersten Schritt, fordert jedoch die vollständige Abschaffung oder zumindest eine deutliche Reduktion der nationalen Flugabgabe. Österreich braucht faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber seinen Nachbarstaaten und eine starke internationale Anbindung.
(red / AI)