Österreich

PRESSEKONFERENZ Niki Lauda verkauft 25,9 % der NIKI Anteile an Air Berlin

Letze Aktualisierung: 18. Februar 2010 / 11:45 Uhr

NIKI steigert Umsatz und Gewinn
Plus bei den Passagierzahlen
Air Berlin erhöht Anteil auf 49,9 Prozent
Keine Langstrecken geplant

Ein sichtlich gut gelaunter Niki Lauda präsentierte die Bilanz für 2009 - Foto: Gerald Aigner

Auf seiner heutigen Bilanzpressekonferenz beendete Niki Lauda die Spekulationen rund um einen möglichen Verkauf seiner Fluglinie an Air Berlin und präsentierte Informationen und Fakten.

Bilanzpräsentationen

Lauda gab die „beste je geschriebene Bilanz“ bekannt. Im Jahr 2009 beförderte NIKI demzufolge rund 2,6 Millionen Passagiere (+ 19 Prozent) und erwirtschaftete bei einem Umsatz von 260 Millionen Euro (+ 17 Prozent) einen Gewinn vor Steuern (EBIT) von 23,1 Millionen Euro (+ 71 Prozent). Abzüglich Steuern betrug der Reingewinn für 2009 knapp 12,4 Millionen Euro, ein Plus von 76 Prozent gegenüber 2008.

Air Berlin erhöht Anteil auf 49,9 Prozent

Wie bereits gestern von Air Berlin in einer Presseaussendung mitgeteilt, wird diese für 21 Millionen Euro weitere 25,9 Prozent von NIKI übernehmen und ihren Anteil damit von 24 auf 49,9 Prozent aufstocken. Mit 50,1 Prozent bleibt Lauda allerdings Mehrheitseigentümer und legt großen Wert darauf, weiterhin „der Chef“ bei NIKI zu sein.

Zusätzlich gewährt Air Berlin NIKI ein Darlehen in Höhe von 40 Millionen Euro auf drei Jahre. Besichert ist dieses durch jene 50,1 Prozent NIKI-Anteile, die sich noch im Eigentum von Niki Lauda befinden.

Eine Totalübernahme von NIKI durch Air Berlin nach Ablauf dieser drei Jahre schloss Lauda kategorisch aus; man habe derzeit 50 Millionen Euro auf dem Konto, und im Winter seien die finanziellen Reserven „immer tendenziell weniger“, so Lauda. Im Sommer könne man sogar von Barreserven in der Höhe von etwa „80 bis 90 Millionen Euro“ ausgehen.

Die Aufstockung der Anteile an seiner Fluglinie durch Air Berlin erklärte Lauda damit, dass in den vergangenen 5 Jahren eine Konkurrenzsituation zwischen NIKI und Air Berlin entstanden sei. Diese habe durch die stetige Expansion seiner Fluglinie und deren Souveränität nicht abgenommen. Deshalb habe man eine Plus/Minus Analyse durchgeführt und sei zu dem Schluss gekommen, die Anteilsverhältnisse zu ändern, um die „internen Querelen auszuradieren“.

Intensivere Zusammenarbeit zwischen NIKI und Air Berlin

Nun sei man in Wien „50:50“ aufgestellt, so Lauda. Auch künftig werde NIKI kräftig in das Low Cost Segment investieren und den Marktplatz Wien noch „besser bearbeiten“. Sein Ziel sei es, die Ganztagsauslastung der Flieger zu verbessern - mehr Flüge zu mehr Destinationen und damit günstigere Tarife, laute die Devise. Bereits jetzt liege der Durchschnittspreis pro Ticket bei 105 Euro auf NIKI-Flügen.

„Ich möchte die Drehscheibe Wien ausbauen“, sagte Lauda wörtlich. Bereits am 26. März 2010 werden Barcelona, Nizza und Kopenhagen in das Streckennetz aufgenommen.

Die neuen Anteilsverhältnisse und die damit einhergehende verbesserte Zusammenarbeit werden Air Berlin in Wien ganz konkrete Einsparungen bringen; derzeit parkt die deutsche Fluglinie 3 Maschinen regelmäßig über Nacht, so genannte Nightstops, rotationsbedingt am Flughafen Schwechat, wodurch der Airline  jährliche Kosten entstehen, die Lauda mit 1 Million Euro pro Maschine beziffert.

Durch den Einsatz von NIKI-Flugzeugen, die ihre Homebase ohnedies in Wien haben, anstelle von Air Berlin Maschinen auf solchen Rotationen, sollen hier künftig Einsparungen erzielt werden.

Verkehrsrechte nach Russland

Hart ging Lauda mit dem Verkehrsministerium bzgl. der Streckenrechte nach Russland ins Gericht - Foto: Gerald Aigner

Lauda ging erwartungsgemäß auf das leidige Thema der Verkehrsrechte nach Russland ein und kritisierte sowohl die AUA als auch die österreichischen Behörden scharf. Angeblich werde es am 25. Februar eine Eingabe geben, für welche das Außenamt beim Völkerrechtsbüro um Unterstützung der Stellungnahme des BMfViT ersucht habe, wonach die AUA nach wie vor eine österreichische Fluglinie sei.

In Russland wäre man bereits jetzt „stinksauer“, so Lauda. Er selbst habe - nach eigenen Angaben - bei Verkehrsministerin Doris Bures vorgesprochen, um einen „vernünftigen Kompromiss“ zwischen AUA und NIKI betreffend die Verkehrsrechte nach Russland zu erreichen. Doch laut Lauda beansprucht die AUA diese nach wie vor für sich alleine.

Keine Langstreckenflüge

Vermehrt tauchten in diversen Internetforen und Medien in letzter Zeit Gerüchte rund um das Thema „Langstrecke“ auf. Niki Lauda erteilte diesen eine klare Absage: „Schuster, bleib bei deinem Leisten.“ Die Aufnahme von Langstreckenflügen sei für ihn „kein Thema“.

Passagierservice bei NIKI

Wenig überraschend war auch der Seitenhieb auf Konkurrent AUA in Sachen Bordverpflegung - bei NIKI gebe es eine „umfassende Do & Co Verpflegung umsonst“, was zur Kundenbindung beitrage, während die Konkurrenz auf Soletti und ähnliche Knabbereien setze.

Zukunftsaussichten

Sowohl für das laufende als auch für die kommenden Jahre setzt Lauda auf Wachstum. Zur derzeit 11 eigene Flugzeuge umfassenden Flotte ((plus 1 von Air Berlin angemieteter A 320) werden dieses Jahr noch drei weitere Maschinen stoßen. Bis 2014 soll die NIKI-Flotte auf 27 Flugzeuge der Typen A 319/320/321 und Embraer 190 anwachsen.

Sobald das neue Terminal Skylink am Flughafen Wien fertiggestellt sei, werde darüber hinaus der Pier West exklusiv für NIKI und Air Berlin zur Verfügung stehen. Eine entsprechende Zusage des Flughafens habe er bereits erhalten, sagte Lauda abschließend.

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Links:

NIKI

Air Berlin

Air Berlin Präsentation zur Anteilsaufstockung (PDF, 2,59MB)

Text & Fotos: Gerald Aigner