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Austro Control: Die österreichische Flugsicherung, Teil I

Der über 100 Meter hohe Tower am Flughafen Wien, den wohl jeder Passagier kennt - Foto: P. Radosta / Austrian Wings

JETZT ONLINE: Austro Control: Die österreichische Flugsicherung, Teil II

Traumjob Flugverkehrsleiter

Täglich starten und landen in Österreich hunderte Verkehrsflugzeuge, überqueren unser Land hunderte Charter- und Linienmaschinen. Damit die Reisenden sicher an ihr Ziel kommen, müssen diese Flugbewegungen professionell koordiniert werden. In Österreich übernehmen die Flugverkehrsleiter der Austro Control diese verantwortungsvolle Aufgabe. Doch was genau ist die Austro Control? Und was tun Fluglotsen eigentlich? Wie wird man "Air Traffic Controller", wie es in der Fachsprache heißt? - Austrian Wings hat für Sie hinter die Kulissen geblickt. Eine Foto- und Videoreportage in zwei Teilen.

 

Die Austro Control nimmt in Österreich mehrere Aufgaben war - zum einen ist sie für administrative Tätigkeiten, wie etwa das Führen des Luftfahrzeugregisters, die Ausstellung und Überprüfung von Fluglizenzen oder die Vergabe von Registrierungen für Flugzeuge verantwortlich, zum anderen - und das ist jener Teil, der in dieser Reportage behandelt wird - übernimmt das Unternehmen die Verantwortung für die Flugsicherung des heimischen Luftraumes.

Die große Austrian Wings Reportage - Teil 1

Luftraumüberwachung bedeutet unter anderem, dass die Mitarbeiter der Austro Control täglich sämtliche Starts und Landungen auf den Verkehrsflughäfen Wien, Graz, Linz, Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck koordinieren.

Dazu kommt die Überwachung und Koordination aller Luftfahrzeuge, die Österreich im Reiseflug überqueren.

Das Herzstück der österreichischen Flugsicherung, die Austro Control im 3. Wiener Gemeindebezirk - Foto: G. Aigner / Austrian Wings

Im Jahr 2009 gab es mehr als 1 Million Flugbewegungen

Und die Zahl der Flugbewegungen steigt jährlich: waren es im Jahr 1999 noch 728.524, wurden im Jahr 2009 bereits 1.102.287 Starts, Landungen und Überflüge gezählt, die es sicher im heimischen Luftraum zu koordinieren galt.

Die Entwicklung der Flugbewegungen von 1999 bis 2009 - Grafik: Austro Control

Rein statisch waren dies mehr als 3.000 tägliche Flugbewegungen im vergangenen Jahr. An einzelnen Spitzentagen werden sogar bis zu 4.000 Luftfahrzeuge durch die Austro Control betreut.

Die Gliederung des österreichischen Luftraumes - Grafik: Austro Control

Dies alles ist die Aufgabe der Flugverkehrsleiter, im Fachjargon auch "Air Traffic Controller" genannt. Österreichweit gibt es derzeit etwa 350 dieser Fluglotsen. Der Großteil davon, nämlich rund 200, werden in Wien in den Bereichen "Tower", "Approach" und "Area Control Center" eingesetzt.

Die Luftraumstruktur über Österreich - Grafik: Austro Control

Die Ausbildung zum Flugverkehrsleiter

Wie aber wird man Fluglotse? - Grundvoraussetzungen sind die Matura, bei männlichen Bewerbern abgeleisteter Präsenz- oder Zivildienst, gute Englischkenntnisse, ein sehr gutes Sehvermögen und die EU-Staatsbürgerschaft. Zu Ausbildungsbeginn sollten Bewerber idealerweise nicht älter als 25 Jahre sein. Übrigens, weibliche Anwärter sind ausdrücklich erwünscht und gerne gesehen.

Flugverkehrskontrolle in den 1960er und 70er Jahren - Foto: Austro Control

Bewerber müssen zudem über Entscheidungskompetenz und Schnelligkeit, gutes räumliches Vorstellungsvermögen sowie über Simultankapazität verfügen.

Erfüllt man die Grundvoraussetzungen, steht einer Bewerbung grundsätzlich nichts mehr im Wege und der Anwärter erhält von der Austro Control eine Einladung zum ersten Teil eines anspruchsvollen Selektionsverfahrens.

In der so genannten "Vorselektion", die rund 9 Stunden dauert, werden die Bewerber mit einem standardisierten Eignungstest der Eurocontrol auf ihre grundsätzliche Eignung für den Beruf getestet. Diese Testreihe umfasst die Bereiche Arbeitshaltung, Gestaltwahrnehmung und schließt mit einem Feedback sowie einem persönlichen Interview ab.

Die Zeiten, in denen Fluglotsen ausschließlich Männer waren, sind vorbei; längst beweisen sich auch Damen in diesem Berufsfeld - Foto: P. Radosta / Austrian Wings

Hat der Bewerber diese Hürde genommen - etwa 55 Prozent aller Kandidaten scheitern bereits hier - erfolgt die Einladung zur rund sieben Stunden umfassenden "Hauptselektion" im Kuratorium für Verkehrssicherheit, wo es Eignungstests im Leistungs- und Persönlichkeitsbereich zu bestehen gilt. Zusätzlich erfolgt ein psychologisches Gespräch.

Diejenigen, welche die Hauptselektion positiv absolviert haben, müssen sich einer flugmedizinischen Untersuchung unterziehen, denn nicht nur Piloten, sondern auch Fluglotsen müssen über einen einwandfreien gesundheitlichen Zustand verfügen.

Nach Abschluss der medizinischen Untersuchung werden die Damen und Herren zu einem abschließenden "Assessment Day" zur Austro Control in die Schnirchgasse eingeladen. Hier werden rund acht Stunden lang in Gruppen- und Einzelübungen die sozialen und persönlichen Fähigkeiten der einzelnen Bewerber getestet.

Anspruchsvolle Ausbildung

Peter Schmidt, Sprecher von Austro Control: "Um 40 geeignete Trainees zu finden, benötigen wir etwa 700 bis 800 Bewerber."

Die Drop Out Rate ist hoch, die Ausbildung äußerst anspruchsvoll - Foto: G. Aigner / Austrian Wings

Diese auf den ersten Blick hohe Drop Out Rate ist allerdings notwendig, um der enormen Verantwortung, die Fluglotsen tragen, gerecht zu werden.

Für Trainees beginnt nun die zirka dreijährige, intensive Ausbildung zum Fluglotsen, die unter anderem 200 Stunden in einem der modernsten Towersimulatoren Europas umfasst.

Die Austro Control betreibt einen der modernsten Towersimulatoren Europas für die Ausbildung - Foto: G. Aigner / Austrian Wings

Während des Trainings werden die die angehenden Fluglotsen ganz bewusst an ihre Grenzen herangeführt und auch bewusst überlastet, wie Alexander Schiemer von Austro Control erklärt:

"Wir be- und überlasten die Mitarbeiter im Rahmen der Ausbildung ganz bewusst, um die anschließende Schulung am richtigen Arbeitsplatz so sicher wie möglich zu gestalten."

Hier haben die angehenden Flugverkehrsleiter die Möglichkeit, Gefahrensituationen und Notfälle zu trainieren - Foto: G. Aigner / Austrian Wings

So müssen selbstverständlich auch Notfälle, wie der Ausfall des Instrumentenlandesystems oder der Radaranlage, sicher beherrscht werden.

Von einem Nebenraum aus, steuern Instruktoren die virtuellen Flugbewegungen - Foto: G. Aigner / Austrian Wings

Gute Verdienstmöglichkeiten

Während der Ausbildung erhalten die angehenden Flugverkehrsleiter eine Vergütung von zirka 1.100 Euro netto im Monat, nach erfolgreich absolvierter Abschlussprüfung liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 4.500 Euro monatlich, exklusive Zulagen.

Wer sich persönlich ausführlich über die Ausbildung zum Flugverkehrsleiter informieren möchte, der hat dazu am 2. Oktober 2010 Gelegenheit. Die Austro Control veranstaltet eine so genannte "Infonight", bei der interessierte Damen und Herren nicht nur die Einrichtungen besichtigen können, sondern auch die Möglichkeit haben, mit aktiven Fluglotsen zu sprechen.

Grafik: Austro Control

 

Wie die tägliche Arbeit der Flugverkehrsleiter an den verschiedenen Einsatzorten "ACC", "Approach" und "Tower" in der täglichen Praxis aussieht, erfahren Sie im zweiten Teil unserer Reportage „Austro Control - Die österreichische Flugsicherung" ab 22. September, nur hier bei Austrian Wings.

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Links:

Austrocontrol

Text: P. Radosta, G. Aigner
Fotos: P. Radosta, G. Aigner
Video: M. Klein, G. Aigner