Punktlandung

"Käpt'n? An Käpt'n gibt's am Schiff!"

ÖAMTC-Notarzthubschrauber "Christophorus 9" im Einsatz - Symbolfoto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Diese Feststellung war selbst unserem Luftfahrtfotografen neu - doch der Herr Inspektor von der Wiener Polizei muss es schließlich wissen, oder ...?

Nach viel Regenwetter war es endlich einer der ersten, frühsommerlichen Tage, und unser Kollege befand sich auf dem Weg zum Lebensmitteleinkauf. So weit, so unspektakulär, so alltäglich und so gar nicht luftfahrtspezifisch. Bis plötzlich das Knattern eines ÖAMTC-Notarzthelikopters die Ruhe durchbrach. Und Sekunden später setzte "Christophorus 9" in unmittelbarer Nähe auf, um – wie sich erst wesentlich später herausstellen sollte – einer verunglückten Motorradfahrerin zu Hilfe zu eilen.

Berichterstattung über die Tätigkeit der Flugrettung, hier ein Einsatz aus dem vergangenen Jahr, gehört zur täglichen Medienarbeit – nicht nur für Austrian Wings als Luftfahrtmagazin, sondern selbstverständlich auch zahlreiche andere Redaktionen. - Symbolfoto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Als langjähriger und bewährter Medienpartner der ÖAMTC-Flugrettung, Gastautor in deren "Christophorus"-Magazin und selbst auf unzählige Stunden an eigener Einsatzerfahrung als Sanitäter blickend, griff unser Fotograf auch diesmal zur Kamera.

"Gut zwei- bis dreihundert Meter vom Notfallort entfernt, den ich von meiner Position nicht einmal einsehen konnte, und etwa fünfzig Meter neben dem zu dem Zeitpunkt bereits gelandeten und gesicherten Helikopter", wie er gegenüber unserer Chefredaktion ausführt – um C9 professionell abzulichten; nicht nur für das Austrian Wings Fotoarchiv, sondern auch die ÖAMTC-Flugrettung selbst, der derartige Aufnahmen im Anschluss gerne kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. "Denn dass Österreich über ein so flächendeckendes und funktionierendes Flugrettungsnetzwerk verfügt, ist nicht selbstverständlich, vergleicht man die Situation mit anderen Ländern", weiß der Austrian Wings Luftfahrtfotograf über den Stellenwert entsprechender Medienarbeit Bescheid.

Nur wenige Fotoauslösungen später trat ein Polizist auf den Plan, der in barsch-herablassendem und völlig deplaziertem Tonfall unseren Kollegen im Wiener Dialekt anherrschte: "Aufhör'n! Fotografieren is' verboten!" Die höfliche Entgegnung, dass es sich um journalistische Tätigkeit auf öffentlicher Fläche und weitab der (auch sichttechnisch abgeschirmten) Einsatzstelle selbst handelte, quittierte der Inspektor nunmehr mit einer harschen Aufforderung zur Vorlage von Presse- und Personalausweis: "Damit ma amoi schau'n, ob du überhaupt a Österreicher bist!", so die "Erklärung" gegenüber dem Berufsfotografen, welcher seinerseits weiterhin höflich, gleichwohl mit Nachdruck, den Polizisten ersuchte, sich zu beruhigen und erneut seine Funktion und Tätigkeit zu erläutern versuchte: "Bitte kontaktieren Sie gerne Captain Holzinger, den Piloten vom Hubschrauber. Wir kennen einander seit gut zehn Jahren und er wird Ihnen gerne bestätigen,..." – weiter kam er nicht, denn der Polizist fiel ihm, weiterhin duzend, rabiat ins Wort: "Käpt'n? Käpt'n? Wos für a Käpt'n? An Käpt'n gibt's auf'm Schiff, du Lustiger!"

Die anhaltende Unprofessionalität, Unhöflichkeit und vor allem auch Überschreitung der Befugnisse seitens des Beamten – die Identitätsfeststellung ist nach dem Sicherheitspolizeigesetz im vorliegenden Fall weder gerechtfertigt noch nachvollziehbar, wurde vom Beamten auch trotz Aufforderung hierzu nicht sachlich begründet – bat der Fotograf den Polizisten schließlich um dessen Dienstnummer. Diese wurde unwirsch ausgehändigt, garniert mit der Feststellung, dass unser Fotograf "die Rechnung für sein Verhalten kriegen" werde, und sich "nie wieder blicken lassen" solle (angesichts des öffentlichen Ortes ein durchwegs schwierig umzusetzender Wunsch seitens des heillos überfordert und aggressiv wirkenden Polizisten ...).

Bei den meisten Einsätzen, wie etwa auch hier 2018 in Wien, funktioniert die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch zwischen Journalisten und Beamten reibungslos – leider nicht so im jüngsten Fall. - Symbolfoto: Huber / Austrian Wings Media Crew

Eine Maßnahmenbeschwerde gegen den Exekutivbeamten wurde bereits eingebracht. "Ein stressiges Einsatzumfeld kann kaum als 'Entschuldigung' für ein solch unprofessionelles Verhalten des Polizisten herhalten", bilanziert unser Kollege. "Es waren zahlreiche Polizeikräfte vor Ort, und der betreffende Beamte hatte offensichtlich auch ausreichend Zeit, in aller Ruhe zu mir zu spazieren, um mich anschließend derart zu 'beamtshandeln'."

Auch wir als Medienschaffende sind froh darüber, dass kürzlich eine Regelung, landläufig als "Gafferparagraph" bekannt, geschaffen wurde, die es ermöglicht, Schaulustige an einer Einsatzstelle, die eine laufende Hilfeleistung behindern oder Persönlichkeitsrechte von Patienten verletzen, entsprechend wegzuweisen respektive zu bestrafen.

Doch gerade Exekutivbeamte, die mit der Durchsetzung der gesetzlichen Bestimmungen betraut wurden, sollten den Unterschied zwischen einem mit dem Smartphone filmenden Gaffer, der an der Einsatzstelle den Rettungsablauf blockiert, und einem hunderte Meter entfernt stehenden Berufsfotografen, der lediglich Aufnahmen eines Rettungshelikopters anfertigt, und angesichts seiner Position auch gar keinen Einblick zur Unfallstelle selbst gewinnt, erkennen können. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass die journalistische Berichterstattung über das Zeitgeschehen das Wesen unserer Arbeit darstellt, welche für sämtliche Einsatzorganisationen essentiell ist.

Darüber wird der betreffende Beamte hoffentlich zeitnah in Kenntnis gesetzt. Und vielleicht auch darüber, dass es den "Käpt'n" nicht nur am Schiff gibt.

(CvD / G. Aigner)

Hinweis: „Punktlandungen” sind Kommentare einzelner Autoren, die nicht zwingend die Meinung der Austrian Wings-Redaktion wiedergeben.