Reportagen

Vor 20 Jahren flog Swissair in die Pleite - die Geschichte der Schweizer Nationalairline

Eine Fokker VII der Swissair 1934 im Sudan - Foto: Walter Mittelholzer

Sie war der Stolz der Schweiz - die legendäre Fluggesellschaft Swissair, deren Name in einem Atemzug mit anderen legendären Airlines wie Pan Am oder TWA genannt wurde. Das 1931 gegründete Unternehmen, dessen Geschichte über Jahre auch eng mit jener der AUA verbunden war, musste heute vor 20 Jahren den Betrieb einstellen. Austrian Wings erzählt die Geschichte dieser Schweizer Institution.

Aus der Taufe gehoben wurde die Fluggesellschaft am 26. März 1931 als Swissair - Schweizerische Luftverkehrs AG durch die Fusion der 1919 gegründeten Ad Astra Aero und der 1925 gegründeten Balair. Gründungsväter waren die Schweizer Flugpioniere Walter Mittelholzer und Balthasar Zimmermann. Die Airline war privatwirtschaftlich organisiert und beschäftigte im ersten Jahr rund 60 Personen. Heimatbasis war der Flugplatz Dübendorf, zu den ersten beflogenen Strecken gehörten Genf-Zürich-München-Wien und Genf-Basel-Mannheim-Frankfurt-Köln-Essen-Amsterdam. Das erste Jahr schloss die neue Airline mit einem Reingewinn von 49.453,75 Schweizer Franken (heute inflationsbereinigt 354.691 SFr.) ab. Von Anfang an setzte die Swissair auf eine hohe Qualifikation ihrer Besatzungen und schulte die Piloten im damals noch jungen Verfahren des Instrumentenflugs. Zudem installierte sie auch das erste Lorenzbake-Leitsystem außerhalb Deutschlands.

Nelly Diener war die erste Stewardess Europas - sie starb mit allen anderen Insassen beim Absturz ihrer Maschine - Foto: Swissair Archiv

Erste Airline mit Stewardessen
1934 schrieb Swissair Geschichte als sie als erste europäische Fluggesellschaft Stewardessen einsetzte. Nelly Diener war die erste Stewardess und servierte den Passagieren selbst zubereitete Speisen und Getränke, die extra zu bezahlen waren. Denn die Bordverpflegung war damals nicht im regulären Flugpreis inbegriffen und Bordküchen gab es an Bord der Flugzeuge ebenfalls nicht. Zudem beruhigte Diener ängstliche Passagiere. Doch nach nur wenigen Dutzend Flügen starb die 22-Jährige beim Absturz ihrer Maschine am 27. Juli 1934 bei Tuttlingen zusammen mit den übrigen neun Passagieren und den beiden Piloten.

Chefpilot Flugkapitän Ernst Nyffenegger vor einer DC-3 der Swissair - Foto: Swissair Archiv

Die Stewardessen der Swissair (übrigens finden selbst heute noch viele Flugbegleiterinnen diesen Begriff eleganter als das neumodische Wort "Flugbegleiterin") flogen in der Anfangszeit mit Zivilkleidung, über die sie eine weiße Schürze stülpten, erhielten jedoch rasch eigene Uniformen.

Flottenmodernisierung und Tod der Gründerväter
Ab 1935 modernisierte Swissair ihre Flotte mit DC-2 und DC-3 aus dem Hause Douglas, die rund doppelt so viele Passagiere wie frühere Muster befördern konnte. Streckennetz und Passagierkapazität konnten somit deutlich ausgeweitet werden, erstmals flog Swissair von der Schweiz nun auch nach London. Noch im gleichen Jahr starben allerdings die beiden Gründerväter von Swissair - Walter Mittelholzer starb beim Bergsteigen in der Steiermark (Österreich) und Zimmermann erlag einer Infektionskrankheit. Mit neuem Management setzte die Fluglinie ihren Erfolgskurs in den kommenden Jahren fort.

DC-4 der Swissair über New York - Foto: Swissair Archiv

Unfallserie und Zweiter Weltkrieg
Im Jahr 1939 ereigneten sich zwei schwere Unfälle. Am 7. Januar kollidierte eine DC-2 beim Landeanflug mit einem Berg bei Paris, wobei die beiden Piloten und die Flugbegleiterin Josie Brooke getötet wurden. Die zwölf Passagiere überlebten den Crash. Rund ein halbes Jahr später, am 20. Juli stürzte eine Ju 86 Passagiermaschine wegen eines Motorschadens bei Konstanz ab. An Bord der aus Wien kommenden Maschine befanden sich sechs Menschen darunter Flugkapitän Walter Ackermann, einer der erfahrensten Piloten der Swissair. Niemand überlebte das Unglück.

Ende August 1939 wurde der Luftraum über Deutschland und Frankreich gesperrt, weshalb Swissair einen Teil ihrer Routen einstellen musste. Am 29. August gab Swissair bekannt, den Flugbetrieb vollständig einzustellen. Ein Großteil der Angestellten wurde vom Militär eingezogen, ein weiterer Teil entlassen. 1939 flog die Airline erstmals seit ihrer Gründung einen Verlust ein. Erst 1940 wurde ein Teil der Strecken, etwa Locarno–Rom und Locarno–Barcelona, wieder aufgenommen. 1941 folgten Flüge auch Flüge von der Schweiz in das Deutsche Reich. Der Flugbetrieb konnte bis August 1944 aufrecht erhalten werden, danach musste Swissair den Betrieb erneut einstellen.

Nachkriegszeit und erste Langstrecke
Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges hoben die Flugzeuge der Swissair wieder ab. Zu den ersten Verbindungen zählten die Strecken Genf-Paris und Zürich-Paris, es folgten Amsterdam und London, zusätzlich gab es verschiedene Sonderflüge nach Lissabon, Barcelona, Tunis oder Malmö. 1946 übernahm Swissair zwei neue DC-3 sowie sechs weitere Maschinen dieses Typs aus US-Beständen. Weitere Ziele wie Prag, Warschau, Brüssel oder Stockholm wurden in den Flugplan aufgenommen. Ende Dezember führte Swissair mit einer kurz zuvor eingeflotteten viermotorigen DC-4 den (für damalige Verhältnisse) ersten Langstreckenflug durch - nach Kairo.

Sprung über den großen Teich
1947 erhöhte Swissair ihr Aktienkapital von einer auf 20 Millionen Schweizer Franken und weitete ihr Langstreckennetz nach New York, Südafrika und Südamerika aus. Zum Einsatz kamen viermotorige DC-4. Der Erstflug nach New York erfolgte am 2. Mai 1947 und führte von Genf über Shannon und Stephenville nach Washington, da New York La Guardia wegen Nebels nicht erreichbar war. Die Flugzeit betrug knapp 21 Stunden.

CV-990 der Swissair - Foto: Lars Soderstrom / CC BY-SA 3.0

Für die Kurzstrecke beschaffte Swissair Convair 240 und übernahm zudem die in Bern ansässige Fluggesellschaft Alpar. In weiterer Folge bestellte Swissair auch zwei DC-6, um ihrem Langstreckennetz weitere Destinationen hinzufügen zu können.

Umzug nach Kloten
Im Jahr 1948 verlegte die Fluglinie ihre Basis von Dübendorf nach Zürich Kloten und eröffnete so genannte "Flugreisebüros" auf den Bahnhöfen in Basel, Genf und Bern. Regelmäßig bediente man nun auch Ziele Lydda, Basra oder Abadan, zudem gab es Sonderflüge nach Johannesburg und Bombay.

Finanzieller Absturz
Im Herbst geriet der Schweizer Flagcarrier durch eine überraschende Abwertung des britischen Pfundes in eine tiefe Krise. Denn in Europa wurden die Flugtarife auf Basis des Pfundes berechnet, zudem verdankte Swissair fast die Hälfte ihrer Einnahmen ihren Flügen nach Großbritannien. Um die Auswirkungen der Krise abzufedern trennte sich die Airline von zwei Flugzeugen und baute Personal ab.

Der Staat springt ein
Doch das alleine reichte nicht und so wurde im Folgejahr im Bundesrat heftig darüber diskutiert, ob man die Airline zur Rettung verstaatlichen solle oder nicht. Am Ende unterstützte die Schweiz "ihre" Swissair finanziell und übernahm die Kosten für den Ankauf von zwei neuen Flugzeugen, während die Aktionäre auf rund 30 Prozent ihres eingesetzten Kapitals verzichten mussten.

Erneuter Höhenflug und geschicktes Marketing
Doch ab Juni 1950 ging es unter der Führung von Walter Berhtold wieder aufwärts. Die kommenden 21 Jahre sorgte er für einen wirtschaftlichen Höhenflug der Swissair. Unter anderem führte er ein neues Logo in Pfeilform ein und verpasste der Flotte ein neues Farbenkleid, zu dem auch das Schweizer Kreuz auf weißem Grund am Seitenleitwerk gehörte. Sämtliche Maschinen wurden nach Kantonen benannt, und auch die Besatzungen erhielten neue Uniformen. Die Kostüme der Stewardessen wurden von Rene Hubert entworfen.

Neue Reiseklassen
Gab es bisher auf den Nordatlantikflügen lediglich eine Klasse, führte Swissair 1952 die Trennung in eine Erste Klasse und eine Touristenklasse ein, wobei den Passagieren der Ersten Klasse Sitze zur Verfügung standen, die sich in Betten umwandeln ließen. Aufgrund des großen Erfolgs des Konzepts wurde auch auf den Kurzstrecken das Zweiklassen-Konzept eingeführt.

Balair-Gründung
Nur ein Jahr später rief Swissair ihre Chartertochter Balair mit Sitz in Basel und baute auch das eigene Streckennetz weiter aus, nahm auch Südamerika-Verbindungen ins Portfolio auf.

Safety first
Flugsicherheit hatte bei Swissair seit jeher einen hohen Stellenwert. Anfang der 1950er Jahre erklärte die Airline die Sicherheit im Flugbetrieb offiziell zur obersten Maxime und erließ einheitliche Vorschriften für Piloten, schaffte 1954 den ersten Flugsimulator an. Die nicht mehr zwangsläufig benötigten Bordfunker wurden sukzessive zu Navigatoren umgeschult. Auch wirtschaftlich ging es weiter aufwärts.

Das Jet-Zeitalter
Als Ende der 1950er Jahre die ersten Strahlflugzeuge aufkamen, entschloss sich das Swissair-Management, den Sprung ins Jetzeitalter zu wagen. Man schloss eine Kooperation der skandinavischen SAS ab und bestellte DC-8, Convair CV-880 und Caravelle.

Caravelle der Swissair - Foto: Lars Soderstrom / CC BY-SA 3.0
DC-8-53 Foto: RuthAS CC BY-SA 3.0
DC-9-15 - Foto: Lars Soderstrom / CC BY-SA 3.0

Die Ausbildung beziehungsweise Umschulung der Besatzungen auf die neuen Typen erfolgte gemeinsam. Am 30. Mai 1960 hob erstmals eine DC-8 der Swissair mit Ziel New York ab und löste damit die Propellerflugzeuge auf der Nordatlantikstrecke ab.

Katastrophe von Dürrenäsch
Im Jahr 1963 ereignete sich das bis dahin schwerste Unglück der Swissair. Am 4. September stürzte eine Caravelle auf dem Weg von Zürich nach Genf bei Dürrenäsch ab, nachdem sich im Fahrwerksschacht unbemerkt ein Feuer ausgebreitet hatte. Alle 80 Insassen starben, 43 von ihnen stammten aus dem Dorf Humlikon, das dadurch auf einen Schlag 20 Prozent seiner Einwohner verlor. Ein Jahr später, 1964 verließ die letzte DC-3 die Flotte.

DC-9 und MD-80
Ab 1966 setzte Swissair auf die DC-9, zunächst die DC-9-15, später die DC-9-32, die DC-9-51 und schließlich ab Anfang der 1980er Jahre die MD-80, die in enger Kooperation mit der österreichischen AUA betrieben wurden.

DC-10-30 auf dem Flughafen Hongkong Kai Tak - Foto: Christian Volpati GFDL 1.2

Im Jahr 1967 beschäftigte Swissair erstmals mehr als 10.000 Mitarbeiter, ein Jahr später wurde die Kooperation mit SAS vertieft und ein neues Kooperationsabkommen mit der niederländischen KLM geschlossen.

Neues Langstreckengerät
Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre modernisierte die Swissair ihre Langstreckenflotte durch DC-10-30 sowie Boeing 747-257.

Boeing 747-257B der Swissair; anders als die meisten Jumbos der Baureihe -200 hatten die Maschinen der Swissair im Oberdeck nur 3 Fenster auf jeder Seite - Foto: Eduard Marmet CC BY-SA 3.0
Swissair bestellte 1977 die MD-81 (DC-9 Super 80) und war Erstkunde dieses Typs - Foto: Aero Icarus CC BY-SA 2.0

Das Besondere an den Jumbos der Swissair war, dass sie - obwohl Flugzeuge der Baureihe - 200  - nur über drei Fenster auf jeder Seite im Oberdeck verfügten. Die Zusammenarbeit mit SAS und KLM bei Wartung und Training der Besatzungen für DC-10 und Boeing 747 wurde intensiviert. Zusätzlich kooperierte Swissair diesbezüglich auch eng mit der französischen Fluggesellschaft UTA. Doch die Airline blieb von Schicksalsschlägen nicht verschont.

Am 21. Februar 1970 explodierte an Bord von Flug 330 eine Bombe einer palästinensischen Terrororganisation und brachte den Jet zum Absturz. Am 6. September des gleichen Jahres entführten ebenfalls palästinensische Terroristen eine DC-8 und sprengten die Maschine in die Luft, nachdem sie alle Passagiere von Bord gebracht hatten.

1971 übernahm Armin Baltensweiler den Posten des Direktionspräsidenten und folgte damit Walter Berchtold nach. Drei Jahre später musterte Swissair die letzte Convair 990 aus und im Jahr 1975 - mit der Eröffnung des Terminal B am Flughafen Zürich - wurden auch Flüge nach Peking, Shanghai, Toronto, Salzburg, Dhahran und Abu Dhabi aufgenommen. 1977 bestellte Swissair als Erstkunde die MD-80, damals noch als DC-9 Super 80 bezeichnet, und kooperierte bei Wartung und Crewtraining eng mit der österreichischen Austrian Airlines. Der Personalstand kletterte auf mehr als 14.000 Mitarbeiter.

A310-200, im Gegensatz zur Langstreckenversion -300 hatte der A310-200 keine Winglets - Foto: Michel Gilliand GFDL 1.2

Deregulierung trifft Swissair
1978 traf die Deregulierung des Flugverkehrs auch Swissair wirtschaftlich hart. Doch noch im gleichen Jahr wurde die Airline von der angesehenen Fachzeitschrift Air Transport World, ATW als Airline of the Year ausgezeichnet. Diese Ehre war zuvor lediglich Air France, British Airways und der legendären Pan Am zuteil geworden. Trotz wirtschaftlicher Rückschläge war und blieb Swissair weltweit ein Aushängeschild der Schweiz. Ende 1982 war die die Airline rund um den Globus in 200 Städten und insgesamt 74 Ländern mit eigenen Verkaufsbüros vertreten.

Neue Reiseklassen und Flugzeuge
Gab es bisher auf den Flugzeugen von Swissair eine Erste Klasse (First Class) und eine Touristenklasse (Economy Class), so entschied sich der Verwaltungsrat Ende des Jahres 1983, eine dritte Klasse einzuführen - die Business Class. Damit wollte die Airline vor allem Geschäftsreisende zurück gewinnen, die immer öfter die günstige Economy Class statt der teuren First Class buchten. Das Konzept wurde im gesamten Streckennetz umgesetzt. 1983 konnte mit einem Rekordgewinn abgeschlossen werden. Das Unternehmen zählte etwas mehr als 16.000 Mitarbeiter, rund 20 Prozent davon gehörten dem fliegenden Personal an.

Boeing 747-357 mit verlängertem Oberdeck - Foto: Eduard Marmet CC BY-SA 3.0

Die Flotte wurde durch Boeing 747-357 (im Wesentlichen eine Boeing 747-200 mit einem verlängerten Oberdeck für mehr Passagiere)  und A310-200/300 modernisiert. Gleichzeitig wurden ältere Boeing 747, DC-10 und DC-9 sowie die letzten DC-8 ausgeflottet, sodass die Flottengröße erstmals seit vielen Jahren wieder zurückging.

Niedergang und Ende
Mitte der 1980er Jahre ließen die Terroranschläge von Wien und die Atomkatastrophe von Tschernobyl, in Verbindung mit dem starken Franken, die Passagierzahlen wieder zurückgehen, wenngleich Swissair weiterhin eine grundsätzlich erfolgreiche Fluggesellschaft blieb. Doch die Turbulenzen verschärften sich in den 1990er Jahren. Die Kunden wollten immer billiger fliegen, der Markt wurde weiter liberalisiert und die Schweiz versperrte sich dem EWR. Das Alcazar-Projekt, das eine Fusion von Swissair, KLM, SAS und AUA zum Ziel hatte scheiterte. Ab 1991 beschaffte Swissair die MD-11 um die in die Jahre gekommenen DC-10 zu ersetzen und wechselte auf der Kurzstrecke von der MD-80 auf die Flugzeuge der A320-Familie.

Erste Frau im Cockpit
Im Jahr 1984 begann Gabriela Musy-Lüthi als erste Schülerin der Swissair-Pilotenschule ihre Ausbildung. 1987 nahm sie dann als erster weiblicher Pilot in einer Maschine der Swissair (MD-81) Platz, später flog sie unter anderem auch die legendäre MD-11.

Gaby Musy-Lüthi im Cockpit einer MD-11 - Foto: Archiv Swissair

Elf Jahre später erfolgte die Beförderung zum ersten weiblichen Flugkapitän. Gemeinsam mit dem Ersten Offizier Claudia Wehrli führte Musy-Lüthi 1999 den ersten Swissair-Flug mit kompletter Frauenbesatzung durch. Bei ihrem Ende beschäftigte Swissair insgesamt 16 weibliche Piloten.

Wien-Shuttle
Anfang/Mitte der 1990er wurde auf der Strecke Wien-Zürich-Wien ein Shuttleservice mit bis zu acht täglichen Flügen pro Richtung eingerichtet. 1995 stellten sowohl Swissair als auch Austrian Airlines dafür jeweils eine eigene Maschine ab. Bei der Swissair war dies die MD-81 HB-IND, die einen großen Schriftzug "Servus Wien" erhielt. Die AUA wiederum verpasste ihrer MD-81 OE-LDV einen Zusatzschriftzug "Grüezi Zürich".

Aufnahme um 1996 herum auf dem Flughafen Zürich - Foto: Fabian Zimmerli (vielen Dank)
Swissair grüßte die österreichische Hauptstadt mit "Servus Wien" auf einer MD-81 - Foto: Klaus Brandmaier (vielen Dank)
Die "Grüezi Zürich" der AUA im Landeanflug - Foto: Klaus Brandmaier (vielen Dank)

In dieser Zeit begann Swissair zudem kleinere Fluggesellschaften aufzukaufen (unter anderem die Crossair) und beteiligte sich schließlich sogar an der belgischen Sabena. Die Gewinne sanken jährlich, von 48 Millionen Franken im Jahr 1991 auf nur noch vier Millionen Franken im Jahr 1995. Gleichzeitig sank auch der Mitarbeiterstand von 19.300 im Jahr 1991 auf rund 16.200 im Jahr 1995. 1998 beauftragte das Management die Beratungsfirma McKinsey mit der Ausarbeitung einer neuen Strategie, doch langfristig konnte auch dieses Konzept die Airline nicht retten.

MD-11 - Foto: Aero Icarus CC BY-SA 2.0

In der Nacht von 2. auf den 3. September stürzte eine MD-11 mit 229 Insassen vor Halifax in den Atlantik. Es gab keine Überlebenden. Swissair 111 gilt damit bis heute als das schwerste Unglück in der Geschichte der Schweizer Luftfahrt. Bei der Betreuung der Hinterbliebenen der Absturzopfer wurde das Swissair-Personal von ihren Kollegen des Austrian Airlines Emergency Response Teams unterstützt.

Im gleichen Jahr beschaffte die Airline moderne A330-Langstreckenflugzeuge. Doch auch die Folgejahre waren von wirtschaftlichen Turbulenzen erschüttert.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 erschütterten die ohnedies bereits angeschlagene Swissair bis ins Mark. Anfang Oktober 2001 mussten die Swissair-Jets am Boden bleiben. Am 5. Oktober konnte der Flugbetrieb dank eines Notkredits der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden, doch es zeichnete sich ab, dass es für den einstigen Nationalstolz der Schweiz keine Rettung geben würde.

Am 1. April 2002, einem Ostermontag, landete der letzte Swissair-Flug, SR 145, aus Sao Paulo kommend am Flughafen Zürich Kloten. Es war das Ende einer ruhmreichen Fluggesellschaft, deren Name ist im gleichen Atemzug wie Pan Am, British Airways oder Lufthansa genannt wurde. Von ihrer Gründung bis zum Untergang hatte Swissair mehr als 260 Millionen Passagiere befördert.

Die letzte aktive Flotte bestand aus 9 Airbus A319, 20 Airbus A320, 12 Airbus A321, 16 Airbus A330 sowie 19 MD-11. Neun bestellte Airbus A340-600 gelangten wegen der Pleite der Airline nicht mehr zur Auslieferung.

Als Nachfolgegesellschaft hob noch im gleichen Jahr die aus der Swissair-Tochter Crossair hervorgegangene neue Fluggesellschaft SWISS ab - doch das ist eine andere Geschichte.

Text: P. Huber