"Airpower.at" veröffentlichte bereits 2008 einen Kommentar zum Handeln von Norbert Darabos, der sehr lesenswert ist - hier findet man ihn im Archiv.
Der Luftraum ist entscheidend für Österreichs Sicherheit, Wirtschaft und Souveränität. Doch die Bedrohung wächst. Neue Technologien und geopolitische Spannungen verschärfen die Lage. Drohnen, Raketen und Hyperschallwaffen machen Angriffe jederzeit möglich.
Aktuelle Konflikte zeigen klar: Nur eine moderne Luftverteidigung schützt Bevölkerung und Infrastruktur. Sie sichert im Ernstfall auch die Einsatzfähigkeit des Bundesheeres. Österreich muss daher über die reine Luftraumüberwachung hinausgehen. Gefordert ist ein mehrschichtiges System. Dazu gehört auch das Zusammenwirken von bemannten und unbemannten Systemen – Kampfflugzeuge und Drohnen im Verbund.
Als neutraler Staat kann sich Österreich nicht auf andere verlassen. Der Schutz des eigenen Luftraums ist eine nationale Aufgabe. Dafür müssen bestehende Fähigkeitslücken geschlossen und die Luftverteidigung konsequent weiterentwickelt werden. Dazu zählt auch der Ersatz der 15 "technisch kastrierten" Eurofighter der Tranche 1.

Der österreichische Luftraum
Der österreichische Luftraum ist von zentraler Bedeutung für Souveränität, Wirtschaft und Landesverteidigung. Allein im Jahr 2024 starteten von Österreichs Flugplätzen mehr als eine Viertelmillion kommerzielle Flüge. Über 35 Millionen Passagiere wurden befördert. Hinzu kommen Transitflüge und private Luftbewegungen, die diese Zahlen deutlich übertreffen. Auch im Frachtbereich zeigt sich die Bedeutung: Mehr als eine Viertelmillion Tonnen Güter wurden transportiert und umgeschlagen.
Der Luftverkehr ist damit ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Er sichert die Anbindung Österreichs an den Weltmarkt und ermöglicht den internationalen Austausch. Zugleich ist er Grundlage für den Tourismus, da ein großer Teil der Gäste per Flug anreist.
Österreich ist Transitland
Österreichs zentrale Lage bringt ein hohes Transitaufkommen im Luftraum mit sich. Die Zahl der Überflüge sowie der privaten Luftbewegungen liegt deutlich über den registrierten Linien- und Militärflügen.
Im Jahr 2024 wurden mehr als zwei Millionen Überflüge gezählt. Dazu kamen 271.567 kommerzielle Flüge mit rund 35,5 Millionen Passagieren und 257.849 Tonnen Fracht. Zusätzlich wurden über 5.500 militärische Überflüge genehmigt.
Die geografischen Gegebenheiten stellen besondere Anforderungen. Kurze Vorwarn- und Reaktionszeiten – vor allem im Westen – sowie das gebirgige Terrain erschweren die Überwachung des Luftraums, insbesondere in niedrigen Flughöhen.
Bedrohung aus der Luft
Die internationale Lage erfordert mehr als Luftraumüberwachung. Auch die Luftverteidigung muss sichergestellt werden.
Über Jahrzehnte lag der Fokus auf Überwachung und punktueller Luftraumsicherung. Eine militärische Bedrohung aus der Luft spielte in Mitteleuropa nur eine untergeordnete Rolle. Das hat sich geändert. Luftbedrohungen sind heute real und auch für Österreich ernst zu nehmen.
Die Bedrohung ist vielfältig. Sie reicht von Drohnen über Kampfflugzeuge bis zu Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Aktuelle Konflikte zeigen: Angreifer setzen auf Masse und Vielfalt. Mehrere Angriffswellen sollen die Verteidigung überlasten und durchbrechen. Auch unterhalb der offenen Kriegsschwelle kommen Mittel zum Einsatz: Sabotage, Anschläge, Luftraumverletzungen oder Drohnenangriffe. Ein Ziel bleibt gleich: zuerst Luftüberlegenheit, dann Luftherrschaft. Wer den Luftraum kontrolliert, schränkt den Gegner massiv ein.
Derzeit können die Luftstreitkräfte diese Aufgabe aber nicht vollständig erfüllen. Das betrifft sowohl die Fähigkeiten der Kampfflugzeuge als auch jene der bodengebundenen Flugabwehr.
Luftverteidigung als Gesamtsystem
Moderne Luftverteidigung funktioniert nur im Verbund. Einzelne Systeme reichen nicht aus. Sensoren, Führungs- und Informationssysteme sowie Abwehrmittel greifen ineinander. Daraus entsteht ein mehrschichtiges System, das flexibel auf unterschiedliche Bedrohungen reagiert.
Der Luftraum wird ständig überwacht. Bedrohungen müssen früh erkannt und rasch bekämpft werden. Je nach Lage kommen unterschiedliche Mittel zum Einsatz. Eine Minidrohne erfordert andere Maßnahmen als ein Angriff mit Kampfflugzeugen.
Moderne Systeme tauschen Daten in Echtzeit aus. So entsteht ein gemeinsames Luftlagebild. Entscheidungen können schnell getroffen werden, das passende Mittel kommt gezielt zum Einsatz. Der Austausch mit Nachbarstaaten erhöht zusätzlich die Reaktionsfähigkeit.
Bodengestützte Luftverteidigung
Bodengebundene Systeme bilden das Rückgrat der Verteidigung. Sie bestehen aus Lenkwaffen und Kanonen. Damit können Flugzeuge, Drohnen, Raketen und andere Luftziele bekämpft werden – in unterschiedlichen Entfernungen und Höhen. Die Systeme ergänzen sich wie Schichten. Weitreichende Mittel überwachen große Räume. Kurz- und Nächstbereichssysteme bilden die letzte Schutzlinie.
Luftgestützte Luftverteidigung
Kampfflugzeuge erweitern die Luftverteidigung. Sie sind schnell, flexibel und können Ziele bereits auf große Distanz bekämpfen. Überschallflugzeuge greifen weitreichend ein, langsamere Flugzeuge wirken in niedrigeren Höhen gegen kleinere Ziele. Dieses Zusammenspiel erhöht die Wirksamkeit. Es erschwert dem Gegner, die Verteidigung zu durchbrechen.
Luftraumüberwachung
Die Luftstreitkräfte sorgen rund um die Uhr für die Überwachung und Sicherheit des österreichischen Luftraums. Dafür sind ständig Radarsysteme im Einsatz, und mehrere bewaffnete Kampfflugzeuge sind jederzeit startbereit. Sie können bei verdächtigen Flugobjekten innerhalb weniger Minuten reagieren, diese identifizieren und nötigenfalls begleiten oder zur Landung zwingen.
Warum Luftverteidigung und Luftraumüberwachung entscheidend sind
Ein Staat ohne Luftverteidigung ist schutzlos. Moderne Bedrohungen können jederzeit auftreten. Drohnen, Raketen und neue Technologien verkürzen die Reaktionszeit.
Nur eine eigene, leistungsfähige Luftverteidigung schützt Bevölkerung, Infrastruktur und Streitkräfte. Als neutraler Staat kann sich Österreich nicht auf andere verlassen. Der Schutz des eigenen Luftraums ist eine nationale Aufgabe.
Die Entwicklung geht weiter. Neue Technologien wie die Zusammenarbeit von bemannten und unbemannten Systemen erhöhen die Wirkung. Ziel bleibt ein mehrschichtiges, modernes System. Es soll Angriffe früh erkennen, wirksam bekämpfen und die Souveränität Österreichs sichern.
Umsetzung
Um diese Zielsetzung zu erreichen, sind folgende Maßnahmen in den Streitkräften im Österreichischen Bundesheer erforderlich:
- Ersatz der derzeit genutzten 15 Eurofighter, die Mitte der 2030er-Jahre ihr Lebenszeitende erreichen, durch 36 moderne überschallschnelle Kampfflugzeuge mit weitreichenden Radarlenkwaffen. Anmerkung der Redaktion: 36 Kampfjets sind dabei noch immer viel zu wenig, laut Rechnungshof wären 75 Kampfflugzeuge erforderlich
- Einführung von 12 Advanced Jet Trainer/Fighter Attack, die auch über Luft-Boden- und Luft-Luft-Fähigkeiten verfügen, die überschallschnellen Kampfflugzeuge im Einsatz unterstützen und ergänzen und die Übernahme der Militärpilotenausbildung während der Einsatzvorbereitung ermöglichen.
- Die Kampfflugzeuge müssen zur längeren Durchhaltefähigkeit über Luftbetankungsfähigkeit verfügen. Die Betankung erfolgt durch das bereits in Beschaffung befindliche Lufttransportsystem C-390M.
- Schaffung eines Frühwarnsystems zur Erkennung von Bedrohungen sowie der Führungsstruktur, um Angriffe abwehren zu können.
- Aufstellung von 2 Flugabwehrbatterien mit Lenkwaffen kurzer und mittlerer Reichweite.
- Aufstellung von 2 Flugabwehrbatterien zur Verteidigung gegen Drohnen für besonders wichtige Objekte.
- Abschluss der Kampfwertsteigerung der 35mm-Zwillings-Fliegerabwehrkanone.
- Aufstellung eines Flugabwehrbataillons mit Lenkwaffen großer Reichweite.
- Kampfwertsteigerung der weitreichenden Radaranlagen
- Abschluss der Beschaffung neuer Radarsysteme mittlerer Reichweite.
(red CvD / ÖA ÖBH)