Österreich

Polizeihubschrauber-Absturz in den Achensee vor 15 Jahren: Ehemaliger Flugpolizei-Leiter Werner Senn im ORF-Tirol-Interview

Während der Amtszeit von Werner Senn als Leiter der Flugpolizei wurde unter anderem das hochmoderne Muster EC 135 eingeführt. Senn gilt als ausgewiesener Experte für Alpin- und Flugrettungsunfälle, ist selbst zertifizierter Sachverständiger.

Gestern jährte sich eines der schwersten Luftfahrtunglücke in der Geschichte Tirols und der Flugpolizei des Innenministeriums zum 15. Mal. Am 30. März 2011 stürzte ein EC 135 der Flugpolizei am Ende eines Routinefluges plötzlich in den Achensee. Alle vier Menschen an Bord starben. Der ORF Tirol sprach für das Format "Tirol heute" mit Werner Senn, damals Leiter der Flugpolizei und selbst bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2020 aktiver Einsatzpilot auf dem Unglücksmuster EC 135.

Werner Senn begann seine Karriere Anfang der 1983er Jahre als Flugretter bei der Flugpolizei in Innsbruck. Später studierte er berufsbegleitend Jura, 2005 übernahm er die Leitung der Flugpolizei und absolvierte die Ausbildung zum Einsatzpiloten. 2020 ging er in den wohlverdienten Ruhestand. Er arbeitet nach wie vor als Sachverständiger, unter anderem für Alpinunfälle und Flugrettungsunfälle. In Tirol erlangte Werner Senn 1999 als Einsatzleiter nach der Katastrophe von Galtür große Bekanntheit. Er ist Träger hoher Auszeichnungen, unter anderem des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich.

Im Interview mit Tirol heute (Sendung vom 30. März 2026) bekräftigte Werner Senn einmal mehr die im Jahr 2012 von der Kommission der Flugpolizei festgestellten möglichen Unfallursachen:

  • eine akute gesundheitliche Beeinträchtigung des Piloten,
  • Vogelschlag oder
  • Flicker Vertigo

Diese Erkenntnisse gewann ein Expertengremium unter Beiziehung externer Experten. Diese Erkenntnisse von 2012 werden von der Fachwelt weitgehend als zutreffend und wahrscheinlich anerkannt.

"Es muss eine gesundheitliche Beeinträchtigung irgendeiner Art gewesen sein oder eben dieser Flicker Vertigo (...) oder eben möglicherweise auch ein Vogelschlag. Das ist die Analyse zu der wir gekommen sind."
Werner Senn gegenüber "Tirol heute" zur Absturzursache.

Bereits 2021 gab Werner Senn Austrian Wings ein ausführliches Interview zum Thema und im Februar 2026 stand der ehemalige Leiter der Flugpolizei dem Austrian Wings und 26-fachen Buchautor Patrick Huber für dessen Buch "Der Unglücksflug von Police Foxtrot - das Rätsel um den Achensee-Absturz" ebenfalls für ein Gespräch zur Verfügung.

Im Buch "Der Unglücksflug von Police Foxtrot" findet sich ebenfalls ein ausführliches Interivew mit Werner Senn.

Hintergründe
Der Hubschrauber mit der Kennung OE-BXF hatte von der Flugeinsatzstelle Innsbruck aus einen AGM-Einsatzflug durchgeführt. Neben dem sehr erfahrenen und sicherheitsbewussten Piloten waren zwei weitere österreichische Beamte und ein Schweizer Polizist an Bord. Der EC 135 befand sich bereits auf dem Rückweg nach Innsbruck, als er aus dem langsamen Horizontalflug plötzlich abkippte, in einen steilen Sinkflug überging und in den Achensee stürzte. Niemand überlebte.

(red HT)