Um es vorwegzunehmen - das Buch "Hugo Junkers - Pionier der Technik: Geniale Forschung für den Fortschritt der Menschheit" gehört meiner Meinung nach in die Sammlung jedes an der historischen Luftfahrttechnik Interessieren. Die Eckdaten: Erschienen im Oktober 2025 bei Frederking & Thaler, 246 Seiten. Das Format: 27.2 x 3 x 29 Zentimeter, ISBN: 978-3954164424. Erhältlich ist es über verschiedene Kanäle, unter anderem auf Amazon, bei Morawa oder Pagro, um nur einige mögliche Bezugsquellen zu nennen.
2025 jährte sich der Todestag von Hugo Junkers zum 90. Mal. Grund genug für Andreas Tank, zweifacher Dr. und luftfahrtbegeisterter internationaler Unternehmensberater, sowie Angelika Hofmann, eine ausgewiesene Kennerin der Geschichte der Familie Junkers und Diplom-Bibliothekarin, einem der größten deutschen Erfinder aller Zeiten ein Denkmal in Form eines fulminanten Bildbandes zu setzen. Hofmann ist seit 2007 für die Betreuung des Privatarchivs der Familie Junkers zuständig, was für dieses Buchprojekt einen ausgesprochenen Glücksfall darstellte. Doch der Reihe nach.
In unzähligen Haushalten weltweit finden sich technische Geräte (unter anderem Gasthermen), die - oftmals unbeachtet von den Bewohnern - den Namen Junkers tragen. Wohl kaum jemand weiß, was dieser traditionsreiche Name bedeutet und dass der Firmengründer, Professor Hugo Junkers, ein Multitalent war, der auf vielen Fachgebieten reüssierte und auch die Geschichte der Luftfahrt bedeutend mitgestaltet hat - sein bekanntestes Flugzeug ist die Junkers Ju 52/3m, die legendäre Tante Ju, die bis vor wenigen Jahren noch bei Lufthansa als Traditionsflugzeug eingesetzt wurde. Doch der Reihe nach.

Tank hat sein Buch "Hugo Junkers - Pionier der Technik: Geniale Forschung für den Fortschritt der Menschheit" in 20 Kapitel gegliedert. Besonders wertig wird sein Werk durch die aktive Unterstützung der Familie Junkers. So schrieb Bernd Junkers das Vorwort und ein Interview mit Hugo Junkers' Urenkelin Charlotte beschließt das Buch. Die Bereitschaft dazu zeigt, auf welch hohem Niveau Tank und seine Co-Autorin Hofmann arbeiteten. Grußworte namhafter Persönlichkeiten, darunter Dieter Morszeck, Gründer und Geschäftsführer der Junkers Flugzeugwerke GmbH, die Uhren und moderne UL-Flugzeuge im Design historischer Junkers-Maschinen produziert, unterstreichen die Qualität des Buches von Andreas Tank und Angelika Hofmann schon zu Beginn.

Chronologisch wird in dem Buch die Geschichte des Menschen Hugo Junkers erzählt, aber auch bis in kleinste technische Details die seiner vielen Erfindungen und welche Bedeutung sie hatten. Wer weiß schon, dass im Jahr 1925 stolze 41 Prozent aller Verkehrsflüge weltweit mit Flugzeugen aus dem Hause Junkers beflogen wurden? In diesem Buch erfährt man es. Mit der F-13 hatte Junkers das erste Ganzmetall-Verkerhsflugzeug der Welt entwickelt. Der später aus Deutschland emigrierte Albert Einstein absolvierte den ersten Flug seines Lebens in einer Junkers F-13 - im Jahr 1925. Einstein zeigte sich von Junkers' Entwicklung begeistert. Zur passenden Info liefern Tank und seine Co-Autorin Hofmann das entsprechende Foto freilich gleich mit. Fantastisch, SO stelle ich mir hochwertige Recherche vor, denn diese pedantische Vorgehensweise pflege ich auch bei meinen eigenen Buchprojekten.


Übrigens waren die Junkers-Flugzeuge auch das Rückgrat der AUA-Vorgängerin ÖLAG. Auf dem mittlerweile unter der Seestadt Aspern begrabenen und von der Öffentlichkeit weitgehend vergessenen Flughafen Aspern starteten und landeten Junkers-Flugzeuge im Minutentakt. Sogar die gigantische G-38 mit Sitzen in den Tragflächen!! war dort zu Besuch.
Hugo Junkers hatte seine Forschung einst in einem Pferdestall in Dessau begonnen - am Höhepunkt waren mehr als 300 Patente auf seinen Namen angemeldet und der Name Hugo Junkers wurde von Paris über London bis New York in der Weltpresse als Synonym deutschen Erfindergeists gepriesen.
Dank Zugang zum Familienarchiv der Nachkommen von Hugo Junkers konnten Tank und Hofmann nicht nur viele bisher unbekannte Informationen recherchieren, sondern ihr Buch auch mit noch nie zuvor veröffentlichtem exklusiven Fotomaterial illustrieren. Das war eine herausfordernde Aufgabe, denn wie Tank und Hofmann schreiben, galt es, "zehntausende Seiten" zu sichten und "die großen Meilensteine herauszukristallisieren". Nun, ich würde sagen, das ist mehr als gelungen und die Autoren haben es treffend beschrieben: "Die Rekonstruktion eines derart epochalen Lebenswerkes gleicht einer Meisterschaft im Ausdauersport."

Beeindruckend schildert das Buch auch etwas, das einem sonstwo kaum in dieser Klarheit vor Augen geführt wird - nämlich, unter welch schwierigen, sich stets ändern Rahmenbedingungen der 1859 geborene Junkers wirkte. Seine ersten 60 Lebensjahre brachte er in der preußischen Monarchie zu, erlebte dabei die Entstehung der Hochindustrie und den Ersten Weltkrieg, nach dessen Ende 1918 ein wirtschaftlich am Boden darnieder liegendes Deutschland auf der Verliererseite stand. Die folgenden 14 Jahre waren geprägt von der schwachen Demokratie der Weimarer Republik, ehe 1933 die Nazis an die Macht kamen. Die Nazis verachteten den visionären Geist Hugo Junkers wegen dessen demokratischer und pazifistischer Grundhaltung, entmachteten und enteigneten ihn. Ironie der Geschichte: Seine Flugzeuge (wie die Ju-87 "Stuka", Ju-88 oder Ju-52) nutzte das verbrecherische Hitler-Regime dann exzessiv im Zweiten Weltkrieg. Auch darüber schreiben Tank und Hofmann mit unglaublicher Detailliertheit.
Zudem schildert Tank ebenso ausführlich die Geschichte des Unternehmens nach dem Tod seines Gründers im Jahr 1935.

Mein persönliches Fazit: Obwohl ich selbst bisher 26 Bücher geschrieben und im Laufe meines Lebens unzählige gelesen habe, obwohl ich mich selbst in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit der Geschichte von Hugo Junkers beschäftigt habe, muss ich sagen, dass ich noch nie eine solch präzise und akkurat recherchierte Zusammenfassung über das Leben dieses Technik- und Luftfahrtpioniers gelesen habe. Andreas Tank und seine Co-Autorin Angelika Hofmann haben aus meiner Sicht das Standardwerk schlechthin zur (Lebens-)Geschichte von Hugo Junkers verfasst. Chaepau!
Hinweis im Sinne der Transparenz: Das Rezensionsexemplar wurde mir zur Verfügung gestellt. Ich erhielt keinerlei finanzielle Zuwendung für das Verfassen der Rezension und auch keine sonstigen Vergünstigungen. Die auszugsweise Nennung einzelner Bezugsquellen erfolgte ohne persönliche Präferenz. Als Rezensent erhalte ich keinerlei Vergünstigungen oder finanzielle Zuwendungen eines bestimmten Händlers für dessen allfällige Nennung. Jeder Leser ist angehalten, das Buch bei Interesse über seinen persönlichen bevorzugten Händler/Bezugskanal zu erwerben.
Text: Patrick Huber
Fotos: Die in dieser Rezension veröffentlichten Bilder wurden mit Genehmigung von Andreas Tank dem Buch entnommen; sofern nicht anders angegeben