Punktlandung

Israels Luftangriffe auf die Hisbollah im Libanon - hart aber leider notwendig

Israels Luftangriffe sind hart, aber angesichts des täglichen Terrors, dem Israel durch die Hisbollah ausgesetzt sind vermutlich alternativlos; hier eine F-16, Symbolbild - Foto: Wolfgang Jarisch

Vor allem politisch linke und muslimische Kreise in Europa kritisieren Israel scharf für seine aktuellen Luftangriffe auf die Terrororganisation Hisbollah im Libanon. Dabei übersehen sie aber leider, dass die Hisbollah Israel seit Jahrzehnten terrorisiert und Israel in durchaus gerechtfertigter Verteidigungsabsicht handelt. Ein Kommentar aus gegebenem Anlass.

Vorweg, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen - Frieden ist ein erstrebenswertes Ziel und in jedem militärischen Konflikt weltweit sterben unglücklicherweise auch völlig Unbeteiligte. Das ist eine Tragödie, keine Frage. Trotzdem sind militärische Auseinandersetzungen leider unvermeidlich, sie sind Teil der Menschheitsgeschichte - ob einem das gefällt oder nicht, es ist die Realität.

Doch im Konflikt Israel-Hisbollah darf man nicht außer acht lassen, dass, wie es Friedrich Schiller einst formulierte, der "Frömmste nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.". Mit einer solchen Situation sieht sich Israel im Norden seines Staatsgebietes konfrontiert. Die vom Iran (seit der Machtübernahme der Mullahs im Jahr 1979 ein Förderer des internationalen Terrorismus, der unter anderem im Verdacht steht, auch auf den Anschlag auf die Pan Am 103 über Lockerbie beteiligt gewesen zu sein) unterstützte libanesische islamistische Terrororganisation Hisbollah terrorisiert vom Südlibanon aus Israel seit Jahrzehnten.

Hisbollah-Raketenbeschuss mit dem Ziel, möglichst viele Menschen, Frauen, Kinder, Alte, in Israel zu töten - das ist Alltag für die israelische Bevölkerung, die nur in Frieden leben möchte. Die Hisbollah, wörtlich "Partei Gottes", macht aus ihren brutalen und menschenverachtenden Zielen keinen Hehl. Sie will im Libanon einen islamischen Gottesstaat nach iranischem Vorbild errichten und Israel vernichten. Klare Ansage, die an Deutlichkeit nichts vermissen lässt.

Nun hatte der libanesische Staat über 40 Jahre Zeit, gegen die 1982 gegründete Terrororganisation Hisbollah vorzugehen. Er tat es jedoch nicht. Im Gegenteil, die Hisbollah wurde - unbehelligt vom libanesischen Militär oder der libanesischen Exekutive - ein "Staat im Staat", die ganze Stadtteile in der Hauptstadt Beirut sowie den Südlibanon beherrscht. Je nach Region genießt sie dabei enormen Rückhalt in der Bevölkerung, kann Schulen und Zivilgebäude für ihren Terror gegen Israel nutzen - wiederum unbehelligt vom libanesischen Staat. Kein Wunder, sitzen doch der Hisbollah nahestehende Politiker sogar im libanesischen Parlament. Anders ausgedrückt: Terroristen-Freunde als Politiker.

Auch die UN-Mission im Libanon (an der Österreich beteiligt war, was den Steuerzahler viel Geld kostete) war ein zahnloser Tiger. Trotz Anwesenheit von UN-Soldaten im Libanon, führte die Hisbollah weiterhin ungehindert Terrorangriffe auf Israel durch, einfach mit dem Ziel möglichst viele israelische Zivilisten zu ermorden. Wiederum tat der libanesische Staat nichts, auch die UN blieb tatenlos.Mehr noch, die islamistischen Terroristen der Hisbollah sollen UN-Soldaten sogar bestochen haben. Teile Nordisraels wurden durch den Hisbollah-Terror unbewohnbar. Jene politischen und gesellschaftlichen Kreise, die jetzt nicht müde werden, Israel für sein Vorgehen im Libanon zu kritisieren, schwiegen damals aber, von ihnen war nichts (oder kaum etwas) zu hören, als die Hisbollah Israel täglich terrorisierte. Warum maßen sie hier ganz offensichtlich mit zweierlei Maß? Terror gegen Israel ist nicht kritikwürdig, wenn sich Israel verteidigt, spricht man ihm das Recht dazu ab? Das ist im "besten" Fall verlogen, wahrscheinlich aber wesentlich öfter einfach nur antisemitisch. 

In dieser Situation - täglicher Terror gegen sein Staatsgebiet, Teile unbewohnbar, Untätigkeit des Libanon, Untätigkeit der UNO, Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft - blieb Israel nichts anderes übrig als aktiv zu werden, denn die internationale Gemeinschaft hat Israel - wieder einmal - im Stich gelassen.

Nur deshalb finden die schweren Luftangriffe auf Hisbollah-Einrichtungen sowie eine israelische Bodenoperation im Südlibanon überhaupt statt, wobei man ausdrücklich festhalten muss, dass Israel sich nach Kräften bemüht, zivile Opfer so gut es geht zu vermeiden.

Und ja, die folgenden (unangenehmen) Fragen müssen gestellt werden - WARUM hat der libanesische Staat nichts gegen die Hisbollah unternommen? Warum thematisiert Europa das Versagen des Libanon im Kampf gegen die Islamisten nicht? WARUM genießt eine islamistische Terrororganisation, die einen islamischen Gottesstaat errichten will, überhaupt Rückhalt in der Bevölkerung? Warum thematisiert Europa diesen Umstand nicht? WARUM hat die UN-Mission im Libanon die Hisbollah nicht am Terror gegen Israel gehindert? Warum thematisiert die UN nicht ihr eigenes Versagen, warum tut es die internationale Gemeinschaft nicht?

Nun, wahrscheinlich weil es unangenehm wäre, sich damit auseinandersetzen zu müssen und weil dann der in Teilen der arabisch-islamischen Welt tief verwurzelte Antisemitismus ebenfalls öffentlich ein Thema wäre. Denn oftmals wird mit der Phrase "Antizionismus" lediglich Antisemitismus schöngeredet.

Wer diese Realität(en) verkennt und Israel in Zusammenhang mit seiner Militäroperation im Libanon (und zuvor in Gaza als Reaktion auf den tatsächlichen Völkermord-Versuch der Hamas an Israelis vom 7. Oktober 2023) "Völkermord" oder ähnliche Unwahrheiten vorwirft, der betreibt eine Täter-Opfer-Umkehr, die nicht zulässig ist.

Die Menschen in (Nord-)Israel möchten ebenso in Frieden leben wie die meisten ihrer arabischen Nachbarn im Libanon. Doch dafür muss die Hisbollah militärisch besiegt und/oder entwaffnet werden und der libanesische Staat sowie die internationale Gemeinschaft müssen sicherstellen, dass von libanesischem Staatsgebiet aus keinerlei Terror mehr gegen Israel erfolgt. So lang das nicht gewährleistet ist, wird Israel gar nicht aufhören können, militärisch gegen die Bedrohung aus dem Libanon vorzugehen - am Boden und aus der Luft. Das israelische Mindestziel ist eine massive Schwächung der Hisbollah, damit wenigstens für einige Zeit im Norden Israels wieder ein halbwegs normales Leben möglich ist. 

Im Buch "Wie König Davids Söhne den Himmel eroberten" wird der Verteidigungskampf der israelischen Luftwaffe seit 1948 ausführlich geschildert.

Text: P. Huber
Der Autor ist internationaler Luftfahrtexperte und befasst sich intensiv mit der israelischen Militärgeschichte. Er ist Autor von mehr als 25 Büchern, darunter das Werk "Wie König Davids Söhne den Himmel eroberten - von Sternstunden und Tragödien der israelischen Luftfahrt".

Hinweis: „Punktlandungen” sind Kommentare einzelner Autoren, die nicht zwingend die Meinung der Austrian Wings-Redaktion wiedergeben.