Am 24. Juli berichtete Austrian Wings darüber, dass die vor rund einem halben Jahr neu gegründete und in der Branche völlig unbekannte Firma namens Joint Sky Services GmbH den Zuschlag für die Bodenabfertigung am Flughafen Wien erhalten hatte. Das Unternehmen ohne jede ersichtliche Erfahrung in diesem Bereich setzte sich damit gegen den langjährig international tätigen Konzern AAS sowie weitere Mitbewerber durch. Innerhalb der Branche und bei externen Beobachtern sorgte dieser Vorgang für Verwunderung und warf Fragen zum Vergabevorgang auf, die noch gesondert an den Flughafen Wien sowie die entsprechenden behördlichen Stellen gerichtet werden. Wenige Tage danach tat sich auf der Homepage der Joint Sky Services GmbH plötzlich etwas, wir berichteten.
Besonders irritiert sind nach Austrian Wings Recherchen AAS-Mitarbeiter darüber, dass Joint Sky Services inzwischen aktiv um neue Mitarbeiter für praktisch sämtliche künftigen Tätigkeitsbereiche am Flughafen Wien wirbt, während die Beschäftigten des bisherigen Abfertigers AAS weiterhin keine Klarheit über ihre Zukunft haben.
Auf der Karriereplattform LinkedIn ruft Joint Sky Services derzeit ausdrücklich zu Bewerbungen für die Bereiche Passenger Services, Ramp Handling, Operations, Commercial Activities sowie HR & Administration auf. Interessenten sollen ihren Lebenslauf samt gewünschtem Tätigkeitsbereich an das Unternehmen übermitteln. Konkrete Stellenausschreibungen mit detaillierten Aufgabenprofilen, Anforderungen oder Qualifikationsvoraussetzungen werden dabei allerdings nicht veröffentlicht. Ebenso fehlen Angaben zur Bezahlung beziehungsweise zum für die jeweilige Position vorgesehenen Mindestentgelt, wie sie bei Stellenausschreibungen in Österreich grundsätzlich vorgesehen sind. Das alles kann auf manchen Beobachter ein wenig chaotisch und unprofessionell wirken.
Auch auf der Firmenwebsite von Joint Sky Services findet sich weiterhin lediglich die Möglichkeit einer Initiativbewerbung, ohne dass dort konkrete offene Positionen samt Tätigkeitsbeschreibung, Anforderungsprofil und Gehaltsangaben ausgeschrieben wären.
Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil Joint Sky Services bereits Ende Oktober die Bodenabfertigung von AAS am Flughafen Wien übernehmen soll. Während das Unternehmen damit öffentlich Bewerber für sämtliche wesentlichen operativen und administrativen Bereiche sucht, haben die derzeit bei AAS beschäftigten Mitarbeiter dem Vernehmen nach weiterhin keine Information darüber erhalten, ob beziehungsweise in welchem Umfang sie vom neuen Lizenznehmer übernommen werden.

Bei AAS sollen viele Mitarbeiter deshalb besorgt sein, ihre Arbeitsplätze zu verlieren oder künftig zu schlechteren Bedingungen weiterbeschäftigt zu werden. „Wir wissen nach wie vor nicht, was mit uns passiert. Viele von uns fürchten, dass man uns durch neu eingestellte Mitarbeiter ersetzt oder uns eine Weiterbeschäftigung nur zu schlechteren Konditionen anbieten könnte“, schildert eine junge AAS-Mitarbeiterin die Stimmung innerhalb der Belegschaft.
In der Vergangenheit war das Gros der Belegschaft bei einem Anbieterwechsel am Flughafen Wien immer mit übernommen worden. Als AustroPort den Betrieb einstellte, wechselten die Mitarbeiter zu Fraport. Als Fraport den Vertrag verlor und Celebi kam, gingen die meisten Angestellten zu Celebi. Als AAS die Celebi ablöste wiederholte sich dieser Vorgang.
Eine rechtliche Verpflichtung zur Übernahme der Mitarbeiter von der Vorgänger-Firma besteht grundsätzlich aber nicht.
(red)