Österreich

AAS-Nachfolger Joint Sky Services mutet nach außen weiter wie "Briefkastenfirma" an

Mehr als ein halbes Jahr nach der Gründung der Joint Sky Services Gmbh gibt es am Firmensitz, einem Wohnhaus in Eisenstadt, noch nicht einmal ein Firmenschild. Auf dem Briefkasten findet sich handgeschrieben der Name einer anderen Firma - Foto: Bettina W.

Ende Juli berichtete Austrian Wings darüber, dass eine "anonyme" burgenländische Firma, die gerade rechtzeitig zur Ausschreibung gegründet worden war, den Zuschlag für die Bodenabfertigung am Flughafen Wien erhalten hatte. Sie löst das Schweizer Unternehmen AAS bei der Bodenabfertigung am Flughafen Wien mit Ende Oktober ab. Der Firmensitz ist in einem Wohnhaus in Eisenstadt, an dem es bei einem ersten Lokalaugenschein vor mehr als zwei Wochen weder Firmenschild, noch den richtigen Firmennamen gab. Daran hat sich bis jetzt nichts geändert.

Am 24. Juli dieses Jahres berichtete Austrian Wings darüber, dass die vor rund einem halben Jahr neu gegründete und in der Branche völlig unbekannte Firma namens Joint Sky Services GmbH den Zuschlag für die Bodenabfertigung am Flughafen Wien erhalten hatte. Das Unternehmen ohne jede ersichtliche Erfahrung in diesem Bereich setzte sich damit gegen den langjährig international tätigen Konzern AAS sowie weitere Mitbewerber durch. Innerhalb der Branche und bei externen Beobachtern sorgte dieser Vorgang für Verwunderung und warf Fragen zum Vergabevorgang auf, die noch gesondert an den Flughafen Wien sowie die entsprechenden behördlichen Stellen gerichtet werden.

Das Unternehmen Joint Sky Services GmbH war erst Anfang des Jahres (offenbar rechtzeitig um sich auf die Ausschreibung bewerben zu können) mit einem recht niedrigen Stammkapital von 10.000 Euro gegründet worden. Seit rund einem halben Jahr gab es keine öffentlich einsehbaren Kontaktmöglichkeiten. Eine "leere" Homepage mit "Under Construction" aber ohne E-Mailadresse und ohne Telefonnummer war erst Mitte Juli online gegangen, gut fünf Monate nach Gründung der Firma, die schon in weniger als drei Monaten den Betrieb aufnehmen will. Als Firmensitz ist eine Wohnhausanlage in Eisenstadt nahe dem burgenländischen Landtag angegeben. Bei einem ersten Austrian Wings Lokalaugenschein vor etwas mehr als zwei Wochen kannte das Unternehmen niemand, der von uns in Eisenstadt dazu befragt wurde. Ein Firmenschild gab es nicht. Auf der Klingel klebte der Name Joint Station (aber nicht Joint Sky Services Gmbh), siehe Foto hier. Dieses Unternehmen ist aber nicht die aktuelle Joint Sky Services, sondern eine in Liquidation befindliche Vorgängerfirma. Die Liquidation von Joint Station wickelt einer der Geschäftsführer der Joint Sky Services GmbH ab. Bei einem erneuten Lokalaugenschein Mitte August war dieser mit Klebeband auf der Klingel angebrachte nicht mehr zutreffende Firmenname (Joint Station) verschwunden. Stattdessen steht dort jetzt ein ganz normaler burgenländischer Familienname. Auf dem Briefkasten dagegen findet sich nach wie vor der alte Name Joint Station. Nirgendwo gibt es auch nur den geringsten Hinweis auf ein Unternehmen namens Joint Sky Services. Ein Firmenschild existiert an der angegebenen Adresse noch immer nicht, weder für Joint Station noch für Joint Sky Services.

Auf dem Klingelschild ebenfalls kein Hinweis auf Joint Sky Services. Rechts oben klebte bis vor kurzem noch der Name von Joint Station, einer anderen Firma. Dieser wurde jetzt aber entfernt, dort steht lediglich ein privater Familienname, der mit K. beginnt. - Foto: Bettina W.

Indes zittern die gut 300 Mitarbeiter der AAS noch immer um ihre Jobs. "Wir wissen gar nichts, hängen völlig in der Luft", schilderte eine Mitarbeiterin gegenüber Austrian Wings. 

Ende Juli hatte einer der beiden Joint Sky Services Geschäftsführer, Martin Stift, schriftlich gegenüber Austrian Wings erklärt, dass eine Übernahme der Mitarbeiter "geplant wäre", allerdings "entsprechend je nach möglicher Übernahme der Aufträge". Eine sehr wage und unverbindliche Aussage.

Stift ist hauptberuflich Referatsleiter in der burgenländischen Landesregierung, war zuvor (2024) Büroleiter des burgenländischen Landtages und hat dem Vernehmen nach ein Nah- oder zumindest Vertrauensverhältnis zum burgenländischen Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil. Dieser hat sich bislang nicht zu den hinterfragenswerten (aber rechtlich, soweit bekannt, einwandfreien) Vorgängen rund um die Gründung der Joint Sky Services Gmbh und die Vergabe des Vertrages für die Bodenabfertigung an den absolut anonymen "Newcomer" geäußert.

"Ich frage mich wie jemand, der einen Job als Referatsleiter in der burgenländischen Landesregierung hat, überhaupt so viel Freizeit haben kann, um nebenbei Geschäftsführer einer zweiten Firma zu sein", wundert sich eine AAS-Mitarbeiterin. Eine Frage, die offenbar auch Journalisten interessiert. Ende Juli gab man sich beim Land Burgenland diesbezüglich gegenüber dem Journalisten Stefan Beig aber eher zugeknöpft.

(red)