Der Luftraum über der heutigen kroatischen Hauptstadt Agram/Zagreb (1976 Teil der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien) war in den 1970er Jahren dicht beflogen und es hatte schon etliche Beinahe-Kollisionen gegeben. Es schien also nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es einmal zu einem Unglück kommen würde. Das geschah am 10. September 1976.
Eine Hawker Siddeley Trident 3B (G-AWZT) der British Airways auf dem Weg von London nach Istanbul mit 54 Passagieren und 9 Besatzungsmitgliedern an Bord und eine DC-9-32, YU-AJR, der Inex Adria Airways (sollte von Split nach Köln fliegen) mit 108 Passagieren sowie 5 Crewmitgliedern kollidierten in einer Höhe von 33.000 Fuß und stürzten ab. Die 176 Menschen an Bord beider Maschinen verloren ihr Leben. Zwar hatte der verantwortliche Fluglotse im letzten Moment noch eine Warnung an die im Steigflug befindliche Inex Adria Maschine ausgegeben, dabei jedoch Jugoslawisch statt Englisch gesprochen, weshalb die britische Crew von der bevorstehenden Kollision nichts mitbekommen konnte.
Offiziell wurde ein einzelner Fluglotse namens Gradimir Tasić für das Unglück verantwortlich gemacht. Ein Gericht verurteilte den 28-Jährigen zu einer siebenjährigen Gefängnisstrafe, sieben seiner Kollegen wurden freigesprochen. Später stellte man in einem Berufungsverfahren allerdings fest, dass der völlig überarbeitete Tasic angesichts bestehender Probleme mit dem Radar die Situation im Luftraum am Unglückstag unmöglich hätte bewältigen können. Tasic hatte wegen Personalmangel die Aufgaben von drei Fluglotsen gleichzeitig zu bewältigen gehabt. Tasic war also ein Südenbock, um systematische Mängel zu vertuschen. Er wurde 1978 vorzeitig aus der Haft entlassen.
(red CvD, FZ)