Patrick Huber (PH): Können Sie unseren Lesern bitte kurz ihren fliegerischen Werdegang schildern?
Michael Umgeher (MU): Gerne. Meinen ersten Flug als Passagier hatte ich 1985 als 11-Jähriger. Das war einen Tag nach dem Terroranschlag am Flughafen Wien. (Anmerkung des Autors: Siehe dazu auch mein Buch „Wie König Davids Söhne den Himmel eroberten – von Sternstunden und Tragödien der israelischen Luftfahrt“ sowie das große Interview mit dem verstorbenen Polizei-Oberst Alfred “Django” Rupf). Das war deswegen ein sehr komisches Gefühl. Der Flug ging mit EL AL nach Eilat. (Anmerkung des Autors: Der israelische Flagcarrier EL AL ist seit Jahrzehnten Anschlagsziel arabischer Terroristen, siehe auch mein 30. Buch - "EL AL Flug 219: Die verhinderte Entführung"; aus diesen Erfahrungen der Vergangenheit hat EL AL das wahrscheinlich effizienteste Sicherheitskonzept der Welt entwickelt; gepanzerte Cockpittüren, bewaffnetes Flugsicherheitspersonal und eigene Sicherheits-Mitarbeiter auf allen angesteuerten Flughäfen sind heute Standard) Aber von da an begann ich mich für Flugzeuge zu interessieren. Mit 13 Jahren erklärte ich meinen Eltern dann, dass ich Pilot werden will, was die natürlich erst einmal belächelt haben. Aber ich habe mein Ziel konsequent weiterverfolgt und nach dem Bundesheer in den USA sämtliche Lizenzen bis zum CPL mit Multi Engine und IFR sowie die Fluglehrerberechtigung erworben. Zurück in Österreich machte ich bei der Österreichischen Luftfahrtschule in Graz dann noch den theoretischen ATPL, bewarb mich 1999 bei Lauda Air und wurde genommen. Ab 1999 war ich zunächst auf dem CRJ, wechselte später auf die Boeing 767, die ich noch heute als Kapitän fliege.
PH: Welche Routen ex Wien würden Sie als besonders geeignet für die 767 ansehen?

MU: Fliegerisch ist es eigentlich egal, wo man hinfliegt. Das ist eher eine wirtschaftliche Frage. Hier stellten uns gewisse Strecken vor gewisse Herausforderungen, insbesondere im asiatischen Raum. Da mussten wir manchmal Fracht zurücklassen, weil es sich sonst mit der Reichweite nicht ausgegangen wäre.
PH: Wie ist die 767 aus Pilotensicht eigentlich zu fliegen?
MU: Es gibt bei der Steuerung keine Computerunterstützung. Die Ruder werden hydraulisch betätigt, man muss trimmen. Sie manuell zu fliegen ist wirklich anspruchsvoll. Ich würde sogar sagen, sie ist das derzeit anspruchsvollste Flugzeug in der Langstreckenflotte der AUA. Auf der anderen Seite kann diese fehlende Automatisierung auch von Vorteil sein, denn das Flugzeug ist sehr logisch aufgebaut und leicht zu durchschauen. Da gibt es kaum Überraschungen.

PH: Bei aller Professionalität spielen Emotionen in der Fliegerei immer noch eine große Rolle. Wie war das für Sie, als sie 2021 mit der OE-LAT die erste von der AUA ausgeflottete 767 zur Verschrottung in die Wüste geflogen haben?
MU: Das war tatsächlich deutlich emotionaler als ich es zuvor erwartet hatte. Als ich nach der Landung in Arizona vom Flugzeug weg ging, hatte ich wirklich feuchte Augen. Als ich heuer im Oktober dann die OE-LAZ nach Arizona überstellte, war es, obwohl schon „Routine“, wiederum emotional.
PH: Was waren Ihre persönlichen fliegerischen Höhepunkte, die Sie mit der 767 erlebt haben?
MU: Das waren Flüge zu exotischen Destinationen wie beispielsweise Kathmandu, die Seychellen oder auch Südamerika. Teilweise hatten wir dort eine ganze Woche Aufenthalt.
PH: Am 1. Dezember 2026 findet ein Abschiedsflug für die 767 statt, den Sie selbst als Kapitän pilotieren werden. Werden Sie auch den letzten Überstellungsflug in die Wüste durchführen?
MU: Ja, das ist vorgesehen und ich denke, das wird dann noch einmal emotional werden.
PH: Vielen Dank für das Interview.
MU: Gerne.

Hinweis: Ein besonders ausführliches Interview mit Kapitän Umgeher lesen Sie in der demnächst erscheinenden Chronik “Die Geschichte der Boeing 767 in Österreich - von Lauda Air zu Austrian Airlines” von Patrick Huber.