Die Ära der Boeing 767 in Österreich begann mit der Übernahme der ersten Maschine durch die private Lauda Air im Jahr 1988. Das Flugzeug, eine Boeing 767-300ER, trug die Kennung OE-LAU und den Taufnamen "Johann Strauß". Lauda Air hatte sie recht rasch und günstig von Boeing erhalten, denn sie war zuvor als Testflugzeug genutzt worden. Deshalb waren ihre Flugleistungen (Reichweite) auch schlechter als die späterer Maschinen. Die zweite 767-300ER in Österreich war die OE-LAV "Mozart" und die erste "vollwertige" 767 der Lauda Air.

Sie erlangte leider traurige Berühmtheit als sie am 26. Mai 1991 aufgrund eines wohl durch schwere Wartungsmängel bei Lauda Air begünstigten Konstruktionsfehlers an der Schubumkehr abstürzte und alle 223 Menschen in den Tod riss. Die Details zur Vorgeschichte, zum Unglück und den Ereignissen danach - bis heute - habe ich detailliert in meinem investigativen Sachbuch "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart' - Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe" beschrieben, das unter anderem in der Buchhandlung am Hauptplatz in Schwechat erhältlich ist.
Als Ersatz für die "Mozart" mietete Lauda Air zunächst zwei Boeing 767-300ER aus Frankreich an, beschaffte später von der niederländischen Martinair eine weitere Maschine, die das Kennzeichen OE-LAT erhielt. In den kommenden Jahren kaufte Lauda Air zusätzliche Boeing 767. Als letzte Maschine stieß Ende 2000 die OE-LAE zur Flotte. All diese Flugzeuge gehörten zur Baureihe 767-300ER.
Als die stets finanzschwache Lauda Air ("Wir hatten ja nie Geld", so ein ehemaliger ranghoher Mitarbeiter der Lauda Air) vor der Insolvenz stand, musste Austrian Airlines auf "Wunsch" der Politik den maroden Konkurrenten samt dessen Boeing-Flotte, die überhaupt nicht zur Airbus-Flotte der AUA passte, übernehmen.
Weil Lauda Air Gründer Niki Lauda zuvor (unter Umgehung des Aufsichtsrates) Sale and Lease Back Verträge für einen Teil seiner Langstreckenflotte (die aus Boeing 767 und 777 bestand) abgeschlossen hatte, deren Auflösung für Austrian ausgesprochen kostenintensiv geworden wäre, musste sich die AUA schweren Herzens von ihren wesentlich moderneren A330 und A340 trennen und setzte fortan ausschließlich die 767 und 777 der früheren Lauda Air im Langstreckenverkehr ein.
Doch beide Typen sind mittlerweile "abgeflogen" und am Ende ihrer Lebensdauer angekommen beziehungsweise kurz davor. Ersatz ist endlich in Sicht, nachdem es jahrelange Verzögerungen gegeben hatte.
Wie ausführlich von Austrian Wings berichtet, werden die Boeing 767 und 777 durch die moderne Boeing 787-9 Dreamliner abgelöst, von der die AUA bis 2028 insgesamt 12 Stück erhalten soll. Die 787 löst nicht nur die Boeing 767, sondern auch die 777 ab. Aktuell fliegen drei Boeing 787 Dreamliner (OE-LPL, OE-LPM und OE-LPG) für die rot-weiß-rote Fluggesellschaft, die mit Stolz zu den sichersten Airlines der Welt gehört. Seit der Aufnahme des Flugbetriebes im Jahr 1958 hatte Austrian Airlines nur einen einzigen tödlichen Absturz zu verzeichnen - und der liegt mittlerweile bereits 66 Jahre zurück. Eine derartige Sicherheitsbilanz sucht man bei vielen anderen Airlines vergeblich.

Drei von sechs Boeing 767 wurden in den vergangenen Jahren bereits ausgeflottet. Aktuell (Stand Anfang September 2026) fliegen noch drei der ehemaligen Lauda Air Boeing 767 in den Farben der Austrian Airlines. Die OE-LAE (sn 30383, l/n 812, Erstflug Oktober 2000), die OE-LAY (sn 29867, l/n 731, Erstflug Dezember 1998) und die OE-LAZ (sn 30331, l/n 759 , Erstflug Juli 1999).


Letzter Passagierflug auf der Linie Ende November/Anfang Dezember geplant
Aber auch ihre Tage sind gezählt. "Alle drei 767 werden noch bis mindestens 28. September 2026 flugfähig gehalten", erläuterte AUA-Sprecherin Anita Kiefer auf meine Anfrage. Mit diesem Datum wird voraussichtlich (Änderungen sind natürlich möglich) die OE-LAZ aus dem kommerziellen Flugbetrieb genommen. Die beiden übrigen Maschinen - OE-LAE und OE-LAY - bleiben weiter im Liniendienst.
Voraussichtlich am 30. November 2026 wird dann eine Boeing 767-300ER der AUA letztmalig als Linienflug in Wien abheben. Das Ziel wird aller Wahrscheinlichkeit nach eine Destination in den USA sein - kolportiert wird aktuell Washington (OS 041/042).
Die Landung des letzten AUA-767-Linienfluges ist dann in den frühen Morgenstunden am 1. Dezember 2026 in Wien geplant. Ob die OE-LAE oder die OE-LAY diesen historischen letzten Linienflug dieses Musters unter rot-weiß-roter Flagge durchführen wird, sei noch nicht entschieden, heißt es von der AUA auf Anfrage des Autors.
Jedenfalls geht mit dieser Landung nach 38 Jahren die Ära der Boeing 767 in Österreich endgültig zu Ende. Schade, dass es nicht bis zum 40er gereicht hat. Doch die alte Lady hat sich ihren Ruhestand mehr als verdient.
Text & Fotos: Patrick Huber