Reportagen

Ausrüstung für das Spotten – Anleitung, Erklärung

"Planespotten" - dieses Hobby ergreifen,  vor allen Dingen in Zeiten der Digitalfotografie, immer mehr flugbegeisterte Menschen aller Altersklassen, unabhängig von Beruf und Bildung. Doch von den ersten, oftmals verwackelten und schlecht belichteten Aufnahmen bis zum (für einen selbst) "perfekten" Foto ist es meist ein langer Weg. Jürgen Postl, Fotograf aus Leidenschaft und erfahrener Spotter, gibt in der letzte Austrian Wings Reportage dieses Jahres einige Tips und verrät ganz persönliche Tricks, die das Fotografieren leichter machen.

Egal, ob in Fotoforen oder in Luftfahrt-bezogenen-Foren – irgendwann taucht der Begriff „spotten“ sowie die dazu gehörende Frage nach der notwendigen Ausrüstung auf. Ich möchte hiermit versuchen einen kleinen Überblick zu schaffen, so Art Hilfe und Unterstützung für den Neueinsteiger. Aber vielleicht ist auch für den einen oder anderen Flugzeug-Fotografen/Spotter etwas Hilfreiches dabei.

Ich gehe davon aus, dass man mit den Grundbegriffen (Brennweite, Belichtungszeit, Blende, usw. …) einer Kamera vertraut ist. Sollten diese Begriffe jemanden fremd sein, dann bitte unbedingt Sachbücher zu diesem Thema besorgen! Diese Sachen hier zu erklären, würden den Rahmen eindeutig sprengen und auch vom eigentlichen Thema ziemlich abweichen.

Aber vorerst mal kurz eine Erklärung was man unter „spotten“ versteht.
Ein Spotter ist eine Person, die sich mit dem gezielten Beobachten von Objekten oder Phänomenen, dem sogenannten Spotting (von engl. to spot, beobachten, ausmachen, erkennen bzw. orten, lokalisieren), beschäftigt. (Quelle: wikipedia de.wikipedia.org/wiki/Spotter )

Welche Marke ist die ideale Kamera zum Spotten?

Den Spruch hat man sicherlich schon des Öfteren gehört und er stimmt: „das Foto macht immer noch der Fotograf“! Der Fotoapparat dazu dient einzig und allein als Werkzeug. Einen Fehler, den viele machen, ist, dass sie ihr Werkzeug nicht beherrschen bzw. teilweise verschiedene Zusammenhänge nicht beachten, wodurch, vorsichtig ausgedrückt, nicht so ideale Bilder entstehen! Die Schuld darf man dann aber nicht der Kamera geben – die macht nur das, was man einstellt! Und das ist auch gut so. Wer will schon Kameras mit einer eigenen Meinung? ;-)

Darum: bitte nicht auf irgendeine Marke fixieren, nur weil man weiß, dass ein sehr gutes Bild mit der Kamera xyz gemacht wurde oder der Freund/Bekannte die Kamera xyz verwendet! In erster Linie muss sich der Fotograf mit der Kamera wohl fühlen, so kitschig das auch klingen mag: Fotograf und Kamera müssen miteinander harmonieren. Das hat sicherlich schon jeder Mal von uns auch in anderen Situationen erlebt. Das beste Beispiel aus dem Heimgebrauch sind die zig Fernbedienungen daheim am Wohnzimmertisch. Die eine Fernbedienung kann man nach kurzer Zeit fast blind betätigen, mit der anderen Fernbedienung ist es genau anders herum, mit der kommt man einfach nicht zurecht. So ähnlich verhält es sich auch mit der Kamera. Man muss mit der Handhabung sowie Haptik der Kamera zufrieden sein – und da ist die Marke der Kamera egal.

Fazit: keine Markenempfehlung – jeder Fotograf muss für sich selbst heraus finden, mit welcher Kamera er am besten arbeiten kann. Die Aussage mag anfangs wenig hilfreich sein, jedoch kommt man nicht darum herum, sich mit den verschiedenen Kameras auseinanderzusetzen.

Welche Kamera zum Spotten - (D)SLR oder Kompaktkamera?

Allgemein gesehen ist es egal, mit welcher Kamera man spottet, sofern man eine Kompaktkamera mit einem guten optischen Zoom bzw. man für seine (D)SLR einen guten Zoom hat. Im Laufe der Zeit, und wenn man vom Spotter-Virus so richtig erwischt wurde, wird man recht rasch bei einer Spiegelreflexkamera mit Zoom landen. Über den Unterschied zwischen einer normalen (SLR) und digitalen (DSLR) Spiegelreflexkamera brauche ich nicht viel zu schreiben – der Unterschied von Film und Speicherkarte liegt auf der Hand, wobei ich eine SLR aber nicht automatisch als Nachteil sehe. Das führt jetzt aber schon zu weit.

Der Unterschied einer Kompaktkamera und einer Spiegelreflexkamera liegt, mal abgesehen vom enormen Preisunterschied, einfach an der Qualität sowie an den Möglichkeiten der DSLR. Man kann dort wesentlich mehr einstellen, was für gewisse Situationen bzw. gewünschte Bildeffekte schon wichtig ist. Da kommt man bei einer Kompakten schon sehr nah an die Grenze des Machbaren. Zu diesen möglichen Bildeffekten komme ich dann noch etwas später, wobei ich im weiteren Bericht immer von einer DSLR ausgehe.

Fazit: der Vorteil liegt eindeutig bei der DSLR – d.h. jetzt aber nicht, dass man nur mit einer DSLR spotten kann! Wenn sich nicht schon eine DSLR im Haushalt befindet, ist für den Spotter-Anfänger der Beginn mit einer Kompaktkamera empfehlenswert. Eine Kompaktkamera hat heute fast schon jeder und es ist auch die günstigste Variante um zu sehen, ob einem das Spotten überhaupt liegt!

Zoom ja/nein, wie viel Zoom braucht man?

Wenn man spottet, wird man mit Panoramaaufnahmen nicht glücklich werden. Für einen Überblick von einem Flughafen oder zum Einfangen einer schönen Stimmung (z.B. Sonnenuntergang beim Tower) reicht jedes normale Standardobjektiv. Darum ist ein Zoom auf alle Fälle notwendig. Bei der Frage: „ja und wie viel Zoom/Brennweite brauche ich?“ wird man immer die Antwort bekommen: man kann nie genug Zoom haben! ;-). Und fehlenden Zoom gleicht man mit den Füßen aus! Das geht natürlich nur bis zum Zaun, aber wenn man gute Bilder machen will, muss man auch dazu bereit sein, dafür ein wenig etwas zu tun.

Kurz zur Kompaktkamera: hier ist bitte darauf zu achten, dass die Kamera einen guten optischen Zoom hat. Ein digitaler Zoom macht an sich nichts Anderes als das bestehende Bild elektronisch zu vergrößern, wodurch es zu Qualitätseinbußen kommt.

Hinweis: Alle Bilder können durch anklicken vergrößert werden!

Hier ein Beispiel: Zuerst das Ausgangsbild:

Der grün umrandete Teil ist der gewünschte Ausschnitt, den wir nun heran zoomen.

Hier der Vergleich – oben optischer Zoom, unten digitaler Zoom:

Der optische Zoom erreicht die Vergrößerung durch das Zoom-Objektiv (in diesem Objektiv sind verschiedene Linsen in bestimmter Reihenfolge angeordnet, dadurch ist das Zoomen möglich). Der digitale Zoom nimmt das Bild und vergrößert es eben digital – darunter leidet aber, wie man im Vergleich sehen kann, die Qualität.

Beim Zoom für eine DSLR sollte man anfangs schon eine Brennweite von 200mm verwenden. Dies ist natürlich abhängig von welcher Position aus man die Flugzeuge fotografiert, aber für den Einstieg ist das schon mal ein guter (und relativ kostengünstiger) Beginn. Die üblichen Brennweiten beim Spotten liegen zw. 200mm und 400mm.

Fazit: Zoom ist zum Spotten auf alle Fälle notwendig, je mehr desto besser – sofern wiederum die Qualität des Zoom-Objektives stimmt. Es gibt hier schon einige Qualitätsunterschiede, mehr Informationen über diverse Zooms bekommt man dazu in den jeweiligen Fachforen (Marken-Foren sowie allgemeine Foto-Foren).

Was muss beim Fotografieren von Flugzeugen beachtet werden?

Dazu gehört eigentlich gar nicht so viel:

  • Sonne im Hintergrund - wenn man nicht gerade künstlerisch wertvolle Fotos machen möchte, wo die Sonne genau entgegen scheint, immer darauf achten, dass die Sonne im Rücken ist! Aber dazu eine Bitte: nicht jedes Gegenlicht-Bild kann als „künstlerische Auslegung“ begründet werden!
  • Uhrzeit des Fotos - sofern es sich nicht gerade um einen seltenen Flieger handelt und man es sich einteilen kann, sollte man Fotos rund um die Mittagszeit vermeiden. Das Sonnenlicht ist um diese Zeit relativ „hart“, die meisten Flieger sind weiß – das kann dazu führen, dass Teile vom Foto ausgebrannt (stark überbelichtet) sind. Da die Flugzeuge aber nicht auf das Sonnenlicht für Spotter Rücksicht nehmen ;-), ist das nur als allgemeiner Hinweis gedacht. Darum, sofern möglich, die Zeiten vor bzw. nach der Mittagszeit nutzen.
  • Hohe Temperaturen/Hitzeflimmern - Passt ein wenig zum vorigen Punkt. Im Sommer kann das schon ab dem Vormittag ein Problem sein, wenn man Flugzeuge am Boden fotografiert. Durch die hohe Wärme am Asphalt ist dann der Flieger am Foto leicht verschwommen, das sollte man zumindest beachten und an dieses Hitzeflimmern denken!
  • Freie Sicht zum Flieger - wenn man das Flugzeug im Landeanflug erwischt, wird relativ wenig im Weg stehen. Wenn man allerdings das Flugzeug bei der Landung (oder schon am Boden stehend) fotografieren möchte, sollte man darauf achten, dass nichts im Weg steht. Zaun, Laternenpfahl, Tankwagen, usw. – das ist auch ein Grund, warum man Spotter öfters mit Leitern am Flughafen sieht.
  • Flugzeug formatfüllend ablichten - D.h. der Flieger sollte so groß wie möglich am Foto zu sehen sein, also vor und hinter dem Flieger sollte schon etwas Platz sein, aber je größer der Flieger fotografiert wird, desto besser. Ausnahmen davon sind, wenn man sogenannte Close-Ups (Nahaufnahmen von Teile des Fliegers)
  • Sofern während des Fotos möglich, schiefen Horizont vermeiden - Hier kann man sich aber bei der nachträglichen Bildbearbeitung helfen.
  • Verbote beachten, vorab informieren! Hat zwar jetzt nur indirekt mit dem Fotografieren zu tun, trotzdem ist es ganz wichtig: unbedingt auf die Verbote rund um den Flughafen achten! Wenn es z.B. nicht erlaubt ist, mit dem Auto zum Flughafenzaun zu fahren, dann auch daran halten! Es gibt auch vereinzelt Länder, die das Spotten nicht so gerne sehen. Beachten sollte man auch zB das Fotografieren von militärischen Flugzeugen bzw. Militärflughafen.
  • Und: das ist kein Gesetz, sondern eine Bitte von mir: wenn man sich etwas zum Trinken/Essen zum Spotten mitnimmt (und da spricht auch nichts dagegen), dann bitte den Abfall wieder mitnehmen und nicht einfach nur wegschmeißen!

Welcher Fotografier-Winkel ist der Richtige?

Auch wenn einige Leute darüber wirklich diskutieren: es gibt keinen richtigen Winkel! Hier zählt einzig und allein was dem Fotografen gefällt! Ob es nun das exakte 90° Foto ist (das Flugzeug wird hierbei genau seitlich fotografiert), oder schräg von vorne, ob im Flug wo das Flugzeug nur mit Himmel zu sehen ist, beim Landeanflug mit Umgebung drauf oder in der Parkposition – es ist einfach egal. Sofern das Bild selbst schön ist. Unter „schön“ verstehe ich, dass es scharf, kontrastreich, gerade, ohne Staub/Verschmutzung und ohne störende Gegenstände im Weg zu sehen ist.

Hier ein zwei Beispiele:

Fazit: das was einem selbst am besten gefällt, ist der richtige Aufnahmewinkel

Welche Blende, Belichtungszeit soll man verwenden?

Generell, kann man die allgemeine Aussage: „Wenn die Sonne lacht, nimm Blende acht!“ anwenden. Damit liegt man nicht so schlecht.

Eine immer-gültige Regel gibt es allerdings nicht. Hier kommt genau das zu tragen, was ich ganz zu Beginn angesprochen habe. Man muss sein Werkzeug beherrschen, d.h. man sollte schon wissen, was eine Blende ist, wie man die verstellt und wie sich die Belichtungszeit dazu verhält, bzw. in welcher Abhängigkeit das zueinander steht.

Die meisten Kameras haben sogenannte Motiv-Programme. Jeder kann verwenden was er möchte, wobei ich persönlich empfehlen würde: Finger weg davon! Sie mögen zwar anfangs etwas helfen, allerdings nehmen einem diese Motiv-Programme die Möglichkeit selbst einzugreifen, da eben alles vorgeben ist. Mit dem Ein- bzw. Verstellen von Blende und der Belichtungszeit kann man sehr nette Effekt erzielen (siehe nächsten Punkt).

Fazit: wie auch bei allen anderen Fotos gelten bei Spotter-Fotos die gleichen Regeln. Bei klarem Sonnenschein auf die Blende achten, die passende Belichtungszeit kann man dann die Kamera selbst einstellen lassen. Um bestimmte Effekte zu erreichen kann man dann die Belichtungszeit ändern ?

Wie bringe ich etwas Bewegung ins Bild?

Wenn man diese Bilder vergleicht, versteht man recht rasch, was damit gemeint ist.

Der Flieger am oberen Bild wirkt wie wenn er stehen würde, obwohl sichtbar in der Luft. Dieses stehende „Gefühl“ entsteht durch die Propeller, die sich am Bild nicht drehen. Das entspricht auch nicht dem Bild, welches wir sehen, selbst wenn wir den Flieger nur mit unseren Augen beobachten. Da kann man die Propeller nicht scharf erkennen. Unser Auge vermittelt uns mehr den Eindruck des unteren Bildes. Man erkennt den Flieger, die Propeller sind unscharf.

Nur wie erreicht man diesen Effekt in einem Foto?

Das schafft man am einfachsten mit der Einstellung der Belichtungszeit. Je länger man belichtet, desto mehr Bewegung kann man festhalten. D.h. je kleiner die Zahl ist, desto länger wird unser Flieger belichtet, ein 1/640 belichtet kürzer als 1/80, die Bewegungen werden kürzer (schneller) „eingefroren“. Bei einem Flugzeug funktioniert das am besten bei Propellermaschinen bzw. einen sichtbaren Hintergrund. Um nun eine Bewegung im Foto darzustellen muss der Flieger selbst scharf sein, die sich bewegenden Teile (Propeller, Hintergrund) eine sogenannte Bewegungsunschärfe haben.

Das erste Foto wurde mit 1/640 gemacht, das zweite mit 1/50.

Der Flieger war in Rollbewegung, die Propeller waren eingeschaltet. Im oberen Bild erweckt es den Eindruck, dass der Flieger, trotz rollen, steht. Im Gegensatz zum unteren Bild, wo man durch die unscharfen Propeller Bewegung vermittelt.

Diese Bilder verlangen ein wenig Übung. Man kann anfangs die Belichtungszeiten Schritt für Schritt herunter setzen und sich so an die eigenen Grenzen vortasten. Man darf aber nur nicht verzweifeln wenn es nicht klappt, immer und immer wieder ausprobieren! Belichtungszeiten um 1/80-1/160 bringen schon etwas Bewegung ins Bild – es muss aber einfach alles stimmen und man muss dazu auch alle anderen wichtigen Komponenten beachten! Wenn man länger belichtet und es scheint gerade kraftvoll die Sonne, riskiert man ein überbelichtetes – und damit nicht verwendbares – Bild!

Bei Propellermaschinen ist es natürlich am schönsten wenn man eine ganze Umdrehung der Propeller ablichten kann. Soweit das bei Verkehrsmaschinen (z.B. Dash) schon mit 1/120 möglich ist, braucht man bei den kleineren Maschinen mehr Zeit!

Dieses Bild wurde mit 1/60 gemacht, die Propellerumdrehung ist nicht ganz gelungen. Trotzdem sieht man am Bild, dass das Flugzeug in Bewegung war.

Dies soweit mal zu den bewegenden Propellern. Wie schon erwähnt, kann man auch mit einem verschwommenen Hintergrund diese Bewegung darstellen. In den Foren liest man das öfters als „Mitzieher“. Das Prinzip ist hier dabei das Gleiche wie bei den bewegenden Propellern. Man belichtet etwas länger und verfolgt während dieser Belichtungsphase in der gleichen Geschwindigkeit das Flugzeug. Im Idealfall bleibt dadurch der Flieger scharf, alles andere drum herum wird unscharf.

Das erste Bild wurde ebenfalls mit 1/60, das untere Foto dagegen mit 1/100 gemacht. Der Flieger wird scharf gestellt, man „zieht“ dabei die Kamera – den Flieger im Sucher weiterhin anvisierend – mit, drückt ab und verfolgt den Flieger solange weiter, bis das Bild fertig ist. Klingt schwieriger als es ist, es erfordert nur ein wenig Übung.

Bei diesen Aufnahmen entwickelt jeder Fotograf seine eigene Vorgehensweise, bei mir ist es z.B. so, dass ich kurz vor den Aufnahmen ausatme, weil der Körper dadurch weniger unruhig ist, man sucht sich schon zuvor hat eine gute, standsichere, Position und Bewegungsfreiheit. Ich für mich arbeite freihändig, man kann natürlich auch ein Stativ verwenden, dies ist allerdings ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Auch mit dem Stativ kommt man aber nicht darum hinweg, dass man dieses zuvor übt.

Fazit: üben, üben, üben. Diese Fotos erfordern ein wenig Übung, aber wenn man mal weiß, wie es geht, macht es Spaß. Aber wie schon mal angesprochen – auf keinen Fall verzagen, wenn es nicht klappt. Selbst den erfahrenen Leuten gelingen nicht jeden Tag diese Bilder 100%ig perfekt.

Ist zum Spotten ein Stativ notwendig?

Zum allgemeinen Spotten ist kein Stativ notwendig. Die Fotos schafft man problemlos freihändig, bei dem „Standard-spotten“ würde ich ein Stativ sogar eher als störend empfinden. Man kann eventuell über ein Einbein-Stativ nachdenken, wenn man den ganzen Tag mit einem schweren Objektiv am Flughafen steht, aber das liegt auf alle Fälle beim eigenen Empfinden, ob man das möchte oder nicht.

Ein Stativ macht vor allem Sinn, wenn man jetzt nicht nur die Flugzeuge untertags, sondern auch bei etwas schlechterem Licht bzw. gleich in der Nacht fotografieren möchte.
Zusammen gefasst, was man bei Fotografieren am Stativ beachten sollte:

  • Stabiles Stativ - Das Stativ muss das Gewicht von Cam+Objektiv aushalten, ohne dass es beim geringsten Luftzug wackelt. Das sollte man nicht unterschätzen!
  • Bildstabilisator am Objektiv deaktivieren - der Bildstabilisator hat ja das Streben, dass es beim Auslösen jede Verwacklung ausgleicht. Wenn man nun am Stativ auslöst, aktiviert sich der Motor des Bildstabilators und bewirkt in dem Fall das Gegenteil. Es erzeugt Verwacklungen, die der Motor mit ganz kleinen Vibrationen auslöst – und bei einem Nachtfoto genügt die kleinste Erschütterung um es zu verwackeln. Darum den Stabilisator deaktivieren! Die neueren Modelle der Stabilisatoren erkennen inzwischen von alleine, wenn die Kamera auf einem Stativ montiert ist – wenn man sich unsicher ist, welches Modell man hat, bitte die Bedienungsanleitung lesen!
  • Fernauslöser (bzw. Selbstauslöser) - ein Fernauslöser verhindert, dass man mit dem Druck auf den Auslöser die Kamera nur minimal bewegt! Das bedeutet, wenn man auf diesen Knopf drückt, bewegt sich – egal wie stabil das Stativ auch ist – die Kamera minimal in diese Richtung, in die man drückt. Lässt man den Knopf nun wieder los, federt das Stativ diesen kleinen Weg wieder zurück, mit dem Ergebnis, dass man ein verwackeltes Foto hat. Das umgeht man mit dem Fernauslöser, indem man ohne Kameraberührung den Auslöser betätigen kann! Sollte man keinen Fernauslöser besitzen, kann man dazu alternativ auch den Selbstauslöser aktivieren. Empfehlenswert sind 10s, so hat das Stativ genug Zeit zwischen Drücken des Auslösers und Beginn der Aufnahme sich auszuschwingen.
  • Spiegelvorauslösung aktivieren - bei diesen Punkt werden wohl einige in der Bedienungsanleitung nachblättern müssen, da man diese Spiegelvorauslösung (kurz SVA) sehr selten verwendet. Der Sinn der SVA hat den gleichen Grund wie der Fernauslöser. Wenn man auslöst, klappt bei den DSLR der Spiegel hoch. Der Spiegel ist zwar gedämpft, trotzdem kann es bei ein paar Kameras dazu führen, dass dieses Hochschwingen des Spiegels ebenfalls zu Verwacklungen führen kann. Und man versucht jede mögliche Schwingung zu vermeiden, darum die SVA aktivieren.

8 Sekunden Belichtungszeit, Blende 16

Fazit: Man kann hier auch kein Grundrezept erstellen, wenn man die obigen Tipps aber berücksichtigt, funktioniert das mit den Nachtfotos. Vor allem sind auch hier Geduld und Übung gefragt! Es empfiehlt sich auch, diese Punkte alle mal daheim in Ruhe anzusehen und auszuprobieren. Kleiner Tipp: immer eine Taschenlampe mitnehmen, die hilft ungemein beim Einstellen, sofern man seine Kamera nicht total blind einstellen kann. ;-)

Zum Abschluss ein paar allgemeine Tipps

Flugzeug am Foto mittig

Das Flugzeug sollte soweit möglich immer mittig abgelichtet werden. In Fotoforen liest man immer wieder etwas von einer 2/3-Regelung usw., das auch für alle anderen Fotos gelten mag. Bei Bildern von Flugzeugen macht es Sinn, dass diese mittig zu sehen sind. Es wirkt einfach besser.

"Beschnitt" vom Flieger

Normalerweise wird das Flugzeug immer als Gesamtes zu sehen sein. Man kann aber ein wenig mit dem Beschnitt arbeiten. Das untere Bild zeigt zwar einen zugeschnittenen Flieger, aber trotzdem ist das Bild so in Ordnung. Man muss nur darauf aufpassen, dass das Flugzeug nicht „verstümmelt“ angezeigt wird. Solange man das beachtet, ist jedes Herumexperimentieren o.k.! Aber wie vieles ist auch das Geschmackssache.

Close-Ups

Die Voraussetzung dafür ist, dass man ein (gutes) Zoom-Objektiv hat. Dann gibt es auch kein Problem mit der Qualität von Close-Ups. Nur was ist das eigentlich? Wie der Name übersetzt schon verrät, bezeichnet man damit Nahaufnahmen die Teile vom Flieger größer zeigen. Im Normalfall ist das das Cockpit.

Hin und wieder nimmt man auch rauchende Reifen oder einfach die Heckflosse:

Eigene Ideen sind gefragt!

Es regnet, es ist dunkel – und trotzdem kann man Bilder am Flughafen machen! In der Fotografie sind der eigenen Phantasie keine Grenzen gesetzt, auch nicht beim Spotten. Diese Bilder sind nicht die üblichen Bilder, aber sind genau deswegen nett anzusehen.

Wenn man am Flughafen spottet, immer die Augen offen halten! Auf Dinge achten, die vielleicht gerade deswegen das besondere Bild ausmachen. Besondere Spiegelungen (zB Flugzeuge während/nach einem Regenschauer, Wasserlacke), ein besonderer Hintergrund während man einen Flieger fotografiert, eine sehr schöne Sonnenuntergangs-Aufnahme, den gerade aufgehenden Mond im Hintergrund, usw. – auch wenn ich mich wiederhole: es gibt keine Grenzen!

Viel Spaß!

Ich hoffe, dass einige Leute mit den Tipps von mir auf den Geschmack zum Spotten gekommen sind! Über diverse Rückmeldungen, ob man mit den Tipps etwas anfangen konnte, sowie natürlich auch Hinweise, Korrekturen, Ergänzungen von den „alten erfahrenen“ Fotohasen sind herzlich willkommen. Auch ich selbst lerne nie aus!

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Text & Fotos: Jürgen Postl (keine Verwendung ohne Erlaubnis des Autors!)